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Die Gesellschaft im Wandel, die Menschen auf der Suche

von Mag. Ercan Nik Nafs

Elternbildung
Elternbildung
Elternbildung

Wir leben in einer Migrationsgesellschaft. Anerkennung dieser Tatsache fehlt. Führt zu Diskriminierung und Rassismus.

Gesellschaft im Übergang – Begriff der „Transition“ setzt „neuen Normalzustand“ voraus – den können wir aber nur erreichen, wenn breite Anerkennung der Transitionsprozesse vorhanden ist (kein Wir-Die), davon sind wir aber noch weit entfernt.

Insofern als der Begriff „Transition“ eine Abschließbarkeit des Veränderungsprozesses impliziert, ist er im Hinblick auf die Migrationsgesellschaft zu präzisieren: Abschließbar ist nicht der Prozess gesellschaftlichen Wandels durch Migration. Abschließbar ist allerdings das Stadium, in dem breite Anerkennung der Tatsache hergestellt wird, dass Migration ein integrativer Bestandteil unserer Gesellschaft und nicht etwas außerhalb von ihr ist; damit auch Anerkennung, dass diese Gesellschaft von Machtverhältnissen durchzogen ist, die auch mit Fragen der Migration zusammenhängen.

Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten 50 Jahren in vielen Bereichen gewandelt und befindet sich in einem auf absehbare Zeit nicht endenden Übergang. Die Arbeitsmigration der 60er Jahre, innereuropäische Integrationsprozesse und die unterschiedlichen Fluchtbewegungen nach Europa, sind die Ursachen für die hohe Diversität in der österreichischen Bevölkerung. Zusätzlich erschweren die verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Krisen weltweit die sogenannte gesellschaftliche Transitionsphase.

Hier einige wichtige Beispiele:

  • Während sich die Gesellschaft verändert, bleiben viele Strukturen und pädagogische Konzepte des Bildungssystems erhalten und alle Versuche, das Bildungssystem zu reformieren, sind entweder wenig ambitioniert oder scheitern am Veto der verschiedenen AkteurInnen. Das Bildungssystem verfestigt soziale Unterschiede, anstatt Kindern gleiche Chancen und damit die Möglichkeit zu eröffnen, aus ererbten Begrenzungen hinauszuwachsen. Das Schulsystem zwingt bereits die Eltern von Zehnjährigen, sich an der „Zwei-Klassen-Bildung“ zu beteiligen. „Zuwanderer“-Kinder landen oft aus unerklärlichen Gründen in Sonderpädagogischen Zentren oder schaffen den Übergang ins Gymnasium nicht. Die Forderung der Bildungsexpertinnen und -experten nach einer gemeinsamen Schule der 6- bis 15-jährigen Kinder und Jugendlichen findet keine gesellschaftliche Umsetzungskraft.
  • Bestehende Strukturen genießen aus unterschiedlichen Gründen nur begrenzt das Vertrauen der „Neuen Österreicherinnen und Österreicher“. Die Schulen beschweren sich über das nicht vorhandene Interesse der Eltern für den Schulbetrieb und die Eltern beschweren sich über den nicht respektvollen Umgang des Schulpersonals. Dieses Spannungsfeld von unterschiedlichen Interessenslagen und Lebenswelten des Schulpersonals, der Eltern und Kinder oder Jugendlichen drängt oft das eigentliche Ziel, nämlich die Chance auf bestmögliche Bildung für die Schülerinnen und Schüler, in den Hintergrund.
  • Die Tatsache, dass eine Vielzahl von Menschen vom demokratischen Mitbestimmungsrecht ausgeschlossen ist, erschwert die Partizipationsmöglichkeiten dieser Bevölkerungsgruppe an den bestehenden politischen Strukturen in Österreich.
  • Gleichzeitig entstand mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft ein neuer gesellschaftlicher Akteur in der politischen Landschaft, der sich inhaltlich und organisatorisch in den letzten Jahren aufgrund des neuen Islamgesetzes und der anhaltenden Diskussionen über den Islam neu ausgerichtet hat. Hier fällt besonders eine Vermischung von religiöser  und Interessenvertretung auf, die jedoch auf lange Sicht getrennt werden sollten. Zudem ist zu bedauern, dass die Diskussionen sowohl über den Islam als auch über Musliminnen und Muslime in Österreich selten sachlich geführt werden.
  • Die in Österreich geborenen und aufgewachsenen Kinder und Jugendlichen werden oftmals noch immer als Zuwanderinnen und Zuwanderer und nicht als integraler Teil dieser Gesellschaft betrachtet. Die Identitätsentwicklung oder -suche dieser Kinder und Jugendlichen erweist sich vor allem deshalb gerade in der Zeit ihres Heranwachsens oft mehr als Hindernis denn als Chance. Die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft bei der Geburt würde sich auf die Identitätsbildung dieser Kinder und Jugendlichen positiv auswirken und das Gefühl des ÖsterreicherInnen-Seins, das nicht auf einem Verständnis von „Blut und Boden“ beruht, stärken.

Gesellschaftliche Übergänge stellen besondere Zeiten dar, in denen die Gesellschaft als Ganzes gefordert ist, Gewohnheiten zu reflektieren, neue Tatsachen anzuerkennen und begleitet werden müssen. Die beschriebenen Prozesse begleiten jedes einzelne Kind und jeden einzelnen Erwachsenen. Daher verlangen zwischenmenschliche Interaktionen nach ausreichend Zeit, Raum und einer professionell-respektvollen Beziehung zwischen den Menschen bzw. betreffenden Zielgruppen. Das Fehlen einer dieser Faktoren versursacht eine nicht zufriedenstellende, gar eine konfliktreiche Atmosphäre, die in Summe mit weiteren Kriterien wie Vorurteilen, oder sozioökonomischen Belastungen etc. zu massiven Konflikten führen kann. Das erfolgreiche Meistern von Übergängen im individuellen als auch gesellschaftlichen Kontext, liegt oft im respektvollen Umgang mit Menschen und der Vernetzung unterschiedlicher Professionen. Auch eine engmaschige Vernetzung der Sozial- und Bildungsarbeit mit der Kommunalpolitik ermöglicht an vielen Orten einen Wissensaustauch und die Bündelung der knappen Ressourcen.

 


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