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Wenn aus einem zwei werden - Papa sein zwischen Kuscheln und Krisenmanagement

von Vincent Perle

Die Geburt eines Kindes ist für mich ein fast surreales Erlebnis: emotional absolut überwältigend und rational fast nicht zu fassen. Das war bei der Geburt unserer zweiten Tochter um nichts anders als beim ersten Mal. Und dennoch war beim zweiten Kind einiges anders, wie ich rasch gemerkt habe.

Schnelle Rückkehr der Routine

Die Geburt, das erste Kennenlernen im Krankenhaus, die erste gemeinsame Nacht im Familienbett – das alles wird mir auch bei unserer zweiten Tochter in sehr prägender Erinnerung bleiben. Und doch endete diese magische Zeit der ersten Male, in der das Leben ein wenig in Zeitlupe zu verlaufen schien und sich so intensiv anfühlte, wie keine andere Zeit in meinem Leben, deutlich schneller als beim ersten Mal. Auch, weil schnell wieder Routine Einzug gehalten hat – bzw. Einzug halten musste. Schließlich ist da eine große Schwester, die es in den Kindergarten zu bringen gilt, die zum Turnen will und etwas Sauberes zum Anziehen braucht. Und auch gespielt werden will jeden Tag – am liebsten übrigens „Baby“.

Papamonat 2.0

Nach fast zehn Monaten Schwangerschaft unsere erste Tochter im Arm zu halten, das erste mal ihre kleine Hand zu spüren, die sich um meinen Finger legt, war ein unbeschreibliches Gefühl. Und dennoch fiel es mir damals gar nicht so leicht, diese Gefühle einzuordnen. Wir brauchten beide Zeit, um uns kennenzulernen. Zeit, damit die Bindung zwischen uns wachsen konnte.

Auch dafür war der Papamonat unfassbar wichtig. Einen Monat zuhause verbringen zu können, und neben kochen, Wäsche waschen und dem Erledigen der allfälligen Besorgungen – von A wie Autoschale bis Z wie Zinksalbe – einfach viel Zeit damit verbringen zu können, das Kind zu halten, zu wickeln oder einfach nur anzustarren, war eine unglaubliche Bereicherung für unsere damals junge Familie – und sehr essenziell für die Bindung zwischen mir und meiner Tochter.

Und genau diese Zeit fehlt bis zu einem gewissen Grad, wenn da bereits ein Kind ist. Denn das bedarf nicht plötzlich weniger Liebe und Aufmerksamkeit – ganz im Gegenteil. Und da Mama über weite Strecken des Tages damit beschäftigt ist, sich um die kleine Schwester zu kümmern und sich von der Geburt zu erholen, wird Papa plötzlich zur Hauptbezugsperson. Von ihm wird einerseits die Aufmerksamkeit eingefordert, die von Mama akut nicht zu haben ist. Andererseits bekommt vor allem er zu spüren, dass die Umstellung für das bisherige Einzelkind nicht minder herausfordernd ist wie für die Eltern.

Geteilte Aufmerksamkeit

Dennoch wächst auch die Beziehung zwischen mir und unserer jüngeren Tochter mit jedem Tag. Und während ich mir eingestehen muss, ihr zweifellos nicht so viel ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen zu können, wie damals ihrer großer Schwester, weiß ich auch, dass sie sehr davon profitiert, dass wir als Eltern schon einiges an Erfahrung sammeln konnten und in vielem deutlich selbstsicher sind, als das noch beim ersten Kind der Fall war. Und dass sie eine große Schwester hat, die sich – den gravierenden Veränderungen zum Trotz, die die Geburt der kleinen Schwester mit sich gebracht hat – rührend um sie kümmert und bereits ganz toll in die Rolle in diese Rolle hineingewachsen ist.

Gleichzeitig hat mich diese Zeit auch meiner großen Tochter noch einmal deutlich näher gebracht. Auch, weil wir diese gravierende Veränderung gemeinsam erleben und begreifen konnten. Und wir gemerkt haben, dass wir uns auch dann noch umarmen können, wenn einem von uns einmal richtig der Kragen geplatzt ist. Unsere Beziehung fühlt sich seither noch enger an.

 

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