Zum Inhalt Zum Menü
Farbiger Bogen Farbiger Bogen Ei Schwerpunktthemen Zahnrad Lupe Share on Twitter Twitter Logo Share on Facebook Facebook Logo Share via E-Mail E-Mail Pfeil lang Pfeil nach unten Pfeil nach links Pfeil nach rechts Karte mit Marker Newsletter Links Bestellservice Literaturtipps Studien Elternbildung Login/Logout Hand Schließen Marker mit Hand YouTube Ei-Rahmen für Bilder info forum head helpdesk home info list logout message student task upload add burger burger_close courses delete download edit check link media preview preferences-elearning image share play-store-icon app-store-icon

Soll ich meinem Kind WhatsApp erlauben?

von Marlene Kettinger, MA

WhatsApp ist eine App für Smartphones, mit der man Kurznachrichten, Bilder, Videos und Audiodateien verschicken kann. Mit WhatsApp kann man entweder zu zweit oder in Gruppen (mit bis zu 256 Personen!) chatten. Auch das Telefonieren mit anderen Nutzer/innen ist über die App möglich. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist WhatsApp sehr beliebt und hat Facebook längst den Rang abgelaufen. Doch immer wieder kritisieren Expert/innen Sicherheitslücken und mangelnde Datenschutz-Optionen. Auch Cyber-Mobbing via WhatsApp ist keine Seltenheit mehr. Und trotzdem: WhatsApp ist für viele Kinder und Jugendliche ein wichtiger Kanal, um mit Freund/innen in Kontakt zu bleiben und sich z. B. auch über Schulisches auszutauschen. Auch Familiengruppen werden immer wichtiger – für Erwachsene wie Kinder.

Ab welchem Alter ist WhatsApp erlaubt?

WhatsApp gibt in seinen Nutzungsbedingungen ein Mindestalter von 16 Jahren vor. Grund dafür ist die neue Datenschutzgrundverordnung, die seit 25. Mai 2018 gilt: Nutzer/innen müssen ausdrücklich zustimmen, bevor Firmen ihre personenbezogenen Daten verarbeiten und speichern dürfen. Die Altersgrenze für eine Einwilligung eines Kindes ist in europäischen Ländern unterschiedlich, in Österreich ist es zum Beispiel 14 Jahre, in Irland sind es 16 Jahre. WhatsApp hat sich dazu entschlossen, die Altersgrenze für die Nutzung seiner Messenger-Dienstes gleich auf 16 Jahre hochzuschrauben.

Dieses Mindestalter hat allerdings im Alltag wenig Bedeutung, da auch Kinder unter 16 Jahren die App problemlos installieren und nutzen können – das Mindestalter wird nicht von WhatsApp überprüft. Unserer Einschätzung zufolge müssen derzeit weder Kinder, noch deren Eltern mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn unter 16-Jährige WhatsApp verwenden.

Datenschutz – ist WhatsApp sicher?

WhatsApp steht immer wegen Sicherheitslücken in Kritik. Seit 2016 werden alle über WhatsApp verschickten Inhalte (Nachrichten, Fotos, Videos, Dateien etc.) mit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen. Das bedeutet, dass nur Sender/in und Empfänger/in diese Inhalte lesen können. Allerdings loggt WhatsApp andere Daten mit und teilt diese auch mit dem Mutterkonzern Facebook, etwa wann und wie oft WhatsApp genutzt wird oder die Profilbilder seiner User/innen. Zu beachten ist auch, dass WhatsApp die Kontakte aus dem Handy-Telefonbuch ausliest, speichert und weitergibt, ohne dass alle betroffenen Personen ihre Zustimmung gegeben haben.

Wer hier große Bedenken hat, dem seien alternative Messenger wie z. B. Threema, Telegram oder Signal ans Herz gelegt. Generell gilt: Allzu private Informationen oder sensible Daten (z. B. Bankdaten) sollten grundsätzlich nicht über Messenger-Dienste ausgetauscht werden!

500 Nachrichten pro Tag – ist das normal?

Auch wenn Erwachsene es nicht immer nachvollziehen können: WhatsApp ist für die Kommunikation unter Kindern und Jugendlichen unglaublich wichtig. Die Nachrichten sind fester Bestandteil des Alltags und begleiten Teenager oft von früh bis spät. Der Messenger dient Kindern allerdings nicht nur zum Austausch von Informationen, sondern spielt auch für die Gruppendynamik in der Klasse oder im Freundeskreis eine fundamentale Rolle. Wer WhatsApp nicht nutzt oder kein Mitglied in der Klassengruppe ist, bleibt schnell außen vor. Das gilt vor allem in neuen Situationen, wenn Kinder erst ihren Platz im Gruppengefüge finden müssen – etwa zu Schulbeginn. Die verschickten Inhalte sind auf WhatsApp eher Nebensache, vielmehr geht es um das „Dabeisein“.

Natürlich sind 500 Nachrichten pro Tag auch den meisten Kindern viel zu viel, selbst wenn sie es nur ungern zugeben. Kinder müssen auch bei WhatsApp & Co. ihre Grenzen ausloten und selbst erkennen, wann die Nachrichtenflut sie überfordert. Oft haben sie das Gefühl, jederzeit erreichbar und kommunikativ sein zu müssen. Ein Handy, das ständig Nachrichtentöne von sich gibt, kann nur schwer beiseitegelegt werden. Trotzdem sind Handyverbote oder starre Regeln nur bedingt hilfreich. Sinnvoller ist es, wenn Eltern aufrichtiges Interesse zeigen und offen über ihre Bedenken sprechen. Die gute Nachricht: Die Anzahl der Nachrichten geht mit der Zeit meist von selbst zurück – oft braucht es nur ein wenig Geduld. Ermutigen Sie Ihr Kind auf jeden Fall dazu, immer wieder bestehende WhatsApp-Gruppen zu durchforsten und zu löschen, falls sie nicht mehr aktuell sind.

 Familiengruppen auf dem Vormarsch

In vielen Familien ist es heute gang und gäbe, alle möglichen Angelegenheiten in einer WhatsApp-Gruppe zu klären – egal, ob es um Terminvereinbarungen, Urlaubsvorbereitungen, Familienprojekte oder Alltagsorganisation („Was gibt es zu essen?“) geht. Manchmal findet alles in einer Gruppe statt, oft aber auch in vielen getrennten Gruppen mit unterschiedlichen Mitgliedern – je nach Gruppenanlass können auch „außenstehende“ Personen Teil einer Familiengruppe sein.

Wie im echten Leben kommt es auch auf WhatsApp innerhalb der Familien zu Konflikten, die Kinder oft überfordern – besonders dann, wenn ein Kind die Gruppe gegründet und die Personen ursprünglich miteinander vernetzt hat. Umso wichtiger ist es in diesem Fall, dass Erwachsene kompetent und besonnen reagieren und Kinder nicht zum Spielball ihrer Probleme machen. Artet ein Konflikt aus, empfiehlt es sich, diesen in die Offline-Welt zu verlagern und das Problem persönlich zu klären.

Wichtig: Auch noch so viele WhatsApp-Gruppen können nicht die persönliche Kommunikation innerhalb der Familie ersetzen. Legen Sie für Ihre Familiengruppe(n) unbedingt Regeln fest und definieren Sie auch Zeiten, in denen nicht in der Gruppe geschrieben wird. Auf diese Weise nehmen Sie Druck von Ihrem Kind, jederzeit sofort auf alles antworten zu müssen. Und: ein guter Umgangston sollte auch auf WhatsApp selbstverständlich sein!

Gruselige Kettenbriefe können Angst machen

Jedes Kind bekommt heute regelmäßig Kettenbriefe über WhatsApp geschickt – schon Volksschulkinder erhalten jede Woche bis zu zehn Kettenbriefe, deren Inhalte sie zum Teil überhaupt nicht einschätzen können. Viele davon sind glücklicherweise harmlos, lieb oder lustig – leider kursieren aber auch beängstigende oder gruselige Nachrichten und Bilder, z. B.: „Schickst du diese Nachricht nicht an mindestens 10 Leute weiter, wird heute Nacht ein totes Mädchen in deinem Zimmer stehen und dich beim Schlafen beobachten“. Solche Kettenbriefe werden besonders von jüngeren Kindern als sehr bedrohlich empfunden und als „reale Gefahr“ eingestuft. Vorsorglich schicken sie alles an ihre Freundinnen und Freunde weiter. Die Folge: Kettenbriefe verbreiten sich wie ein Lauffeuer.

Thematisieren Sie mit Ihrem Kind gruselige WhatsApp-Kettenbriefe und fragen Sie immer wieder nach, welche Kettenbriefe Ihr Kind kennt oder gerade im Umlauf sind. Erklären Sie das Prinzip von Kettenbriefen und machen Sie klar, dass solche Horrorgeschichten komplett frei erfunden sind. Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes unbedingt ernst und signalisieren Sie, dass es jederzeit zu Ihnen kommen kann, wenn ihm Nachrichten Angst machen. Vereinbaren Sie außerdem, welche Kettenbriefe Ihr Kind weiterschicken darf und welche besser nicht.

Achtung: Auch lieb gemeinte Kettenbriefe können bei Kindern großen Druck auslösen – etwa dann, wenn es Nachrichten zum Freundschaftsbeweis nicht weiterschicken will oder sich ungeliebt fühlt, weil es selbst „zu wenige“ dieser Nachrichten erhalten hat. Auch betrügerische Nachrichten machen immer wieder auf WhatsApp die Runde – besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass sich hinter versprochenen Gutscheinen oder Gewinnspielen mit sensationelle Preisen oft Schadsoftware oder Betrugsversuche verbirgt.

Soll ich meinem Kind WhatsApp erlauben?

Diese Entscheidung kann ihnen natürlich niemand abnehmen – sie hängt natürlich immer auch von der individuellen Situation Ihres Kindes und Ihrer Einstellung als Eltern ab. Vergessen Sie bei Ihrer Entscheidung nicht, dass WhatsApp im Freundeskreis und Schulumfeld Ihres Kindes vermutlich eine wichtige Rolle spielt und die Nutzung chancenreich sein kann!

Tipps für Eltern:

  • Reden statt verbieten. Lernen Sie WhatsApp kennen und klären Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie wichtig der Dienst tatsächlich ist und wofür es WhatsApp genau nutzen möchte.
  • Klare Regeln vereinbaren. Zum Beispiel, dass es nur solche Inhalte über WhatsApp verschickt, die jeder lesen oder sehen darf, oder dass es keine Kontaktanfragen von Fremden annimmt. Bei jüngeren Kindern empfiehlt es sich, einzelne Inhalte vor dem Verschicken zu besprechen (z. B. Fotos).
  • Privatsphäre schützen. Schärfen Sie Ihrem Kind ein, keine privaten Datenauf WhatsApp preiszugeben. Das betrifft Informationen wie Wohnadresse oder Passwörter, aber auch z. B. Nacktfotos. Bei den Status-Meldungen kann Ihr Kind genau auswählen, wer diese zu Gesicht bekommen soll, auch das Profilbild muss nicht über jedermann sichtbar sein. Generell sollten keine Inhalte versendet oder gepostet werden, die andere nachteilig verwenden könnten – das gilt auch für vermeintlich private Chats und Gruppen. Klären Sie Ihre Kinder über Sexting und Cyber-Grooming
  • Risiken ansprechen. Reden Sie mit Ihrem Kind über mögliche Risiken, wie z. B. Cyber-Mobbing, Grooming, Sexting oder Kettenbriefe, und wie man diese vermeiden kann.
  • Unterstützung anbieten Ermutigen Sie Ihr Kind dazu, mit Ihnen zu reden, wenn ihm etwas auf WhatsApp „komisch“ vorkommt oder es schikaniert wird. Drohen Sie nicht gleich mit Verboten, sondern fangen Sie Ihr Kind in problematischen Situationen auf und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.
  • Alternativen besprechen. Es gibt mittlerweile etliche Messenger-Apps, die WhatsApp sehr ähnlich sind, aber deutlich mehr Wert auf den Datenschutzder Nutzer/innen legen. Diese sind aber nur dann richtig interessant, wenn möglichst viele Personen aus dem Freundes- oder Familienkreis umsteigen – gehen Sie mit gutem Beispiel voran und versuchen Sie es zum Beispiel mit einer alternativen Familiengruppe!

 


Kommentare

Derzeit gibt es noch keine Kommentare zu dieser Stimme


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Mehr erfahren