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Pornos, Gewalt und Selbstschädigung: Ungeeignete Inhalte im Internet

von Mag. Bernhard Jungwirth, M.Ed.

Kinder kommen im Laufe ihrer Kindheit immer wieder mit Inhalten in Kontakt, die für sie nicht geeignet sind. Über solche Inhalte kann man einfach stolpern, man kann sie als eine "Mutprobe" geschickt/gezeigt bekommen oder man sucht aktiv nach ihnen. Pornos, Gewaltvideos oder Seiten, die zur Selbstgefährdung anregen, zählen dazu. Je nach dem Alter der Kinder sind sowohl die Inhalte, wie auch die Konsequenzen höchst unterschiedlich.

"Drüber stolpern"

Immer wieder passiert es Kindern, die am Beginn ihrer Internetnutzung ganz begeistert ihre ersten Schritte tun, dass sie auf ungeeignete Inhalte stoßen. So etwa wenn Mädchen in einer Bilder-Suchmaschine ihren eigenen Vornamen eingeben und dann auf aufreizende Bilder von lasziv posierenden Mädchen und Frauen stoßen. In solchen Fällen hilft es, wenn die Suchmaschine auf "familienfreundlich" oder "safesearch" eingestellt ist.

Tippt man eine Internetadresse falsch ein – beispielsweise weil man die Adresse nicht genau kennt oder sich verschrieben hat – so kann es vorkommen, dass man auf einer Seite mit ungeeigneten Inhalten landet. Dabei spricht man von "Typosquatting", siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Typosquatting.
Daher ist es hilfreich, mit Kindern gute Suchroutinen einzuüben und mit ihnen zu besprechen, wie sie auf unangenehme Erlebnisse reagieren sollen. Mit kleineren Kindern kann man dieses Thema so  thematisieren: „Es gibt im Internet auch Seiten, die dir Angst machen können oder komisch vorkommen. Wenn du auf eine solche Seite stoßen solltest, dann schließe sie einfach wieder. Wenn dich die Seite aber schlecht schlafen lässt, dann erzähle es mir. Ich schimpfe dich nicht, denn das kann jedem einmal passieren. Aber schicke sie auf keinen Fall an deine Freundinnen und Freunde weiter.“

„Mutproben“

Recht häufig kommt es vor, dass Kinder und Jugendliche die tollsten, neuesten und besten Filme und Bilder aus dem Internet austauschen. Dazu zählen einerseits Filme und Bilder mit Inhalten, die Erwachsenen zwar sinnlos und blöd vorkommen, aber eigentlich harmlos sind. Genau so zählen dazu aber auch jugendgefährdende Filme und Bilder. Nach dem Jugendschutzgesetz in Österreich müssen Erwachsene dafür sorgen, dass Kinder mit solchen Inhalten nicht in Kontakt kommen können. Wenn Eltern also Kenntnis davon haben, dass solche Inhalte im Umlauf sind, so ist es wichtig, hier einzuschreiten und eine Weiterverbreitung zu unterbinden. Dazu zählt die Löschung des Links im Sozialen Netzwerk bzw. die Löschung des Videos auf dem Handy. Auch wenn dies keine Garantie ist, dass das Video nun "verschwindet", so macht das den Kindern doch klar, dass es sich hier um eine nicht erwünschte Verhaltensweise handelt und Eltern Konsequenzen ziehen. Wichtig ist auch, solche Fragen mit den Kindern zu besprechen und daraus Familienregeln abzuleiten.

Aktive Suche nach Verbotenem: Umgang mit Pornos

Glaubt man Statistiken, so haben 15-jährige Burschen in Österreich bereits zu einem sehr hohen Prozentsatz Pornos konsumiert und auch aktiv nach ihnen gesucht. Pornos scheinen bei den Burschen genau die Antworten zu liefern, die sie suchen. In konkreter, detailreicher Weise wird einfach "alles gezeigt". Pornos werden also immer wieder als eine Wissensquelle angesehen, genauso wie sie auch zur sexuellen Stimulation dienen.
Eltern sind manchmal schockiert, wenn sie erfahren, dass ihre 11-jährigen Söhne sich auf solchen Seiten "herumtreiben". Eine erste Reaktion ist dann oft, diese Seiten sperren zu wollen oder das Internet ganz zu verbieten. Dabei wird jedoch häufig vergessen, dass es – trotz Sperren oder Verboten – zahlreiche Möglichkeiten gibt, an diese Inhalte heranzukommen, beispielsweise via Handy oder bei Freunden. Hier ist es sinnvoller, die Burschen darauf anzusprechen und ihnen zu vermitteln, dass es sich bei Pornos um keine Darstellung der Realität handelt, sondern um schauspielerische Inhalte, wie in einem Action-Film.

Selbstschädigung

Ein spezieller Bereich, der Eltern sehr oft große Sorgen bereitet, sind Inhalte im Internet, die zur Selbstschädigung aufrufen oder animieren. Dazu zählen beispielsweise sogenannte Selbstmordforen, wo Jugendliche Gleichgesinnte suchen, mit denen sie einen solchen Schritt gemeinsam wagen könnten. Oder es sind Foren im Bereich der Essstörungen (Pro-Ana und Pro-Mia Foren), die sektenartig auf Jugendliche einwirken können, immer weiter in die Krankheit einzutauchen. Auch Foren, die das "Ritzen" und "Schneiden" – und somit Selbstverletzungen – thematisieren, zählen dazu.
In all diesen Foren wird den Jugendlichen vermittelt, dass man auf ihrer Seite steht und sie in ihrem Bemühen unterstützt. Etwas, das sie in ihrer "realen" Umgebung unter Umständen nicht erleben.  Im Selbstmordforum werden Jugendliche darin bestärkt, dass "das Leben keinen Sinn hat", im Essstörungs-Forum werden sie bestärkt, dass sie – auch wenn sie bereits sehr untergewichtig sind – zu dick sind.
Die Nutzung all dieser Angebote im Internet ist immer ein Hilferuf der Betroffenen, der unbedingt ernst genommen werden und auf den man entsprechend reagieren muss. Ist man sich als Elternteil unsicher, wie dies passieren kann, so sollte man sich professionelle Unterstützung suchen und dies auch dem Kind anbieten.

Wie kann ich Kinder vor unerwünschten und illegalen Inhalten schützen?

Sie können mit den Kindern Regeln vereinbaren (z. B. Surfziele und -zeiten), sich gemeinsam mit den Kindern im Internet bewegen und sich ihre Lieblingsseiten zeigen lassen, Sicherheitseinstellungen aktivieren sowie – bei den Jüngeren – Filterprogramme verwenden. Gerade gemeinsame Erfahrungen erleichtern es in Zukunft, positive und negative Erlebnisse, die mit der Internet-Nutzung verbunden sind, zu teilen. Gleichzeitig haben Sie so die Chance, Kinder bei der Internetnutzung gezielt anzuleiten.

Wenn Sie Regeln für die Online-Aktivitäten Ihrer Kinder festlegen, vergessen Sie nicht, dass diese nur dann wirksam sind, wenn Ihre Kinder die Regeln verstehen und akzeptieren können.
Genauso wenig wie im "realen" Leben gibt es auch für sicheres Surfen keine 100%-ige Garantie. Aber mit Hilfe verschiedenster Maßnahmen können Sie problematische Internet-Erlebnisse auf ein Minimum einschränken.

Bei jüngeren Kindern ist die Verwendung von Filterprogrammen sinnvoll. Je älter die Kinder werden, umso wichtiger wird es, mit ihnen über problematische Inhalte und unangenehme Online-Erlebnisse zu sprechen. Schließlich können Filterprogramme auch umgangen werden. Erklären Sie Ihre Einstellungen und Gefühle zu Gewalt, Pornografie und Rassismus. Machen Sie deutlich, dass das Betrachten extremer Inhalte kein Ausdruck von "Erwachsensein" ist und es normal ist, wenn dies zu einem Gefühlstumult führt. Achten Sie darauf, dass Sie mit Ihrem Kind eine gemeinsame Gesprächsbasis hinsichtlich heikler Themen haben. Seien Sie außerdem ein Vorbild: Leben Sie den Umgang mit Medien vor, den Sie auch von Ihrem Kind erwarten.

Vergessen Sie dabei nicht: Das Internet bietet großartige Möglichkeiten, ist aber gleichzeitig mit Risiken verbunden. Auf das Internet zu verzichten oder die Nutzung radikal einzuschränken, kann keine Lösung sein. Daher ist es wichtig, Kinder aktiv auf die Risiken vorzubereiten und nicht zu kritisch bei ihren Entdeckungsreisen zu sein.


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