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Wozu noch Weihnachten feiern in der Familie?

von Michaela Harrer

Welchen Sinn hat denn Feiern überhaupt und im besonderen Weihnachten?

Jedes Jahr erlebe ich in meinem Umfeld Ähnliches:
Weihnachten als Herausforderung für Familien, als Deadline für Erledigungen in Buchhaltung und Business, hoch emotional aufgeladene Erwartungen und Befürchtungen in mitten von Punsch und Einkaufsstress. Die Katerstimmung kommt dann sehr bald nach Weihnachten, spätestens beim Blick aufs Konto, das bis zur finanziellen Schmerzgrenze und darüber ausgereizt ist.  Kinder, die Vorfreude nicht mal mehr als Wort kennen (worauf sollten sie sich denn noch freuen, wenn sie ja doch schon alles haben???)….
Sollte man da nicht einfach auf „Todstellreflex“ stellen und einfach nach dem Motto: „Augen zu und durch“ abwarten bis sich alle wieder beruhigt haben und „alles  endlich vorbei ist“?
Keine Sorge: ich habe nicht vor in die allgemeine Jammerei weiter einzustimmen!
Ganz im Gegenteil: ich liebe es zu feiern!
Aber feiern muss man lernen, erleben, gestalten, zelebrieren! – von Kindesbeinen an!

Familienfeste sind Ausdruck von Familienkultur

Wie eine Familie feiert, wie und welche Feste sie begeht und welche besonderen speziellen Rituale sie entwickelt, macht sie aus – gibt ihr eine spezielle Identität, die sie von anderen unterscheidet. Gemeinsam Feste zu begehen verbindet, zeigt uns unsere Zugehörigkeit und gibt das Gefühl von „daheim sein“. „Bei uns war das immer so.“
Alltag braucht im wahrsten Sinn des Wortes „Hochzeiten“! Die Feste im Jahreskreis und im Lebensfluss markieren wichtige Punkte, oft stehen sie an wichtigen Übergängen,  helfen uns uns zu orientieren und stärken uns in Krisen. So gesehen  gibt es daher auch immer einen  Sinn und Inhalt eines Festes. Bedeutungen werden persönlich, religiös, emotional gegeben. Sinnentleerte Feste werden schal und damit verbundene Rituale überholt. Feiern bedeutet sich immer wieder mit sich selbst und dem Fest in Verbindung zu bringen und neu zu überdenken, liebe Gewohnheiten weiterführen und Überholtes mutig auch mal weg zulassen. Speziell wenn sich zum Beispiel die aktuelle Familiensituation verändert hat, eine Trennung oder Scheidung eingetreten ist, jemand gestorben oder neu geboren wurde, neue Familienmitglieder (vielleicht auch mit einem anderen kulturellen Hintergrund) dazu kommen – ….immer ist eine Adaptierung angesagt und … VIEL KOMMUNIKATION !

Feste feiern ist eine Urform der menschlichen Kommunikation!

Das Weihnachtsfest auf der Grundlage der christlichen Kultur zu erklären, ist in unseren Breiten noch immer die verbreitetste. Brauchtum und die Fülle an sinnlichen weihnachtlichen Eindrücken versteht sich aber in seiner Sinnhaftigkeit nur auf dem Hintergrund seiner Entstehung:
In Zeiten des Mangels und der Einfachheit war es wohl wie eine himmlische Gabe, Bäckerei und Naschwerk vorzufinden. In der finstersten Zeit des Jahres mitten im Winter und in den langen Nächten sich den Luxus von Kerzenlicht zu vergönnen, kam wohl einem Blick ins Paradies gleich.
So trifft im religiösen, christlichen Weihnachtsfest  tatsächlich der Himmel, durch die Geburt des göttlichen Sohnes, auf die Erde im Stall von Betlehem. Ein unfassbares Geschenk für die Menschheit!
Was liegt denn da näher als wirklich ein Christkind vom Himmel fliegen zu lassen und mit allen Sinnen des Irdischen diesen hohen Besuch und diese Freude untereinander zu teilen, in dem wir einander, als selbst schon reich Beschenkte, zu beschenken?

Feste bauen sich auf und haben einen Ablauf

Es ist heute gar nicht mehr so einfach wirklich echt  feiern zu können und zu dürfen, denn fürs Feiern braucht man Zeit. Jedes große, wichtige Fest gliedert sich, beim genaueren Hinsehen, in drei Phasen:

  • Vorbereitung und Einstimmung
  • Zelebration
  • Ausklang  

Sinnlichkeit ist ein wesentliches Merkmal von Festen! Egal ob es ums Schauen, Hören, Schmecken, Fühlen oder Riechen geht – sinnliche Eindrücke kombiniert mit angenehmen Emotionen werden gespeichert – lebenslang, und können auch eine lebenslange Ressource sein.
Wie kreativ und erfüllend können solche Festvorbereitungen sein, wenn man sich die Zeit gönnt und sich schon in der ersten Phase festlich einschwingen kann.
Nicht zufällig gibt es in allen Religionen IMMER  eine unbedingte, wichtige Vorbereitungszeit, um Abstand zwischen alltäglichem Einerlei und Routine zur Festzeit entstehen zu lassen. Feiern bedeutet auch warten zu können, nicht gleich und sofort Bedürfnisse erfüllt zu bekommen oder sie sich selbst zu erfüllen.  Dieser positive Spannungsaufbau in der Vorfreude ist auch gleich eine gute Schulung des Charakters – Warten zu lernen und sich auch dazu  selbst zu disziplinieren erhöht die Frustrationstoleranz und macht die Festlichkeit zu etwas ganz Besonderem.
Kinder lieben es Feste vorzubereiten! Gerne sind sie selbst tätig, schenken  auch gerne und sind sehr dankbar wenn sie in die diversen vorbereitenden Tätigkeiten  eingebunden werden. Es soll ja „unser aller“ Fest sein…!
Aber was tun, wenn der religiöse Sinn von Weihnachten nicht existent ist? Welche Werte und welchen Inhalt könnten die Weihnachtsfeiertage für Familien dann haben?

Alternatives, anderes Weihnachten

Wie schon erwähnt brauchen Menschen eine Bedeutung, einen Sinn und Inhalt, spezielle Rituale um Festtage vom Alltag abzuheben. So könnte der Zeitpunkt der Wintersonnenwende eine hoffnungsgebende Symbolik darstellen und diese Tage als LICHTFEST begangen werden.
Der Jahreszeit entsprechend findet Begegnung bevorzugt in häuslicher Atmosphäre, im Kreise der Familie,  statt. Weihnachten als DAS FAMILIENEVENT des Jahres! Klingt recht gut und verheißungsvoll kann aber genau ins Gegenteil umschlagen. Wichtig wäre es im Vorfeld schon gut in der Familie untereinander abzusprechen wer welche Wünsche, Erwartungen und Bedürfnisse, Ideen oder Befürchtungen bezüglich des gemeinsamen Festes hat. Zwängliches Festhalten an überzogenen Erwartungen und überholten „Bräuchen“ belastet und verhindert gerade das ersehnte Harmoniegefühl.
In internationalen Familien, da wo es verschiedene religiöse Zugänge und kulturelle Verschiedenheiten gibt, ist das gegenseitige Erklären und die intensive Kommunikation von Werten und Sichtweisen noch um Einiges wichtiger. Um eine gemeinsame Familienkultur aus dieser Diversität zu kreieren, benötigen die Familienmitglieder viel Verständnis und  Neugier wechselseitig für einander. Der Kreativität  sind beim Ausprobieren und Entwickeln der unverwechselbaren eigenen Familienfestkultur keine Grenzen gesetzt.
Manche Familien entscheiden sich auch bewusst auf das Feiern zu verzichten und einfach Urlaub zu machen.
In Respekt, Wertschätzung und  Ehrlichkeit passt auch dann  die  getroffene Entscheidung hoffentlich für alle!

Getrennte Weihnachten – Scheidung und Trennung der Eltern verändert alles!

Bisherige Rituale sind nicht mehr möglich, Neues ist vielleicht noch nicht gefunden. Familienzugehörigkeiten beginnen sich zu verändern, Partner kommen dazu oder fallen weg, alles ist im Umbruch!
Erinnerungen von früher mischen sich in schmerzlich empfundene neue Realitäten, die ersehnte Familienharmonie – die es eigentlich in Wahrheit nie wirklich so gab – wird trauernd noch stärker vermisst als sonst.
Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder nicht leiden sollen  und versuchen deshalb trotz allem „auf heile Familie“ zu machen.  Das gemeinsame Weihnachtsfest verkommt somit ganz leicht zur Show bzw. zur Theateraufführung. Schade! Ich möchte Sie ermutigen auch in diesen schwierigen Zeiten ehrlich mit sich und ihren Kindern zu bleiben! Für Kinder ist es immer sehr schmerzhaft einerseits Hoffnungen auf den Neubeginn der Zweisamkeit der Eltern aufzubauen, um gleich darauf  wieder enttäuscht zu werden, dass das doch nicht so ist.
Kinder haben ein Recht darauf mit beiden Elternteilen zu feiern, aber das muss nicht heißen es um jeden Preis gemeinsam zu tun! Kinder sollten sich nicht entscheiden müssen wann sie wo sein wollen, wer bei welcher Feier dabei sein soll. Die Festvorbereitung im Falle getrennter Weihnachten ist und bleibt Elternsache! Die Elternteile müssen die Verantwortung übernehmen und sich überlegen wie sie das Fest heuer für ihre Kinder gestalten wollen. Eine gute Absprache bei der Geschenkauswahl und klare Vereinbarungen wann, wo und wie die Kinder zum jeweils anderen Elternteil gelangen sind existentiell!!!
Emotionen spielen natürlich immer wieder eine riesige Rolle. Sorgen Sie deshalb gut für sich vor und planen Sie auch immer wieder mal „Sternstunden“ für sich und ihre Kinder ein, auf die sie sich auch über das Fest hinaus freuen können.
Je jünger Kinder sind, umso wichtiger wäre es für Eltern folgende Weihnachtscheckliste zu beherzigen:

  • Planen Sie als Vater und Mutter rechtzeitig die Gestaltung der Feiertage (wann und wo werden die Kinder von welchem Elternteil versorgt, abgeholt, wieder gebracht)
  • Welche Rituale sollen erhalten bleiben? (z.B gibt es auch heuer wieder den gemeinsamen Gang zur Kindermette, das Lieblingsessen  am Hl. Abend oder den Spaziergang durch den Wald? Etc.)
  • Was wird heuer neu sein? Neue Rituale müssen erst wachsen dürfen, d.h. wenn Sie heuer zum ersten Mal getrennt feiern wird heuer eine neue  (vielleicht sogar besonders schöne und erweiterte) Feierkultur beginnen.
  • Wieviel Weihnachten kann ein Kind verkraften? – Bitte machen Sie keinen Festmarathon und einen Wettbewerb der Weihnachtsfreude….das erschöpft alle Beteiligten und überfordert Kinder. Eine vernünftige Absprache und faire Verteilung der Feiertage (viele Eltern entscheiden sich für die Variante die Betreuungszeiten im Jahresabstand zu wechseln, also z.B. in den geraden Jahren Weihnachten bei Mama und Silvester bei Papa und in den ungeraden Jahren umgekehrt) bringt Entspannung… und wenn Sie Ihr Kind zum anderen Elternteil bringen, dann lassen Sie es vertrauensvoll in dessen Obhut und genießen Sie die kinderfreie Zeit!
  • Geschenke für die Kinder bitte gut absprechen. – Bewahren Sie ihre Kinder vor Loyalitätskonflikten („…und über mein Geschenk freust du dich gar nicht?“)

In diesem Sinne wünsche ich allen (Patchwork-)Familien, Eltern(teil)paaren und Kindern jeden Alters stimmige, ehrliche und fröhliche Weihnachten!


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