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Wenn Kinder und Jugendliche pflegen

von DGKP Christian Römer MSc, MBA

Elternbildung
Elternbildung
Elternbildung

Immer mehr Menschen in Österreich sind pflegebedürftig. Die Last der Pflege schultern meist die Angehörigen, darunter auch  43.000 Kinder und Jugendliche. Häufig bleiben Ihre Leistungen unbemerkt. Die Belastungen und Folgen sind vielschichtig. Eltern, Angehörige und Fachkräfte im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen können helfen, sie zu begleiten und entlasten.

Rund 43.000 minderjährige Kinder und Jugendliche in Österreich pflegen ihre kranken Angehörigen. Dazu zählen etwa Eltern, Großeltern oder Geschwister mit einer körperlichen oder psychischen Erkrankung sowie Menschen mit einer sensorischen Behinderung oder Lernbehinderung.

Sie  unterstützen im Haushalt und im Alltagsmanagement, sie begleiten zu Arztterminen, ins Spital oder zu Behörden und übernehmen zunehmend pflegerischen Tätigkeiten. Sie helfen bei der Mobilisation, der Körperpflege, beim Verabreichen von Medikamenten, beim Verbandwechsel und vielem mehr. Young Carers – wie sie in der Fachsprache meist genannt werden – sind zwischen 6 und 18 Jahren alt. 70 Prozent von ihnen sind Mädchen.

„Ich bin einfach in diese Rolle hineingerutscht“, erzählt Natalie M. Sie war 15 Jahre alt, als ihr Vater erstmals an Lungenkrebs erkrankte. „Am Anfang merkt man ja nicht, wann aus kleinen Aufgaben in der Familie plötzlich Pflege wird“, bestätigt Patricia, die für ihre demenzkranke Großmutter sorgte.

Für die Kinder und Jugendlichen ist es selbstverständlich, dass sie sich um ihre Angehörigen und zusätzlich um die jüngeren Geschwister kümmern, dass nimmt ihnen das Gefühl der Ohnmacht und stärkt den Zusammenhalt in der Familie. Meist rutschen sie allmählich in die Rolle des Pflegenden, sie übernehmen immer mehr Verantwortung bis sich die Eltern-Kind-Rolle plötzlich ins Gegenteil verkehrt. Es ist ein schleichender Prozess, den Eltern häufig gar nicht wahrnehmen, zumal die Familie mit der Bewältigung des Alltags beschäftigt ist.

Auswirkungen der PflegeverantwortungElternbildung

Nicht nur die Sorge um die kranken Angehörigen sondern auch die Mehrfachbelastung durch Pflege, Haushalt und Schule oder Ausbildung, zeigen ihre Folgen. Kinder und Jugendliche mit Pflegeverantwortung leiden häufig an Schlaflosigkeit und Müdigkeit, Kopfschmerzen und Rückenbeschwerden. Sie sind öfter traurig und zurückgezogen, leiden an depressiven Verstimmungen und machen sich Sorgen um ihre Angehörigen. Die Kinder haben weniger Zeit mehr zum Spielen, Teenager treffen immer seltener ihre Freunde und Freundinnen. Manchmal lassen auch die Leistungen in der Schule nach oder sie brechen ihre Schulausbildung ab.

Anzeichen wahrnehmenElternbildung

Meist teilen sich Kinder und Jugendliche mit Pflegeverantwortung weder in der Schule noch im Freundeskreis mit, weshalb sie auch selten als Pflegende wahrgenommen werden. Dabei gäbe es gerade im schulischen Umfeld Anzeichen, die auf eine Pflegeverantwortung hinweisen können: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Unaufmerksamkeit und plötzlicher Leistungsabfall sowie häufiges Zuspätkommen oder Fehlstunden können ein Hinweis darauf sein, dass sich ein Schüler oder eine Schülerin um ein krankes Familienmitglied kümmert. Young Carers nehmen immer seltener an schulischen Veranstaltungen wie Sportwochen, Skikursen oder Feierlichkeiten teil und ziehen sich immer mehr aus ihrem Umfeld zurück. Manchmal werden sie deshalb in der Schule gemobbt. Young Carers können auch im positiven Sinn auffallen, sie sind häufig reifer als ihre Kollegen und Kolleginnen, sie haben ein hohes Verantwortungsgefühl und sind sehr zuverlässig.

Wie können Lehrende helfen?Elternbildung

Wer in der Schule und im Unterricht Themen rund um Gesundheit, Krankheit, Pflege und Hilfsbereitschaft aufgreift, kann einen guten Einstieg finden, um Betroffene zu identifizieren und auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen.

Einen guten Einblick und Hintergrundinformationen über die Situation junger Menschen mit Pflegeverantwortung gibt die von den Johannitern herausgegebene Broschüre „Wenn Kinder und Jugendliche pflegen“. Diese richtet sich speziell an Multiplikatoren und Multiplikatorinnen im Bildungs- und Sozialwesen sowie im Gesundheitsbereich und wird unter www.superhands.at als Download angeboten. Auf der Webseite findet man auch zahlreiche Tipps rund um Erste Hilfe und Pflege, Links zu Pflegeanbietern und Hilfsangeboten. Zudem werden Informationen über Krankheiten sowie Tipps für den Alltag geboten. Superhands bietet persönliche Beratung unter der Hotline 0800 88 87 und beantwortet anonyme Online-Anfragen. Ziel des Hilfsangebots ist es, auf die Situation von jungen Menschen mit Pflegeverantwortung aufmerksam zu machen und durch Beratung und Vermittlung von Hilfestellungen von ihrem Pflegealltag zu entlasten.

Anregungen und Materialien für den Unterricht bietet das Jugendrotkreuz in Form einer Young Carers Box an. Diese kann direkt bei den Landesleitungen des Jugendrotkreuzes bestellt werden. Teile der Young Carers Box sind auch als Download erhältlich unter www.roteskreuz.at/jugend/young-carers/infobox-young-carers.

Vertrauen gewinnen und Gespräch suchenElternbildung

Wenn Sie im schulischen Bereich tätig sind, zeigen Sie Verständnis für die schwierige Situation des Schülers oder der Schülerin. Berücksichtigen Sie, dass die Belastung, Sorgen und Ängste auch Auswirkungen auf die Anwesenheitspflicht und die schulischen Leistungen haben können. Begegnen Sie den Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe, geben Sie ihnen Zeit, sich zu äußern, hören sie aufmerksam zu und versuchen Sie, nicht zu bewerten. Verweisen Sie auf Hilfsangebote wie superhands. Bleiben Sie auch dann wohlwollend, wenn ein Young Carer Ihre Hilfe ablehnt.

Worauf kann die Familie achten?Elternbildung

Wenn ein Familienmitglied erkrankt, stellt das die ganze Familie vor neue Herausforderungen begleitet von Angst, Trauer und Überforderung – sowohl bei den Erwachsenen wie auch bei den Kindern. Eltern wissen dann häufig nicht, was sie ihren Kindern sagen sollen und versuchen sie zu schonen. Doch Kinder haben feine Antennen und spüren sehr schnell die Beunruhigung der Eltern.

Reden und einbeziehenElternbildung

Informieren Sie ihre Kinder möglichst dem Alter entsprechend über ihre Krankheit, mögliche Entwicklungen und pflegerische Maßnahmen oder Krankenhausaufenthalte. Beziehen sie in Entscheidungen ein, wo es möglich ist. Wann immer Sie Hilfe von ihren Kindern einfordern, reflektieren Sie bitte, ob die Tätigkeiten und die Verantwortung auch dem Alter entsprechen oder ob sie jemand anderer Unterstützen kann.

Hilfe annehmenElternbildung

Informieren sie sich über Pflegegeld, Pflegeangebote und andere Hilfestellungen, unter www.superhands.at finden Sie zahlreiche Tipps und Links. Nehmen Sie – wo es möglich ist – externe Hilfe durch soziale Dienste und Pflegedienste an. Viele Pflegeanbieter beraten und unterstützen auch bei der Beantragung von Pflegegeld. Auch begleitende psychologische oder therapeutische Hilfe für Sie oder Ihre Kinder – kann in schwierigen Zeiten hilfreich sein!

Gerade in schwierigen Zeiten brauchen Kinder und Jugendliche Sicherheit und Geborgenheit. Es kann daher hilfreich sein, Großeltern, Verwandte und Menschen aus dem Freundeskreis um Hilfe zu bitten. Diese können den oder die kranke Person im Alltag unterstützen, den Kindern beim Lernen helfen oder einfach nur einen unbeschwerten Tag am Spielplatz, im Zoo oder im Kino verbringen. Für Kinder psychisch kranker Eltern werden von der Diakonie auch Patenschaften vermittelt (www.miteinander-leben.at/angebotleistungen/patenschaft-kinder).

Auszeit gönnenElternbildung

Ermutigen Sie ihre Kinder bewusst, an Schulveranstaltungen teilzunehmen und weiterhin Freunde und Freundinnen zu treffen. Auch wenn es zeitlich und organisatorisch eine Herausforderung ist, gönnen Sie ihren Kindern auch mal eine Ferienwoche mit Gleichgesinnten, wie sie etwa das Jugendrotkreuz anbietet (www.jugendrotkreuz.at/oesterreich/angebote/sommercamps/juniorcamp). Das Sozialministerium gewährt unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Unterstützung für die Ersatzpflege. Auch ein gemeinsamer Urlaub kann helfen, die alltäglichen Sorgen hinter sich zu lassen. Die Kinderburg Rappottenstein bietet Familien mit schwer und chronischen kranken Eltern einen Erholungsaufenthalt (www.kinderburg-rappottenstein.at).

Krankheit und Trauer sind Teil unseres Lebens. Wir können Kinder und Jugendliche nicht gänzlich vor Krisensituationen schützen, aber wir können versuchen ein Netz zu bilden, in dem Kinder und Jugendliche bestmöglich begleitet und aufgefangen werden. Der erste Schritt ist, miteinander zu reden und  Hilfe zu suchen

 

superhands ist eine Infodrehscheibe und Wissensplattform für pflegende Kinder und Jugendliche, Angehörige und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Superhands bietet persönliche Beratung unter der Hotline 0800 88 87 87 und beantwortet anonyme Online-Anfragen. Ziel von superhands ist es, auf die besondere Situation von jungen Menschen mit Pflegeverantwortung aufmerksam zu machen und sie durch Beratung und Vermittlung von Hilfestellungen zu entlasten.

Weitere Infos unter www.superhands.at


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