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Pubertät als Übergangszeit und Transitionen beim Erwachsenwerden

von Ass. Prof. Mag. Dr. Ulrike Sirsch

Was brauchen Eltern, um mit den altersspezifischen Veränderungen der Jungendzeit möglichst gut umgehen zu können?

Pubertät und Jugend – Anfang und Ende?

„Das Jugendalter kann als Abfolge von Übergängen beschrieben werden, die … mit biologischen Veränderungen der Pubertät beginnen und mit der Übernahme der Erwachsenenrollen enden.“ (Pinquart & Grob, 2008, S. 109). Während „Pubertät“ als Begriff verwendet wird, um biologische Veränderungen hin zur sexuellen Reifung zu bezeichnen, wird „Adoleszenz/Jugend“ benutzt, um eine Altersphase zu benennen, mitbeeinflusst von gesellschaftlichen Gegebenheiten, beginnend mit pubertären Veränderungen im Alter von etwa 10/11 Jahren bis etwa 18 Jahre und darüber hinaus. Während der Beginn des Jugendalters klar definiert ist, ist das Ende der Jugend nicht im selben Sinn klar festgelegt. In den letzten Jahrzehnten wird zunehmend eine vorhandene Ausweitung der Jugendzeit diskutiert, da ein großer Teil der Heranwachsenden in westlichen industrialisierten Ländern höhere Bildungsabschlüsse anstreben und länger in Bildungsinstitutionen verweilen als in den vergangenen Jahrzehnten. Erwachsenenrollen, wie z.B. Berufseintritt, Heirat und Elternschaft, die den Beginn des Erwachsenenalters als objektive Kriterien festlegen, finden später statt bzw. werden später als früher noch  eingegangen.
Jeffrey Jensen Arnett, ein amerikanischer Forscher, der sich sehr intensiv mit dem Erwachsenwerden Heranwachsender beschäftigt, führte den Begriff „Emerging Adulthood“ (für aufkommendes Erwachsenenalter) ein und postuliert diese Altersphase von 18 Jahren bis Mitte/Ende der Zwanziger als eigene Entwicklungsstufe im Prozess hin zum Erwachsenenalter (Arnett, 2000). Diese Periode ist seiner Meinung nach geprägt von einer Suche nach „wer bin ich“, „wo will ich hin“, „wo ist mein Platz im Leben“ und dem Ausprobieren der dazugehörigen Möglichkeiten bevor man sich festlegt. Heranwachsende zu befragen, ob und inwieweit sie sich erwachsen fühlen als subjektive Marker für das Erwachsenensein, zeigte bei einem Großteil der „Emerging Adults“ ein „Dazwischenfühlen“ als Ergebnis an (Arnett, 2001). 

Welche Veränderungen finden im Jugendalter statt? 

Wissenschaftliche Forschung im Bereich Jugendalter ist gerade mal etwa 110 Jahre alt – welche Erkenntnisse haben wir? Die Grundannahmen einer modernen Entwicklungspsychologie begründen Entwicklung durch ein Zusammenspiel von Anlage und Umwelt sowie dem Individuum selbst. Das heißt, dass genetische Anlage, soziales Umfeld (Eltern, Gleichaltrige, aber auch Gesellschaft) sowie das Individuum (als handelnde/r Akteur/in) Entwicklung auslöst und somit alle drei Bereiche wichtige Einflussfaktoren im Prozess hin zum Erwachsenwerden sind. Wichtige Bereiche der Entwicklung im Jugendalter hin zum Erwachsenen sind die körperliche Entwicklung, die sozio-emotionale und die kognitive Entwicklung, alle drei Bereiche stehen miteinander in Beziehung. 

Jugendforschung – neuere Erkenntnisse

Neuere Erkenntnisse der Jugendforschung und der Hirnforschung liefern mögliche Antworten, warum es in dieser Phase verstärkt zu impulsiven Ausbrüchen und Handlungen kommt, die aus der Sicht von Erwachsenen schwer verständlich oder nachvollziehbar scheinen. Noch vor einigen Jahrzehnten wurde angenommen, dass der Großteil des Hirnwachstums bereits nach den ersten Lebensjahren abgeschlossen ist, während wir heute wissen, dass die Hirnentwicklung auch in der Adoleszenz noch voranschreitet. Da dabei bestimmte Bereiche des Gehirns in ihrer Entwicklung früher, andere später reifen, hat dies zur Folge, dass noch nicht ausgereifte Verbindungen zwischen den betroffenen Gehirnregionen verantwortlich dafür sind, dass Heranwachsende oft kurzsichtige Entscheidungen treffen, kurzfristige Ziele bevorzugen und emotionale Impulse nicht gut kontrollieren können. Gehirnareale, die zuständig sind für vorausplanendes Denken und die Kontrolle von Emotionen reifen später heran als die Bereiche, die für Emotionen zuständig sind. Allerdings fördert das aber auch möglicherweise Kreativität, da Handlungen und Gedanken dadurch nicht so stark kontrolliert werden können und Planungen nicht völlig durchstrukturiert sind – ein Denken abseits geförderter Bahnen ist möglich (Crone, 2011).
Warum bekommen viele Jugendliche morgens kaum die Augen auf und schlafen am Wochenende lange? In der Pubertät verändert sich die Art und Weise wie das Gehirn den Schlaf-Wachrhythmus steuert, vermutet wird ein Zusammenhang mit den neuronalen Umstrukturierungen des Gehirns (Dreher et al., 2011). Eine Substanz, die Müdigkeit erzeugt, wird bei Jugendlichen später produziert als noch bei Kindern, also werden sie später müde und gehen später schlafen bzw. schlafen später ein, trotzdem brauchen sie gleich viel Schlaf. Ein Schlafmangel ist oft die Folge.

Sturm und Drang versus Ablösung in Verbundenheit

Theoretische Grundnahmen, die davon ausgingen Entwicklung ist Reifung – ein von Genen vorbestimmter Verlauf von Wachstum – haben psychoanalytisch fundierte Vorstellungen von einer Jugendzeit als „Sturm und Drang“ hervorgebracht. Anna Freud (1958) beispielsweise war der Überzeugung, dass in der Adoleszenz normal zu sein, nicht normal ist und eine „Krisenzeit“ im Jugendalter ein „muss“ darstellt zur Ablösung und zum Erwachsenwerden. Heute geht man davon aus, dass es sehr wahrscheinlich zu Konflikten mit den Eltern kommt, aber diese nicht zwingend notwendig sind, um sich abzulösen.
Im sozio-emotionalen Bereich ist eine wesentliche Veränderung in der Adoleszenz bzw. im jungen Erwachsenenalter die der notwendigen Umgestaltung der Eltern-Kind-Beziehung hin zu mehr Autonomie, Selbstständigkeit und Verantwortung auf Seiten der Heranwachsenden. „Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen“, erwies sich als Topkriterium bei der Befragung von Heranwachsenden, was denn wichtig ist, um als erwachsen zu gelten (siehe Arnett, 2001; Sirsch et al., 2009). Wenn die Umgestaltung der Beziehung sowohl auf Seiten der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen als auch auf Seiten der Eltern gut funktioniert, kann Ablösung in Verbundenheit (Youniss & Smollar, 1985) erfolgen. Dazu muss von Seiten der Eltern ein Anwachsen der Symmetrie in der Eltern-Kind-Beziehung zugelassen werden (ein „Umgehen auf Augenhöhe). Erlauben Eltern eine derartige Distanzierung fördern sie eine Ablösung aus einer Abhängigkeit, die im Kleinkindalter zu den Eltern eine sehr starke war, hin zur Eigenständigkeit und Unabhängigkeit eines Erwachsenen mit weiterhin emotionaler Nähe und Interesse am anderen (Dreher & Dreher, 2002). Oft wird dabei die Notwendigkeit einer Ablösung von der Elternrolle auf Seiten der Eltern, nicht im selben Ausmaß thematisiert wie die Ablösung aus der Rolle eines Kindes auf Seiten der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen. Manchen Eltern bzw. Elternteilen fällt die Umgestaltung der Beziehungsrolle schwer, weil sie z.B. meinen, weniger gebraucht zu werden und das als Verlust betrachten. Manchen Eltern wird mit zunehmender Autonomie und schließlich dem Auszug ihres Kindes aus dem Elternhaus auch oft das eigene Alter stärker bewusst. , Aber auch Jugendliche sehen in Unabhängigkeit und Verantwortung nicht nur positive Aspekte. Befragt man Jugendliche so nennen sie an erster Stelle Eltern/Familie, wenn es um Hilfen für das Erwachsenwerden geht (Dreher & Dreher, 2002). 


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