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Körperkontakt, ein wichtiges Instrument in der Schlafberatung

von Mag.a Daniela Simon-Butcher

Warum Körperkontakt so wichtig ist für einen entspannten Schlaf wird hier nochmals kurz zusammengefasst:

  • Nur Köperkontakt verspricht Sicherheit: In unserer Vergangenheit barg das Alleine-Schlafen große Risiken. Die Gefahr, erbeutet und verschleppt zu werden, auszukühlen oder zurückgelassen zu werden, sollte der Nomadenstamm plötzlich aufbrechen müssen. Werden Kinder müde, suchen sie Nähe. Kinder können nur schlafen, wenn sie entspannt sind, wenn sie sich also sicher fühlen.
  • Außerdem führt jeder Kontakt zwischen Baby und Eltern, nachts wie tags, zu einer Stärkung der Bindung. Beziehungsarbeit wird geleistet, das Bindungsband wird stärker und stärker.
  • Schutzfunktion: Wir alle, Kinder und Erwachsene, wachen mehrmals pro Nacht auf, um zu prüfen, ob unsere Schlafbedingungen noch immer sicher sind. Das ist so automatisiert, dass wir das gar nicht bemerken und uns auch nicht daran erinnern. Babys wachen nachts auf, um ihren Sicherheitstest durchzuführen, ihr angeborener Gefahrendetektor schlägt Alarm, sobald sie nachts nicht die Schutzmechanismen vorfinden, auf die sie evolutionär geprägt sind. Die Babys merken: Ich habe ja gar keinen Körperkontakt mehr, sondern liege irgendwo alleine herum –  und fangen an zu weinen oder zu schreien.
  • Nahrung: Für ihr Wachstum und ihre Entwicklung, v.a. für ihr Hirnwachstum, brauchen Babys schnell verfügbare Zucker und Fette – rund um die Uhr. Es ist überlebensnotwendig, nachts mehrmals an der Brust trinken zu können. Wann ein Kind nachts ohne Milchnahrung zurecht kommt, ist individuell sehr verschieden.
  • Leichter Schlaf ist sicherer Schlaf: „Ich habe lange und tief geschlafen“, sagen wir Erwachsene nach einer guten Nacht und denken oft, dass es auch für Kinder so sein sollte. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Besonders tief und fest zu schlafen, ist für Babys nicht gesund, sondern sogar gefährlich. Im ersten Lebensjahr kommt es immer wieder zu Atemaussetzern, sog. Apnoen. Normalerweise ist das nicht schlimm – das Kleine atmet besonders tief ein und atmet dann normal wieder weiter. Dieser Effekt wird unterstützt, wenn ein ruhig atmender Erwachsener neben dem Baby während einer solchen Apnoe liegt. McKenna warnt, dass Babys in den ganz tiefen Schlafphasen ihre Atemaussetzer nur schwer beenden können.

Babys, die im eigenen Zimmer schlafen, schlafen tendenziell länger und wachen seltener zum Stillen auf – das angeborene Sicherheitssystem – leichter Schlaf, oft trinken – wird also ausgetrickst – aus gesundheitlicher Sicht ist dies ganz klar ein Nachteil!

Babys schlafen anders als wir, weil sie einen anderen Schlaf brauchen als wir. Wir decken unseren Schlaf am liebsten mit einem langen, ungestörten Nachtschlaf und vielleicht sogar einem kurzen Nachmittagsschläfchen. Babys hingegen schlafen öfter, dafür nicht so lange am Stück. Und viele davon schlafen am besten mit permanentem Körperkontakt.

 

Man sieht, dass diese 2 Schlaftypen nicht sehr gut zusammen passen und dass die Evolution für den Baby- und Kleinkindschlaf andere Pläne als für den Erwachsenenschlaf hat.

Körperkontakt ist die einzige Art und Weise, wie man einem Baby Liebe zeigt. Es versteht noch keine Geschenke, Worte, Liebesbriefe, etc. – einzig durch Berührungen kann einem Baby Liebe geschenkt und gezeigt werden.

Säuglinge scheinen auch den Körper der Mutter als eine Art Energiequelle zu nutzen: Mutter und Kind regulieren sich gegenseitig wie ein Thermostat: Zu Beginn des Haut-zu-Haut-Kontaktes steigt die Hauttemperatur zuerst bei der Mutter, dann auch bei dem Baby langsam an. Ist ein Plateau erreicht, sinkt die Hauttemperatur der Mutter wieder, um erneut anzusteigen, wenn die Hauttemperatur des Babys abfällt.

Als KänguruMethode (Englisch Kangaroo care) wird in der Neugeborenenmedizin eine Methode bezeichnet, bei der ein Neugeborenes (meist ein Frühgeborenes) Haut an Haut auf den Oberkörper eines Erwachsenen gelegt wird.

Frühgeborene Babys brauchen besonders viel liebevollen Körperkontakt, um sich gut zu entwickeln: Eine Studie zeigt jetzt, dass die „Känguru-Methode“ für die Babys noch viele Jahre später erfreuliche Folgen hat. Die untergewichtigen Frühchen wurden dabei von ihren Müttern viel auf nackter Haut getragen, gewärmt und gestillt. Kontrollgruppe waren Babys, die in ihren ersten Lebensmonaten auf herkömmliche Weise vor allem im Brutkasten betreut wurden. 18 bis 20 Jahre nach der Geburt wurden die Herangewachsenen drei Tage lang intensiv untersucht und befragt. Für die Känguru-Frühchen zeigten sich demnach klare Vorteile: Sie seien zum Beispiel im Mittel weniger aggressiv, impulsiv und hyperaktiv wie solche, die ihre ersten Lebenswochen zumeist im Brutkasten verbrachten, schreiben die Autoren.

Zu den Ergebnissen gehört auch, dass die Sterberate der Känguru-Frühchen merklich niedriger als bei der Kontrollgruppe im Brutkasten lag. Ihr Gehirn wuchs speziell in den für das Lernen wichtigen Bereichen stärker. Vor allem unter den sehr zarten Babys war auch der Intelligenzquotient 20 Jahre später etwas höher. Die Kinder aus dem Känguru-Programm legten eine bessere Schullaufbahn hin und fehlten weniger oft im Unterricht. Als junge Arbeitnehmer verdienten sie im Durchschnitt mehr.

Die Forscher erklären die positiven Folgen auch damit, dass die Eltern der Känguru-Gruppe dank der begleitenden Schulungen besser über die Bedürfnisse von Babys Bescheid wussten und dieses Wissen anhaltend umsetzten. Einen Effekt hatte dies vor allem bei ärmeren Familien mit geringem Bildungsgrad.

Das Baby wiederholt für längere Zeit im direkten Hautkontakte zu halten, bringt folgende Vorteile: 23

  • Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz sind regelmäßiger und stabiler.
  • Herzfrequenz des Babys wird leicht erhöht (positive Reaktion!).
  • Das Baby wird gewärmt und die Körpertemperatur stabilisiert.
  • Das Stillen wird einfacher fallen.
  • Das Immunsystem wird gestärkt.
  • Positive Auswirkungen auf die Bindung.

Jährlich kommen nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit insgesamt etwa 15 Millionen Kinder zu früh – vor der 38. Schwangerschaftswoche – auf die Welt.

Gerade weil die Technik zur Frühgeborenen-Betreuung inzwischen in vielen Regionen der Welt verfügbar sei und es daher weniger schwere gesundheitliche Folgeschäden gebe, komme es darauf an, auf die kleinen Effekte zu achten.

Die Methode der Stärkung der Entspannung  ist besonders gut geeignet, falls das Kind sehr unruhig schläft und häufig nachts aufwacht, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Das Urvertrauen stärken ist dann gut geeignet, wenn bereits Erfahrungen mit Alleine Schlafen gemacht worden sind, nach Schlaftrainings zum Bsp. oder auch dann, wenn die Einschlafbedingungen oft gewechselt wurden und die Nächte sehr unruhig sind.

Das Kind braucht, um entspannt schlafen zu können, Gefühle von Sicherheit und Entspannung. Diese bekommt es über die Eltern, über Körperkontakt.

Manche Kinder schlafen an der Mutterbrust ein und werden dann in ihr Bett gelegt. Wenn das Kind erwacht, liegt es alleine und das macht Angst, es muss schnell schreien, damit es gehört wird. Die Mutter kommt, nimmt es wieder an die Brust und legt es wieder ins Bettchen.  Das Kind macht also die Erfahrung, dass es immer wieder alleine ist und das macht Angst. Es wird umso öfter aufwachen, je mehr es alleine im Zimmer liegt.

Manchen Kindern reicht die Nähe auch dann nicht, wenn sie in ihrem Gitterbett gleich neben der Mutter schlafen. Auch in dieser Situation ist es möglich, dass die Kinder immer wieder aufwachen und sich des Körperkontakts versichern müssen.

Die Stärkung des Vertrauens, und somit der Entspannung hilft dem Kind, wieder Sicherheit zu tanken und zu verinnerlichen.

Eine Möglichkeit, die wir in Schlafberatungen häufig Eltern mit an die Hand geben, ist folgende:

Eine Bezugsperson (meist Mutter) schläft eine Zeit lang gemeinsam mit dem Kind. Und zwar genau da, wo sich das Kind am sichersten fühlt. Die Bezugsperson legt sich gemeinsam mit dem Kind hin und ist immer da, bevor das Kind aufwacht. Es muss dabei nicht geschlafen werden, auch lesen, Musik hören, mit dem Partner leise plaudern, etc. kann neben dem schlafenden Kind stattfinden. Bewegt sich das Kind, so wird sogleich Körperkontakt hergestellt (z.Bsp. Hand auflegen) Wacht das Kind dennoch auf, wird es sogleich wieder in den Schlaf „geschubst“. Bei stillenden Müttern mit Hilfe der Brust, bei nicht stillenden in der Art und Weise, wie das Kind immer zum Weiterschlafen gebracht wird. Je öfter dies passiert, umso mehr verinnerlicht das Kind die Nähe der Bezugsperson und umso weniger muss das Kind aufwachen, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist.

Die Eltern sollen dies mindestens 14 Tage lang so anwenden, bevor sie wieder etwas verändern. Schläft das Kind besser und länger, können die Eltern, falls sie das dann noch wollen, wieder etwas an der Schlafsituation ändern. Wenn sie aber merken, der Schlaf des Kindes wird dadurch wieder unruhiger, dann sollten sie weiterhin das Urvertrauen auf diesem Wege stärken. Dies kann auch tagsüber angewendet werden, damit die Tagesschläfchen länger werden.

 

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