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Vorsicht! Schütteln ist gefährlich!

von Christina Gerstbach, MSc

Elternbildung
Elternbildung
Elternbildung

Ein Baby zu bekommen ist für viele Eltern ein besonderes und schönes Erlebnis. Der Alltag mit einem Säugling kann sich jedoch ganz anders als erwartet gestalten. Es kann sein, dass Ihr Baby gesund ist, ihm nichts fehlt, und es dennoch dauernd weint und schreit.

Warum weinen oder schreien Babys?Elternbildung

Vorerst besteht kein Grund zur Sorge. Das Schreien eines Säuglings bedeutet nicht notwendigerweise, dass Sie als Bezugsperson etwas falsch machen. Schreien und Weinen sind ­­- neben Gesichtsausdruck und Körperbewegungen – die ersten Kommunikationsmittel, über die ein Baby verfügt. Babys nützen dieses Mittel, um mitzuteilen, dass etwas an ihrer Situation geändert werden soll.

Babys weinen oder schreien z. B., wenn

  • sie müde oder hungrig sind,
  • sie schwitzen oder frieren,
  • sie eine volle Windel haben,
  • der Body zwickt,
  • sie Bauchweh haben,
  • sie von Reizen überflutet werden und Ruhe brauchen,
  • ihnen langweilig ist,
  • sie Kontakt und Nähe zur Bezugsperson suchen,
  • sie ein aufregendes Erlebnis verarbeiten (zum Beispiel die eigene Geburt….)

Wie viel Weinen ist normal? Elternbildung

Anfangs schreien alle Babys. Schreien ist eine ihrer ersten Möglichkeiten, sich auszudrücken. Besonders in den ersten drei Lebensmonaten sind die Gründe für das Schreien nicht immer direkt nachvollziehbar. Gerade in dieser Zeit kann langes und häufiges Weinen bei gesunden Babys normal sein. Das Baby will etwas mitteilen. Hören Sie Ihrem Baby zu! Auch, wenn Sie noch nicht genau verstehen, was das Baby „erzählt“.

In den ersten sechs Lebenswochen gilt eine Dauer von zwei Stunden als durchschnittlich. Sie sinkt meist nach der zwölften Lebenswoche auf unter eine Stunde. Gut zu wissen, dass Sie Ihr Baby in den allermeisten Situationen beruhigen können! Auch wenn das Baby untröstlich ist und über einen langen Zeitraum weiter weint, ist es wichtig, dass jemand bei ihm ist. Das kann schwierig auszuhalten sein. Holen Sie Unterstützung!

Bei den meisten Babys nimmt das Weinen ab dem vierten Monat ab.

Ab wann muss ich handeln?Elternbildung

Von exzessivem Schreien spricht man, wenn das Baby nach der Dreier-Regel von Wessel über eine Dauer von drei Wochen an mindestens drei Tagen der Woche über drei Stunden lang schreit. Etwa 5–20 % der Neugeborenen sind sogenannte Schreibabys.

Was tun, wenn das Kind pausenlos schreit?Elternbildung

Wichtig ist, dass Sie Ruhe bewahren. Das kann manchmal herausfordernd sein, wenn das Baby z. B. gewickelt und gefüttert ist und immer noch weint. Sie können verschiedene Dinge ausprobieren und dabei herausfinden, was hilft und Ihrem Kind gefällt: das Kind hochnehmen, es sanft auf Ihrem Arm schaukeln, mit ruhiger Stimme zum Baby sprechen oder ihm etwas vorsingen, eine sanfte Bauch- oder Rückenmassage, mit dem Kind auf und ab gehen usw.

Überlegen Sie, was das letzte Mal gut geholfen hat zur Entspannung. Vielleicht sind die Hintergrundgeräusche zu laut, vielleicht ist es dem Kind zu leise? Beruhigt sich Ihr Kind leichter in einem Tragetuch oder möchte es lieber im Bett liegen? Wechseln Sie sich ruhig mit einer anderen Bezugsperson in der Betreuung ab.

Anhaltendes Schreien löst bei den Bezugspersonen Frustration und Erschöpfung aus. Diverse und andauernde Beruhigungsversuche wiederum können zur Überreizung des Babys führen, wodurch es wieder schreit. Dieser Kreislauf stört die Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson.

Die besondere Gefahr liegt darin, dass man als Bezugsperson leicht die Nerven verlieren kann. Es ist schwer, ruhig zu bleiben, gleichzeitig lohnt es sich: Die Ruhe, die Sie ausstrahlen, hilft auch Ihrem Baby, sich zu entspannen und ebenfalls zur Ruhe zu kommen.

Schütteln vermeidenElternbildung

Erinnern Sie sich daran: Ihr Baby schreit nicht, um Sie zu ärgern. Es kann nichts dafür, dass es weint. Es ist ok, wenn Sie verzweifelt sind oder wütend werden. Es ist ok, wenn Sie nicht mehr weiter wissen oder einfach nicht mehr können. Aber: Schütteln Sie niemals Ihr Baby. Halten Sie ihm nicht den Mund zu und legen Sie es nicht fest und heftig ab.

Schütteln ist eine der schwersten Formen der körperlichen Misshandlung von Säuglingen und Kleinkindern. Während Sie ihren Säugling schütteln, wird das Gehirn im Kopf hin- und hergeworfen und stößt an der inneren Schädeldecke an. Die Folgen reichen von Erbrechen über geistige und körperliche Beeinträchtigungen bis hin zum Tod.

Es ist auch gefährlich, Ihrem Kind den Mund zuzuhalten. Das verhindert die Atmung, das Kind bekommt zu wenig Sauerstoff und kann ersticken. Auch ein heftiges Zurücklegen in das Bett, den Kinderwagen oder auf den Boden kann Verletzungen und Folgeschäden verursachen.

Was tun, um nicht die Beherrschung zu verlieren?Elternbildung

Legen Sie Ihr Baby an einen sicheren Ort, z. B. ins Gitterbett. Verlassen Sie kurz den Raum, aber bleiben Sie in Hörweite. Atmen Sie tief durch. Vielleicht hilft eine zusätzliche Entspannungsübung (z. B. den Wasserhahn aufdrehen und dem rauschenden Wasser lauschen. Oder langsam von 30 hinunterzählen).

Schauen Sie in regelmäßigen, kurzen Abständen nach ihrem Kind. Holen Sie Hilfe, rufen Sie einen Freund oder eine Freundin an. Wenn Sie zu zweit sind, wechseln Sie sich in der Betreuung ab.

Diese Vorgehensweise schadet Ihrem Baby nicht und hilft Ihnen, wieder ruhiger zu werden. Es ist wesentlich besser, das Kind ein paar Minuten alleine zu lassen, als die Beherrschung zu verlieren. Am allerbesten ist es, Unterstützung zu holen und Geduld mit sich selbst zu haben. Und von Tag zu Tag zu lernen, das Schreien und Weinen auszuhalten und dem Baby zuzuhören.

 Wo finde ich Hilfe und Unterstützung?Elternbildung

  • Frühe Hilfen (fruehehilfen.at)
  • Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde
  • Hausärztinnen und Hausärzte
  • (Säuglings-)Psychotherapeut*innen
  • Psycholog*innen
  • Schreiambulanzen
  • Elternberatung
  • Kinderschutzzentren
  • Frauen-/Männerberatungsstellen und ev. auch Frauen-/Männergesundheitszentren
  • Kinder- und Jugendhilfe
  • Telefonische Gesundheitsberatung 1450


Verfasst von Christina Gerstbach, MSc

unter Mitarbeit von Mag.a  Gabriele Hirschhofer & Lisa Dangl, MSc