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Was kann getan werden, wenn bei Kindern und Jugendlichen das Urvertrauen fehlt?

von Univ.-Prof. Dr. Martina Zemp

Elternbildung
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Bindung als angeborenes GrundbedürfnisElternbildung

Die emotionale Wärme von nahen Bezugspersonen, meist den Eltern, ist ein angeborenes menschliches Grundbedürfnis. Durch frühkindliche Erfahrungen von Geborgenheit und Nähe gelangen Kinder zu der wichtigen Überzeugung, dass sich jemand bedingungslos um sie kümmert und dass sie versorgt und getröstet werden, wenn sie dies benötigen. Dieses verinnerlichte Wissen ist ein Grundpfeiler für das spätere psychische Wohlbefinden. Es geht einher mit einem Urvertrauen, dass die Welt ein sicherer Ort ist, an dem man geliebt wird.

Sichere BindungserfahrungenElternbildung

Eine der wichtigsten Erfahrungen, die bei Kleinkindern das Bindungsbedürfnis stillt, ist das feinfühlige Elternverhalten. Die elterliche Feinfühligkeit (oder Sensitivität) meint die Fähigkeit der Eltern, die Bedürfnisse des Kindes (1) zu erkennen, (2) richtig zu deuten sowie (3) prompt und (4) angemessen darauf zu reagieren. Solche einfühlsamen und verlässlichen Reaktionen führen nicht nur zu einer sicheren Bindung des Kindes, sondern tragen maßgeblich zur Entwicklung des Urvertrauens bei. Das Kind erfährt so nämlich Geborgenheit, Sicherheit und Zuverlässigkeit und entwickelt die Überzeugung, dass die Umwelt auf seine Signale reagiert. Es erlebt einen sicheren Hafen, von dem aus es die Welt erkundet. Diese entwickelte Bindungssicherheit ist für die psychische Gesundheit hochrelevant, denn auf ihr baut der Großteil der weiteren Entwicklung auf.

Gründe für fehlendes UrvertrauenElternbildung

Sichere Bindungserfahrungen gehören zu den wichtigsten Schutzfaktoren gegen verschiedene psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter. Dahingegen hängen unsichere Bindungsmuster mit einem erhöhten Risiko für externalisierende Verhaltensprobleme (z. B. aggressives Verhalten) oder internalisierende Störungen (z. B. Depressionen oder Ängste) zusammen. Meistens stehen unsichere Bindungsmuster mit der Erfahrung unzureichender elterlicher Feinfühligkeit in der sensiblen Phase der Bindungsentwicklung, also in den ersten zwei bis drei Lebensjahren, in Verbindung. Bezugspersonen von Kindern mit unsicheren Bindungsmustern reagieren meist weniger einfühlsam auf das Kind, vermitteln ihm in Belastungssituationen nicht genügend Sicherheit oder schwanken in ihrer Feinfühligkeit je nach eigener Verfassung. In schwerwiegenden Fällen, etwa bei Erfahrung von Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung oder durch das Aufwachsen in Institutionen mit ständigem Wechsel der Bezugspersonen, können Kinder auch schwerwiegende Bindungsstörungen entwickeln.

Was kann das Urvertrauen bei Kindern und Jugendlichen stärken?Elternbildung

Obgleich sich Bindungsmuster bereits mit zwölf Monaten feststellen lassen, stellt die Eltern-Kind-Bindung bis zum fünften Lebensjahr ein primäres Entwicklungsthema dar. Die emotionale Verfügbarkeit der Bezugspersonen bleibt zentral wichtig und dies kann die Bindungsqualität über das Kleinkindesalter hinaus beeinflussen. Eine stabile und liebevolle Beziehung zu den Eltern gehört bis in die Adoleszenz zu den wichtigsten Faktoren für die psychische Gesundheit. Typische, wiederholt erfahrene Bindungserfahrungen zwischen Eltern und Kind sind damit lebenslang bedeutsam.
Mit zunehmendem Alter des Kindes fließen Erziehungsprinzipien in die elterliche Fürsorge ein, die sich den wachsenden Autonomieansprüchen des Kindes anpassen. Der autoritative Erziehungsstil gilt wissenschaftlich gesehen als der günstigste: Das Kind erfährt bedingungslose Bindung und emotionale Zuneigung einerseits, andererseits aber auch klare Regeln, Grenzen und Strukturen. Autoritative Eltern fördern die Resilienz des Kindes dergestalt, dass das Kind spürt, dass es geliebt und wertgeschätzt wird, gleichzeitig trainiert es eigene Strategien der Stressbewältigung und Frustrationstoleranz. Es lernt, was es bedeutet, von außen gesetzte Regeln zu akzeptieren und Eigenbedürfnisse vorübergehend zurückzustellen. Dies widerspricht keinesfalls der Forderung nach einem liebevollen und feinfühligen Umgang oder nach Nähe zum Kind.

Die Bedeutung der elterlichen PartnerschaftElternbildung

Das Urvertrauen wird indirekt auch über die elterliche Paarbeziehung geprägt, die neben der Eltern-Kind-Bindung maßgeblich zur emotionalen Sicherheit von Kindern beiträgt. Die Partnerschaft der Eltern bildet den Dreh- und Angelpunkt des familiären Funktionierens. Chronische negative Konflikte zwischen den Eltern oder Trennungen und Scheidungen führen oftmals zu einer Verunsicherung und Belastung der Kinder. Sie sorgen sich um das Befinden der Eltern und um die familiäre Stabilität. Zudem können sich elterliche Konflikte indirekt auf das kindliche Wohlbefinden auswirken, indem sie in die Beziehung zum Kind, das Erziehungsverhalten und die familiäre Kommunikation überschwappen.
Demgegenüber ist ein harmonisches Familienklima nachweislich eine der bedeutsamsten Grundlagen für das gesunde Aufwachsen von Kindern. Harmonisch bedeutet jedoch nicht, dass es keine Spannungen geben darf. In jedem Familienalltag gibt es Konflikte. Dies ist natürlich, weil unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche aufeinandertreffen und täglich miteinander ausgehandelt werden müssen. Studien zeigen, dass es nicht entscheidend ist, ob oder wie oft die Eltern streiten. Wesentlich für Kinder sind vor allem die Art der Konflikte und deren Lösung. Im konstruktiven Fall profitieren Kinder sogar von einem positiven Elternmodell, weil sie die vorgelebten Kommunikationsmuster und Problemlösefähigkeiten verinnerlichen und in ihren eigenen Beziehungen nutzen können.

Schlusswort

Durch sichere Bindungserfahrungen gelangen Kinder zu der grundlegenden Überzeugung, dass sie wichtig und wertvoll sind und geliebt werden. Sie geht einher mit einem Urvertrauen und mit dem Wissen, dass sich jemand um sie sorgt. Dies gehört zu den wichtigsten bekannten Grundlagen für die gesamte weitere Entwicklung. Für das Wohl von Kindern ist daher elementar, dass sie insbesondere in der sensiblen Bindungsphase (in den ersten drei Lebensjahren) – aber auch darüber hinaus – Entwicklungsbedingungen vorfinden, in denen sie sichere Bindungserfahrungen erleben.

Hinweise auf Publikationen:

Zemp, M., Bodenmann, G. & Zimmermann, P. (2019). Außerfamiliäre Betreuung von Kleinkindern – Bindungstheoretische Hinweise für Therapeuten, Pädagogen und Pädiater. Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-27596-9

Zemp, M. & Bodenmann, G. (2015). Neue Medien und kindliche Entwicklung – Ein Überblick für Therapeuten, Pädagogen und Pädiater. Wiesbaden: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-11150-2

Zemp, M. & Bodenmann, G. (2015). Partnerschaftsqualität und kindliche Entwicklung – Ein Überblick für Therapeuten, Pädagogen und Pädiater. Berlin/Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-45186-1


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