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Pro-Ana und Pro-Mia: Magertrend im Internet

von Marlene Kettinger, MA

Magerfotos auf Instagram, Abnehm-Gruppen in WhatsApp, Kontaktbörsen auf Pro-Ana-Blogs: Wie Jugendliche mit Essstörungen Online-Plattformen und Soziale Netzwerke nutzen.

Sie bezeichnen sich selbst als „Pro-Ana“ oder „Pro-Mia“ und suchen im Internet nach Gleichgesinnten: Jugendliche, zumeist junge Mädchen, die an Essstörungen leiden und ihre Krankheit als „Lifestyle“ interpretieren. Längst finden Betroffene auf einschlägigen Online-Plattformen nicht mehr nur Diät- oder Motivationstipps, sondern organisieren sich immer häufiger auch über geschlossene Gruppen in WhatsApp oder Kik. Magerfotos in Sozialen Netzwerken dienen dabei als „Thinspiration“ – Maßstäbe für Schönheit und Attraktivität.

Pro-Ana und Pro-Mia: Ersatzgemeinschaft im Internet
 Der Begriff „Ana“ ist eine Abkürzung für Anorexia Nervosa (Magersucht), „Mia“ steht für Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht). Beide Krankheitsbilder fallen in den Bereich der Essstörungen. Auf einschlägigen „Pro-Ana“- bzw. „Pro-Mia“-Plattformen im Internet müssen sich betroffene Jugendliche nicht verstecken, sondern finden Anschluss zu Gleichgesinnten. So entsteht eine Ersatzgemeinschaft, in der krankhaftes Essverhalten nicht nur akzeptiert, sondern sogar unterstützt wird. Gleichzeitig versuchen die Betroffenen, die Krankheit vor ihren Eltern, Lehrenden oder Freund/innen zu verheimlichen.

Obwohl immer häufiger auch Männer von Essstörungen betroffen sind, wird „Pro-Ana“ in erster Linie von Mädchen und jungen Frauen getragen. Wie viele Personen sich tatsächlich der Pro-Ana-Szene zugehörig fühlen, kann aufgrund der hohen Anonymität innerhalb der Foren und Gruppen nicht eindeutig mit Zahlen belegt werden.

Blogs als Kontaktbörsen, Gruppen als Kontrollinstanz
 „Pro-Ana“ ist im Internet kein ganz neues Phänomen. Schon vor der Jahrtausendwende entstanden zahlreiche Foren und Websites, über die Magersüchtige Diättipps austauschten und sich gegenseitig zum Abnehmen motivierten. Mit zunehmender Popularität von Sozialen Netzwerken wie Facebook, WhatsApp oder Kik hat sich aber ein Großteil der Pro-Ana-Kommunikation in geschlossene Gruppen verlagert.

In den meisten Fällen kommen betroffene Jugendliche erstmals über eine einfache Internetsuche mit einschlägigen Angeboten in Berührung. Über diese Plattformen werden dann Kontakte zu Gleichgesinnten geknüpft. Oft etablieren sich in den Gästebüchern sogenannte „Twin-Börsen“, in denen Betroffene mithilfe von Kontaktanzeigen gezielt nach „Pro-Ana-Twins“ – Personen mit ähnlichen Körpermaßen und Zielen – suchen. Nach dem Erstkontakt wird die Kommunikation mit den „Twins“ privat in einem Sozialen Netzwerk fortgesetzt – meist in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe.

In diesen Gruppen finden die betroffenen Jugendlichen Zuspruch und Unterstützung, bleiben gleichzeitig aber relativ anonym. Die Gruppenmitglieder spornen sich gegenseitig zum Abnehmen an und tauschen regelmäßig Daten zu Körpergewicht und gegessenen Kalorien, aber auch Fotos des eigenen Körpers aus. Wer die selbst auferlegten, strengen Diät- und Sportregeln missachtet, fliegt aus der Gemeinschaft.

 „Thinspiration“ als Motivation zum Hungern
Inspiration und Motivation zum Abnehmen finden betroffene Jugendliche vor allem auf Blogs oder Plattformen wie Tumblr oder Instagram. Unter der Bezeichnung „Thinspiration“ (kurz: „Thinspo“) werden Fotos von extrem dünnen Mädchen oder Models gepostet, die zum Gewichtsverlust anregen sollen. Die Suche nach derartigen Inhalten ist einfach: Wer etwa im Foto-Netzwerk Instagram einschlägige Hashtags eingibt, findet zahlreiche Bilder, die wiederum mit dutzenden anderen Schlagwörtern versehen oder auf weitere Blogs oder Websites verlinkt sind. Screenshots von „Thinspiration“-Bildern finden Sie in dieser Beispielsammlung zu Pro-Ana und Pro-Mia im Internet (pdf, 3 MB).

Allein auf Instagram wurden unter dem Hashtag #ana mehr als 6,8 Millionen Beiträge gepostet, unter #anorexia sind es knapp 4,6 Millionen. Instagram und Tumblr haben reagiert: Wer nach einschlägigen Hashtags sucht, bekommt neben einer Warnung vor verstörenden Inhalten auch Beratungsangebote für Menschen mit Essstörungen angezeigt; einige Begriffe sind gänzlich gesperrt. Allerdings lassen sich diese Maßnahmen leicht umgehen, indem die Hashtags leicht abgewandelt werden (z.B. #proanna statt #proana).

Die Video-Plattform YouTube spielt in der Pro-Ana-Szene ebenfalls eine wichtige Rolle: In zahlreichen „Thinspiration“-Clips werden Essstörungen verherrlicht; in „Ratgeber“-Videos geben Betroffene zudem praktische Tipps zum Umgang mit dem ständigen Hungergefühl.

„Thigh Gap“ und „Collarbone Challenge“: Gefährliche Schönheitsideale
In der Pro Ana-Szene haben sich gefährliche Schönheitsideale etabliert, die im Internet vor allem über Bilder transportiert werden. Ein Beispiel ist die „Thigh Gap“: Dabei dürfen sich die Oberschenkel bei geschlossenen Beinen nicht berühren – Fotos von der so entstandenen Lücke machen im Netz millionenfach die Runde. Ein ähnlicher Kult rankt sich um die sogenannte „Bikini Bridge“ – also den Abstand zwischen Bikinihöschen und Bauch, der bei extrem dünnen Menschen zu sehen ist, wenn sie auf dem Rücken liegen.

Zusätzlich verstärkt wird der Magertrend im Internet von sogenannten „Challenges“ – regelgeleiteten Herausforderungen, denen sich Jugendliche stellen indem sie die „Beweisfotos“ stolz in Sozialen Netzwerken teilen. Zwei Beispiele: Bei der „Belly Button Challenge“ wird versucht, mit einem Arm den Rücken zu umschlingen und vorne mit den Fingern den Bauchnabel zu berühren. Bei der „Collarbone Challenge“ geht es hingegen darum, möglichst viele Münzen auf den hervorstehenden Schlüsselbeinen zu stapeln.

Pädophile nutzen Pro-Ana-Plattformen aus
Immer häufiger wird im Zusammenhang mit Pro-Ana von selbsternannten „Coaches“ berichtet, die auf den einschlägigen Szene-Blogs ihre Unterstützung beim Abnehmen anbieten. Dabei liegt der Verdacht nahe, dass diese in der Regel männlichen „Trainer“ die Situation der essgestörten jungen Mädchen gezielt ausnutzen, um an kinderpornografisches Material zu gelangen.
Ihre „Dienstleistungen“ bieten die Pro-Ana-Coaches meist in Annoncen auf Blogs oder in Foren an: Auch sie stellen strenge Diätregeln auf und überwachen deren Einhaltung etwa über WhatsApp. Von ihren „Schülerinnen“ verlangen die Coaches nicht nur absoluten Gehorsam, sondern auch regelmäßig Nacktfotos oder Aufnahmen in aufreizenden Posen.

Meist sind es die Pro-Ana-Anhänger/innen selbst, die in Kontaktanzeigen nach einem privaten Pro-Ana-Trainer suchen. Viele sind sich dabei auch der Gefahr durch Pädophile bewusst: Immer wieder wird in den Twin-Börsen davor gewarnt, Nacktfotos an vermeintliche Coaches zu verschicken.


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