Die erste Zeit zu viert: 10 Lifehacks für glückliche Kinder und entspannte Eltern
von Franziska Ebner-Ptok
Hand aufs Herz: Die ersten Wochen mit zwei Kindern sind wunderschön und gleichzeitig eine sehr herausfordernde Achterbahn. Mal geht es gerade aus. Aber die meiste Zeit fühlt man sich wie kopfüber im Doppellooping. Man möchte jedem gerecht werden, dem kleinen und dem großen Kind. Und sich selbst. Und weiß oft trotzdem nicht, was man zuerst erledigen soll. 2 Paar Augen und 4 Hände wären manchmal gut. Weil im Alltag zwischen Baby, Wickeln und emotionalen Krisen des Erstgeborenen aber wenig Zeit für lange Ratgeber bleibt, machen wir es heute kurz und knackig. Hier kommen 10 liebevolle und ganz praktische Mini-Tipps, die direkt in den neuen Familien-Alltag zu viert eingebaut werden können. Um Druck rauszunehmen, die Bindung zu stärken und wieder mehr von den kleinen Wohlfühlmomenten zu schaffen, die wir im neuen Leben zu viert dringend brauchen.
- 1. Die Snack-Lade
Eine vorbereitete Schublade für das Erstgeborene, gefüllt mit gesunden Snacks, zu denen es jederzeit selbstständig hingreifen kann, hilft hungrigen Geschwisterkindern, wenn wir gerade alle Hände voll zu tun haben mit unserem Baby - 2. Das Spiele-Körbchen
Ein kleiner ganz besonderer Korb mit einladenden Aktivitäten für das Erstgeborene, der vor allem während dem Stillen bzw. Flaschegeben hervorgeholt werden kann. (Mögliche Inhalte je nach Alter: Fädelspiel, Stickerheft, Fühlmemory, Moosgummi-Mosaikbild, Schreibtafel, Magnetische Bausteine, Playmais, Wimmelbuch, Magnetspielbuch, Fidget Toys, Wassermalbuch und ein kleines Holztablett als Tisch für die Couch, um gut spielen zu können) - 3. Entspannter Morgen
Abends 5 Min. eine Mini-Aktivität für das Erstgeborene für den nächsten Morgen vorbereiten, um die morgendliche Situation, wo unterschiedliche Bedürfnisse von allen aufeinanderprallen, zu entstressen. (Mögliche Mini-Aktivitäten: DiY Zipline aus einer Schnur, die von einem höheren Punkt an einem niedrigeren gebunden wird, auf der sich eine leere Klopapierrolle befindet I DIY PomPomBahn aus Washitape und leeren Klopapierrollen an der Wand I Fädelspiel aus halbierten leeren Klopapierrollen, die rundherum Löcher haben und durch die zb Pfeiffenputzer gesteckt werden können I DIY Kugelbahn aus einem flachen Karton, der zb an die Couch gelehnt wird und verschiedenen Bällen I Eingeofrorene Spielfiguren befreien I mit Washitape gefangene Spielfiguren, die zb. am Schrank oder Boden festgeklebt sind, befreien) - 4. Die Macht unserer Worte
Statt “Wir können nicht auf den Spielplatz gehen, weil das Baby braucht jetzt seinen Schlaf” -> “Wir gehen sofort auf den Spielplatz, wenn deine Schwester aufgewacht ist.”
Das eine fördert Groll, das andere Geduld. - 5. Mitgefühl statt Mitleid
Statt “Mein armes Kind, was hab ich dir nur angetan.” -> “Das ist jetzt unsere neue Situation und gemeinsam schaffen wir das.” Wir ruinieren mit der Geburt eines Geschwisterchens nicht das Leben unseres Erstgeborenen. Wir schenken ihm die Möglichkeit für eine lebenslange wertvolle Geschwisterbeziehung. - 6. Erinnerungen schaffenVerständnis
Gemeinsam Babyfotos vom Erstgeborenen anschauen: “Schau, du warst hier so klein wie dein Bruder jetzt, ich hab dich genauso getragen, wie ihn.” - 7. Gemeinsam spielen
Bindungsspiele lösen durch gemeinsames Lachen Stress und, wie der Name es sagt, stärken sie die Bindung zu unserem Erstgeborenen (Klassische Bindungsspiele: Machtumkehrspiel, bei dem wir das Kind einladen, zu probieren, uns umzuschubsen, was es natürlich schafft und wo wir uns schauspielerisch lächelnd über unsere Schwäche ärgern I Nonsensespiel, bei dem wir uns absichtlich tollpatschig anstellen und unserem Kind z. die Schuhe an den Händen oder die Hose auf den Kopf anziehen wollen und uns spielerisch lustig und übertrieben über unsere Verwirrtheit ärgern) - 8. Die wahre Größe erkennen
Auch wenn uns unser Erstgeborenes neben unserem Neugeborenen plötzlich riesig erscheint, ist es nach wie vor sehr jung, mit einem noch sich entwickelnden Gehirn. Das dürfen wir uns immer wieder in Erinnerung rufen: Es ist erst am Weg, seine Empathiefähigkeit, seine Impulskontrolle, seine Selbstregulation auszureifen. - 9. Realität anerkennen
Wir können es nicht beiden Kindern gleich gerecht machen. Das brauchen wir auch nicht, weil jedes Kind gerne individuell gesehen und begleitet werden möchte. Zudem wird unsere Liebe nicht weniger, wenn wir sie teilen, sondern es wächst mit jedem neuen Kind auch ein neuer Raum in unserem Herzen. - 10. Miteinbeziehen und zur Teilhabe einladen
Unserem Erstgeborenen in der Umsorgung des Babys einen Auftrag zum Mithelfen zu geben, gibt ihm ein Gefühl von: Ich werde gesehen, ich bin wichtig, ich kann helfen und werde nicht auf die Seite gestellt. Wenn Kinder sich eingebunden fühlen, gehen sie weniger in Eifersucht und Groll.
Nehmen wir einen Tipp nach dem anderen. Rom wurde, wie wir wissen, nicht an einem einzigen Tag gebaut. So wächst auch eine neue Familie zu viert in ihrem ganz eigenen Tempo, jeden Tag ein Stückchen mehr zusammen. Gepaart mit einer Prise Geduld und immer wieder einem guten Durchatmen ist dieser Weg gut zu meistern.