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Worin unterscheidet sich ein autistisches Kind von einem neurotypischen Kind?

von Mag.a Tiziana Lang-Bodirsky

Elternbildung
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Die Autismus-Spektrum-Störung (kurz ASS) ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die auf eine veränderte Zusammenarbeit verschiedener Gehirnstrukturen zurückzuführen ist. Entwicklungsauffälligkeiten sowie der Schweregrad von Autismus können individuell sehr stark variieren. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang von einem Spektrum an Erscheinungsformen. Autismus ist von „außen betrachtet“ häufig nicht sofort „sichtbar“. Wenn man sich mit dem Kind näher beschäftigt, wird man die Besonderheiten erkennen.

Während Kinder ohne Autismus Spaß am gemeinsamen Spiel haben, andere Kinder genau beobachten, interessant erscheinen wollen, schon früh zu imitieren beginnen, soziale Regeln kennen und einhalten, scheinen Kinder mit Autismus, sich dabei schwerer zu tun: Sie ziehen das Spiel mit Materialien dem Spiel mit anderen Kindern vor, wissen in Alltagssituationen oft nicht, wie sie mit anderen Kindern umgehen sollen, können das Verhalten anderer nicht richtig deuten und fallen in Gruppensituationen auf. Oft fehlt es diesen Kindern an verbalen und nonverbalen Fähigkeiten, das heißt sie können sich sprachlich wenig oder gar nicht mitteilen und können aus der Körpersprache, wie Gestik und Mimik, keine Rückschlüsse ziehen. Manche Kinder mit ASS hingegen haben eine gut entwickelte Sprache, fallen aber mit ihrem „gehobenen“ oder erwachsen wirkenden Sprachausdruck auf. Letztere wissen oft nicht, wie man ein wechselseitiges Gespräch beginnt oder führt. Sie tun sich schwer, Freundschaften zu schließen, Gefühle anderer zu verstehen und sich zu integrieren.

Charakteristisch für den Autismus sind auch spezielle eingeschränkte Interessen, Vorlieben und Verhaltensweisen, die häufig auch in völlig unpassenden Situationen wiederholt werden und die für das autistische Kind eine faszinierende oder regulative Wirkung haben. Dazu gehören auch sogenannte körperbetonte Stereotypien wie das Flattern der Hände oder das Wippen des Oberkörpers. Kinder mit ASS weisen oft eine geringe Flexibilität im Umgang mit neuen Situationen auf und verharren in alten Routinen, weil eine Abkehr von Gewohntem zu großer Unsicherheit führt. Zusätzlich verstehen betroffene Kinder oft nicht, dass ihr Verhalten oder eine bestimmte Handlung Auswirkungen auf andere haben kann.

Eltern berichten häufig, dass ihre autistischen Kinder sehr über- oder auch sehr unterempfindlich gegenüber bestimmten Reizen sind: Sie halten sich beispielsweise die Ohren zu, wenn der Geräuschpegel um sie zu hoch ist, oder sie kriegen von bestimmten Lichtphänomenen nicht genug, wie z.B. vom flackernden Licht durch das sich drehende Rad. Viele Kinder sind sehr berührungsempfindlich und haben auch Probleme beim Erkunden und Erproben von verschiedenen Materialien, weil sie diese nicht angreifen oder halten können. Andere haben ein reduziertes Schmerzempfinden und reagieren kaum auf Verletzungen.

Das Essverhalten kann aufgrund einer Über- oder Unterempfindlichkeit im Mundinnenraum große Verunsicherung bei den Eltern auslösen, wenn Kinder nämlich z.B. nur bestimmte Konsistenzen, Geschmacksrichtungen mögen oder auch nicht essbare Dinge wie Papier essen. Während neurotypische Kinder ihre Wahrnehmungen adäquat rückmelden, können dies autistische Kinder oft nicht.

Autismus ist zwar nicht heilbar, aber….Elternbildung

mit entsprechender Therapie und Förderung, haben Kinder mit Autismus weitaus positivere Prognosen, als ohne Interventionen. Das Gehirn besitzt die Eigenschaft, durch Training veränderbar zu sein, indem Verbindungen zwischen den Nervenzellen stärker oder schwächer werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten Neuroplastizität. Diese ist die Grundvoraussetzung für jede Form des Lernens. Erfreulicherweise gibt es bereits einige therapeutische Programme, die sich genau diese Tatsache zunutze machen. Sie sind auf die Besonderheiten von Autismus zugeschnitten und bringen zahlreiche Kompetenzen des Kindes hervor. Es lohnt sich daher, eine therapeutische Institution mit Schwerpunkt Autismus aufzusuchen und sich dort Hilfe zu holen! Werden Sie aktiv, wenn Sie das Gefühl haben, dass eines oder mehrere der oben beschriebenen Merkmale auf Ihr Kind zutreffen und zögern Sie nicht, Kinderärzt:innen oder Psycholog:innen aufzusuchen!

Nichts zu tun und abzuwarten bedeutet, wertvolle Zeit zu verlieren!

Frühe FörderungElternbildung

Da Kinder mit Autismus von sich aus kaum Interesse an anderen Menschen zeigen, bleiben viele Lernchancen ungenutzt, die untrennbar mit der positiven Entwicklung verbunden sind. Eine frühe, gezielte Förderung verbessert die Spielfertigkeiten der Kinder, aber auch ihre kognitiven Fähigkeiten (darunter versteht man eine Vielzahl wichtiger Denkprozesse), die Entwicklung von Sprache und der Wunsch nach sozialer Interaktion. Ein Kernziel der Förderung besteht darin, auf vielfältigste Weise Gelegenheiten für das Lernen zu schaffen. Wenn das Kind Interesse an gemeinsamen Aktivitäten entwickelt, dann wird auch die Kommunikation „angekurbelt“, es werden neue Spielerfahrungen ermöglicht und das gesamte Verhaltensrepertoire zugunsten von mehr Kreativität und Flexibilität erweitert. Kinder mit diesem Erfahrungshintergrund können erstaunlich viel lernen und mehr von ihren Potentialen profitieren. Sie entwickeln mehr Interesse an anderen Menschen. Soziales Lernen wird ermöglicht und der Grundstein für das spätere, möglichst selbständige Leben gelegt! Diese „Lerngelegenheiten“[1] sind auch deshalb so wichtig, weil sie helfen, „autismustypische“ Auffälligkeiten auf ein Minimum zu reduzieren!

Je nach Schwere ist eine Begleitung des Menschen mit Autismus über eine jahrelange Zeitspanne notwendig. Diese stellt aber sicher, dass Betroffene mit spezifischen Fragestellungen beispielsweise rund um das Thema Beruf, Beziehung und Alltagsbewältigung gut unterstützt werden.

Was können Eltern für ihr Kind mit Autismus tun?Elternbildung

So breit das Spektrum autistischer Verhaltensweisen und Charakteristika ist, so groß ist auch die Bandbreite möglicher Fördermöglichkeiten zu Hause. Ein paar wichtige seien hier erwähnt:

Kinder mit Autismus sind darauf angewiesen, dass Personen, ihr Umfeld, gewisse Abläufe im Alltag, und Tätigkeiten möglichst immer gleichbleiben, weil Änderungen für sie eine große Herausforderung darstellen. Sind Änderungen aber notwendig (und das dürfen sie auch sein!), dann ist es wichtig, dass die Kinder langsam darauf vorbereitet werden. Bei einem bevorstehenden Ortswechsel kann beispielsweise der wiederholte Besuch des neuen Orts (ein neues Zimmer, eine neue Institution, ein neuer Wohnort) und eine schrittweise Eingewöhnung eine große Hilfe sein.

Wenn Kinder selber kaum sprechen oder Sprache nicht verstehen, dann können Bilder von Handlungen, Reihenfolgen, Abläufen oder wichtigen Verhaltensregeln eine große Hilfe darstellen, denn bei den meisten Menschen mit Autismus ist der Sehsinn sehr gut ausgeprägt. Je einfacher und eindeutiger diese Bilder sind, desto mehr können diese Bilder von den Kindern „gelesen“, also verstanden werden. Aber Achtung! Sind zu viele „Informationen“ darauf zu sehen, kann der Blick für das Wesentliche sprichwörtlich verloren gehen und das Kind weiß nicht, worauf es schauen soll.

Ähnlich verhält es sich bei der verbalen Sprache: Lange Sätze werden vom Kind nicht richtig verstanden, weil die Verarbeitung des Gehörten länger braucht und die Merkfähigkeit von gehörten Reizen reduziert ist. Je mehr Sie in kurzen Sätzen aber mit hervorgehobener Stimme mit Ihrem Kind reden, desto besser wird es Sie wahrnehmen, verstehen und vielleicht auch Dinge ausführen können. Untrennbar damit verbunden ist der Blickkontakt, der die Basis jeder Kommunikation ist. Der muss häufig mühsam „trainiert“ werden, damit die Kinder überhaupt lernen, was eine Interaktion ist.

Eltern berichten, dass Kinder mit Autismus in bestimmten Situationen oft unerwartet mit Widerstand, Schreien oder selbstverletzendem Verhalten reagieren. Hier ist ein Hinterfragen möglicher Ursachen oft Goldes wert. Die bereits genannten „Überreizungen“ des Alltags sind oft Auslöser für Schreien und Widerstand. Es reichen Kleinigkeiten oder vermeintliche Bagatellen, die das Kind „aus der Haut fahren lassen“. Für das autistische Kind sind sie wirklich unangenehm und werden um ein Vielfaches stärker empfunden, als von uns Erwachsenen. Deshalb ist das Verständnis für die veränderte Wahrnehmung ein erster wichtiger Schritt, um schwierige Situationen im Vorfeld zu erkennen und womöglich auch zu verhindern.

Beachten Sie im Entwicklungsverlauf, dass Kinder mit Autismus anders lernen! Sie sind viel stärker auf Wiederholungen, kleinschrittige Erweiterungen der Lernanforderungen und Hilfestellungen angewiesen, als andere Kinder. Fähigkeiten, wie zum Beispiel das selbständige An- und Ausziehen, die Umsetzung kleiner Arbeitsaufträge oder die Selbstorganisation im Alltag erfordern ein gezieltes Training. Auch ist das Bewusstsein, dass das eigene elterliche Verhalten sowohl ein unerwünschtes als auch ein erwünschtes Verhalten des Kindes verstärken kann, von sehr großer Bedeutung.

Eltern und andere wichtige Bezugspersonen sind oft gefordert und können manchmal an ihre Grenzen stoßen, weil das Kind mit Autismus häufig mehr Unterstützung braucht. Hilfen von außen, etwa durch Therapie und Frühförderung, stellen eine wertvolle Unterstützung dar – sowohl für das Kind als auch für dessen Familie. Damit aber diese auch wirklich „fruchtet“ ist das gemeinsame Bekenntnis für die Therapie, das „Ziehen an einem Strang“ aller Beteiligten von großer Bedeutung, vor allem bei der Umsetzung der Förderung. Den Eltern kommt eine wichtige Rolle zu, denn sie kennen ihr Kind am besten und können sich somit unterstützend in die Therapie einbringen. Die wichtigste aller Tugenden ist aber hier besonders gefragt: Geduld! Anerkennen und schätzen Sie jeden kleinsten Fortschritt! Was auf den ersten Blick wie ein kleiner Entwicklungsschritt aussieht, ist für ein autistisches Kind ein sehr großer!

[1] Mit den hier angeführten Lerngelegenheiten befasst sich besonders das Early Start Denver Model (kurz: ESDM), das Eltern wertvolle Tipps im Umgang mit Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung vermittelt.

Literaturverweis:
Sally J. Roger, Geraldine Dawson, Laurie A. Vismara (2016): Frühe Förderung für Ihr Kind mit Autismus –
Das Early Start Denver Model in der Praxis. Paderborn, Verlag Junfermann

 

Kurzbeschreibung „Humanistische Initiative“

Die Humanistische Initiative ist ein Zusammenschluss von engagierten Personen auf Vereinsebene, die einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung und deren Familien leisten wollen. Neben Interdisziplinärer Frühförderung für Kinder von 0 bis 6 Jahren bieten wir seit 2020 auch einen Familienentlastungsdienst an.

Diese mobilen Betreuungsangebote dienen der Förderung bzw. Unterstützung von Menschen mit Behinderung in ihrem familiären Umfeld sowie der Entlastung der Familienangehörigen im Alltag.

Unser Schwerpunkt ist die Arbeit mit Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS).


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