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Wie kann Essen für Kinder von Anfang an als Genuss wahrgenommen werden?

von Narine Barkhordarian, MSc

Kinder haben oft sehr eigene Essgewohnheiten. Selbst gut gemeinte Vorschläge werden in diesem Alter mitunter abgelehnt. Gleichzeitig verändert sich das Essverhalten von Kindern im Laufe der Zeit immer wieder. Was als Kleinkind nicht gemocht wurde, wird später oft mit Begeisterung gegessen – und umgekehrt.

Umso wichtiger ist es, Kindern ein gutes Vorbild zu sein, ein vielfältiges Lebensmittelangebot bereitzustellen und regelmäßig gemeinsam am Familientisch zu essen. Dennoch fragen sich viele Eltern: Wie kann Essen für Kinder genussvoll sein und kein täglicher Kampf werden?

Mit gutem Beispiel voran

Kinder lernen durch Nachahmung. Sie kopieren das Verhalten von Eltern und anderen Bezugspersonen – das gilt auch für das Essverhalten. Sind Eltern Vorbild im Umgang mit Lebensmitteln, kann dies die Akzeptanz vieler Speisen deutlich erhöhen. Ein genussvoller Verzehr von Obst und Gemüse wirkt sich positiv darauf aus, dass Kinder diese Lebensmittel ebenfalls gerne probieren.

Damit neue oder unbekannte Lebensmittel besser angenommen werden, hilft es außerdem, wenn am Familientisch für alle dasselbe Essen angeboten wird. So erleben Kinder, dass alle gemeinsam essen.

Auch die Auswahl der angebotenen Lebensmittel prägt das Essverhalten nachhaltig. Werden Obst und Gemüse täglich angeboten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder diese Lebensmittel mögen.

Am Familientisch schmeckt das Essen besser

Gemeinsame Mahlzeiten in der Familie bieten eine wichtige Lernumgebung für Kinder. In den ersten Jahren des Kindes wird das Essverhalten stark durch die Vorbildwirkung der Eltern und das konkrete Speisenangebot geprägt.

Kinder – genauso wie Erwachsene – essen lieber in Gesellschaft als allein. Gemeinsame Mahlzeiten können deshalb bewusst als schönes Ereignis gestaltet werden. Neben dem Essen selbst lernt der Nachwuchs dabei viel über gesunde Ernährung, Tischkultur und auch über die Zubereitung von Speisen.

Essen Sie so oft wie möglich gemeinsam mit Ihrem Kind. Machen Sie aus den Mahlzeiten ein schönes Ereignis.

Tipps für Familienmahlzeiten:

  • Nehmen Sie sich Zeit für die Mahlzeiten. Schauen Sie darauf, dass die Mahlzeiten entspannt ablaufen.
  • Kinder können beim Aufdecken helfen und den Tisch dekorieren.
  • Fangen Sie erst zu essen an, wenn alle am Tisch sitzen.
  • Nehmen Sie sich zuerst nur eine kleine Portion. Ihr Kind soll das auch so machen. Wer dann noch Hunger hat, darf sich noch etwas nachnehmen.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man sich bei Tisch benimmt. Seien Sie ein Vorbild.
  • Beginnen Sie das Essen mit einem alltäglichen Ritual. Zum Beispiel mit einem Lied oder einem gemeinsamen Spruch.
  • Während des Essens soll es keine Ablenkungen geben. Vermeiden Sie Fernseher, Bücher oder Zeitungen.
  • Mahlzeiten sind eine gemeinsame Zeit für die Familie. Sie können während der Mahlzeiten Pläne für die Woche machen. Ihr Kind kann auch vom Kindergarten oder der Schule erzählen.
  • Sprechen Sie während der Mahlzeiten nicht über schwierige Themen, die Streit auslösen können.

Gemeinsam das Essen vorbereiten

Das gemeinsame Zubereiten und Anrichten von Mahlzeiten hat viele positive Effekte. Kinder akzeptieren neue Lebensmittel leichter, wenn sie aktiv an der Vorbereitung beteiligt waren. Darüber hinaus fördern das Schneiden, Rühren oder Mischen der Zutaten nicht nur die Freude am Kochen, sondern auch die Kreativität sowie die motorischen Fähigkeiten des Kindes.

Tipps für die gemeinsame Essensvorbereitung:

  • Planen Sie Familienmahlzeiten.
  • Stellen Sie den Speiseplan mit dem Kind zusammen und beachten Sie die Essensvorlieben.
  • Gehen Sie mit dem Kind gemeinsam einkaufen.
  • Bereiten Sie die Speisen gemeinsam mit dem Kind zu.

Kampf ums Essen – wie Sie sich friedlich einigen

Kinder entwickeln oft spezielle Essgewohnheiten. Es kann vorkommen, dass sie bestimmte Speisen plötzlich komplett ablehnen – auch solche, die zuvor gerne gegessen wurden. Das kann Eltern verunsichern oder frustrieren. Doch verzweifeln Sie nicht.

Häufig nörgeln Kinder beim Essen, um Aufmerksamkeit zu bekommen oder um ihre Selbstständigkeit zu zeigen. Versuchen Sie, möglichst gelassen zu bleiben und dem Verhalten nicht zu viel Raum zu geben. Streit und Diskussionen rund ums Essen führen selten zum gewünschten Ziel.

Zwingen Sie Ihr Kind nicht, etwas aufzuessen. Druck, Zwang und strenge Regeln sind meist kontraproduktiv und führen oft dazu, dass Lebensmittel noch stärker abgelehnt werden. Gleichzeitig ist es sinnvoll, Kinder behutsam zum Probieren zu ermutigen.

Tipps für einen entspannten Umgang mit Esskonflikten:

  • Ihr Kind muss nicht alles mögen, was Sie gerne essen.
  • Vereinbaren Sie aber, dass neue Speisen zumindest einmal probiert werden.
  • Loben Sie Ihr Kind dafür, wenn es etwas kostet.
  • Vorlieben für Lebensmittel entwickeln sich oft erst später. Seien Sie geduldig.
  • Wenn Ihr Kind Speisen ablehnt, bieten Sie diese Speisen später noch einmal an.

Wenn Eltern Essen mit Gelassenheit, Freude und gemeinsamer Zeit verbinden, legen sie den Grundstein dafür, dass Kinder von Anfang an Genuss, Vertrauen und Neugier am Essen entwickeln.

 

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