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Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt bei Kindern und Jugendlichen und die Rolle der Eltern

von Dr. Martin Plöderl

Die meisten Eltern gehen davon aus, dass sich ihre Tochter irgendwann einmal in einen Mann verliebt oder dass ihr Sohn früher oder später eine Partnerschaft mit einer Frau eingeht. Und noch selbstverständlicher ist die Annahme, dass ihr Sohn sich als Mann fühlt oder ihre Tochter sich als Frau. In den meisten Fällen liegen die Eltern damit auch richtig, aber manchmal eben auch nicht, nämlich dann wenn ihre Kinder einer sexuellen oder geschlechtlichen Minderheit angehören.

Was meint sexuelle und geschlechtliche Vielfalt?

Sexuelle Vielfalt: Zwischen 3 und 15% (je nach Definition) der Jugendlichen gehören einer sexuellen Minderheit an, weil sie sich erotisch und emotional mehr oder weniger stark zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, also bisexuell oder homosexuell empfinden. Viele von ihnen bezeichnen sich auch als schwul, lesbisch oder bisexuell.
Geschlechtliche Vielfalt: Unabhängig von Homosexualität und Bisexualität ist das Phänomen Transidentität, das ca. eine/n von 10000 Jugendlichen betrifft. Hierbei stimmt das gefühlte Geschlecht (die Geschlechtsidentität) nicht mit dem biologischen Geschlecht überein und dadurch besteht der permanente Wunsch nach geschlechtsangleichenden Maßnahmen, oft schon in der Kindheit. Ein erst in letzter Zeit enttabuisiertes Phänomen ist Intersexualität, bei dem das biologische Geschlecht (chromosomal, hormonell, anatomisch usw.) nicht eindeutig ist – die Natur lässt sich eben nicht in unsere üblichen Mann/Frau Kategorien pressen.
Schwule, lesbische, bisexuelle und transidente Kinder und Jugendliche werden sich im Laufe der Zeit, am häufigsten am Ende der Kindheit oder in der Pubertät (manchmal aber auch wesentlich später), ihrer homosexuellen Neigungen oder ihrer transidenten Geschlechtsidentität bewusst (inneres Coming Out) und es vergehen manchmal Jahre, bevor sie dies anderen mitteilen (äußeres Coming Out). In dieser Zeit fühlen sich einige Jugendliche sehr isoliert und das Risiko für psychische Probleme ist erhöht. Während heterosexuelle Jugendliche alterstypische Probleme meistern müssen (Schule, Berufswahl, Pubertät, etc.) erleben viele sexuelle und geschlechtliche Minderheiten zusätzliche Herausforderungen wie Angst, von den Eltern oder FreundInnen abgelehnt zu werden und leider erleben sie auch tatsächlich mehr Diskriminierung und Gewalt als ihre heterosexuellen Altersgenossen und haben ein deutlich höheres Suizidrisiko.
An dieser Stelle ist die Rolle der Eltern entscheidend. Viele Studien zeigen, dass eine gute Beziehung zu den Eltern einer der stärksten Schutzfaktoren gegen die negativen Konsequenzen von Diskriminierung und Gewalt ist. Daher ist es gerade für geschlechtliche und sexuelle Minoritäten so wichtig, entsprechende Unterstützung von ihren Eltern zu haben. Jedoch zeigen Studien, dass sich homo- und bisexuelle Jugendliche im Durchschnitt weniger gut von den Eltern unterstützt fühlen als heterosexuelle, vor allem was die Unterstützung durch Väter anbelangt. In meiner österreichischen Studie von 2005 konnte nur etwa die Hälfte der homo- und bisexuellen Teilnehmenden mit ihren Müttern und nur ein Drittel mit ihren Vätern über ihre sexuelle Orientierung reden. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies mittlerweile schon verbessert hat.
Die meisten Eltern können recht gut mit dem Coming Out des Kindes umgehen. Manche Eltern, deren Kinder gerade ihre homo- oder bisexuelle Orientierung oder ihre Transidentität mitgeteilt haben, sind aber anfangs überfordert, irritiert oder sogar schockiert, wollen es nicht wahrhaben, machen sich Vorwürfe, haben Angst um die Zukunft ihrer Kinder, und reagieren fallweise sogar aggressiv. Das sind normale Reaktionen, machen es aber für die Jugendlichen nicht gerade einfach.
Selbst aufgeschlossene, liberale Eltern erleben beim Coming Out ihrer Kinder ganz direkt und authentisch, wie sie wirklich zu Homosexualität oder Transidentität stehen und dass sie eben nicht frei von negativen Einstellungen und Gefühlen dazu sind.
Als Psychologe und Psychotherapeut, der sich viel mit dem Suizidrisiko von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten auseinandergesetzt hat, würde ich es sehr begrüßen, wenn Sie als Eltern folgendes beachteten:

  • Auch Ihr Kind könnte schwul/lesbisch, bisexuell, transident oder intersexuell sein bzw. später werden. Machen Sie sich jetzt schon Gedanken, wie dies für sie sein würde und was sie bräuchten, um damit umgehen zu können. Dies würde ein eventuelles Coming Out für Ihr Kind und für Sie selber wesentlich erleichtern.
  • Kinder und Jugendliche, die schon ihr inneres Coming Out gemacht aber es noch niemanden gesagt haben sind besonders hellhörig auf Äußerungen bezüglich Homosexualität und Transidentität und leiden darunter, wenn sie diskriminierende Bemerkungen hören, gerade wenn sie von den Eltern kommen. Eltern machen sich nach dem Coming Out oft große Vorwürfe, wenn sie in Anwesenheit des Kindes solche Äußerungen gemacht haben.
  • Niemand kann etwas dafür, wenn er ablehnende Gefühle und Einstellungen gegenüber Homosexualität, Transidentität oder Intersexualität empfindet, denn sie sind auch in unserer Gesellschaft noch immer vorhanden. Aber es ist wichtig, sich diese Gefühle und Vorurteile bewusst zu machen, damit sie nicht in verletzenden Handlungen/Äußerungen enden, die sogar das eigene Kind treffen könnten.
  • Wenn sich ihr Kind gerade geoutet hat, dann braucht es oft viel Zeit zur  Auseinandersetzung. Manchmal treten heftige emotionale Reaktionen auf. Das ist normal, aber es ist günstig, wenn Sie starke Gefühle von Trauer, Wut oder Enttäuschung nicht direkt dem Kind gegenüber zeigen sondern sie mit jemand anderen teilen, bis sich die Wogen glätten.
  • Dazu kann Beratung und Unterstützung hilfreich sein, oder der Austausch mit anderen Eltern. Nutzen Sie die entsprechenden Anlaufstellen und Gruppen in Österreich (auf dieser Webseite ersichtlich)

Es ist immer wieder schön zu beobachten, wie sich die Beziehungen zwischen Eltern und deren schwul/lesbisch/bisexuelle oder transidente Kinder gerade durch die Herausforderungen beim Coming Out vertiefen und wachsen und ich hoffe, dass diese Informationen dazu beitragen können.
Die Homosexuelleninitiativen (HOSI) in Österreich und die spezielle Beratungseinrichtung „Courage“ bieten Beratung, Information (Broschüren, Filme, Bücher) und Elterngruppen an. Die aktuellen Angebote und Kontaktadressen entnehmen Sie am besten den Webseiten der Organisationen.
Rosalila PantherInnen Graz
http://www.homo.at/information-angebote/eltern/
eMail: info@homo.at
Elternstammtisch jeden 2.Dienstag im Monat. Uum Voranmeldung wird gebeten.
Info und Voranmeldung: eMail: info@homo.at, Tel.: 0316 / 36 66 01
Broschüren: http://2014.homo.at/services/broschueren-bestellen/
HOSI Linz
http://www.hosilinz.at/beratung/
E-Mail:  beratung@hosilinz.at
Telefonische Beratung.: Mo und Do, 20.00 – 22.00 unter (0732) 60 9898-4
Persönliche Beratung nach Vereinbarung, in der HOSI Linz, Goethestr. 51, 4020 Linz
HOSI Tirol
http://www.hositirol.at/service/gruppen/
Tel/Fax: +43 512 587586
Email: office@hositirol.at
Die Elterngruppe trifft sich monatlich, E-Mail: elterngruppe@hositirol.at
Information: www.hositirol.at/service/downloads/
HOSI Salzburg
http://www.hosi.or.at/die-hosi/gemeinschaften/rainbow-parents/
eMail: beratung@hosi.or.at oder elterngruppe@hosi.or.at,
Telefonische Beratung: +43 / (0)676 / 440 60 70
Persönliche Beratung, jeden Dienstag 18:00-20:00
HOSI Wien
Information Rund um das Thema Coming Out
http://www.hosiwien.at/rat-hilfe/

Beratungsstelle Courage, Wien, Graz, Innsbruck
Team Wien:
http://www.courage-beratung.at/
Courage Chat: jeden 1. Montag im Monat von 19-20 Uhr auf www.rainbow.or.at
Telefon: 01 / 585 69 66
Email: info@courage-beratung.at
Gruppe für Angehörige von Transidenten Personen
http://www.courage-beratung.at/gruppen,TRANS*FAMILY,1
1060 Wien, Windmühlgasse 15/1/7
Team Graz
Tel. 0699/166 166 62
graz@courage-beratung.at
Beratungszeiten: Mo 12-17h, Di & Mi & Do 16-19h
Tel. Voranmeldung: Mo-Do, 9-15h
Team Innsbruck
Tel. 0699/166 166 63
innsbruck@courage-beratung.at
Beratungszeiten: Mo & Mi & Do, 17-20h
Tel. Voranmeldung: Mo-Do, 9-15h


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