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Wer spielt die erste Geige?

von Mag.a Christine Wegschaider

Die elfjährige Sophie sitzt traurig in ihrem Baumhaus. Als ihre beste Freundin Hanna endlich kommt, bricht Sophie in Tränen aus. Sie erzählt, dass ihre Mutter mit Georg, Sophies autistischem Bruder (siehe Kapitel 11), zur Hippotherapie gefahren sei. „Ich soll zu meiner Oma rüber gehen, wenn ich etwas brauche, hat Mama gesagt.“ Sophie weint bitterlich. „Immer kümmern sich alle um Georg, für mich hat niemand Zeit,“ schluchzt sie. „Ich möchte auch mit Mama reiten gehen und so gelobt werden wie Georg.“ Solche Situationen sind Geschwistern von Kindern mit Behinderung geläufig. Sie müssen sich häufig zurücknehmen, den Bedingungen der Familie anpassen. Die besondere Rolle der Geschwister bleibt oft unbeachtet und prägt diese nachhaltig. Das Kind mit Behinderung bindet einen Großteil der elterlichen Aufmerksamkeit und Energie.

Oft sind die Eltern mit ihrem Kind mit Behinderung so beschäftigt, dass sie sich den Geschwistern nur selten mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuwenden. Regelmäßige Therapiebesuche, häufige Arztbesuche einerseits und erhöhter Pflegebedarf und Aufsichtspflicht für das Kind mit Behinderung im Alltag andererseits tun das Ihre dazu. Manche dieser Geschwisterkinder sind auch besonders angepasst und vernünftig, weil sie die Überbelastung der Eltern spüren und diese nicht noch zusätzlich herausfordern wollen.

Hohe Leistungserwartungen der Eltern an ihre Kinder ohne Beeinträchtigungen beeinflussen deren Leben langfristig. „Ich war früh sehr selbständig, meine Mama brauchte sich nie um meine Hausaufgaben zu kümmern. Sie hatte schon genug Arbeit mit Anna. Wenn ich aber traurig war oder mir Sorgen um Anna machte, konnte ich immer zu meiner Mama kommen. Das war für mich sehr wichtig, wir konnten über alles reden. Wenn sie mich dann in ihre Arme schloss, und für kurze Zeit nur sie und ich existierten, war alles wieder gut,“ erzählt Mario, Bruder von Anna, einem Mädchen mit schwerer Mehrfachbehinderung.

Jedes Kind einer Familie braucht regelmäßig die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eltern, um sich gut entwickeln zu können. Die besonderen Bedingungen, die Geschwister von Kindern mit Behinderung in ihrem Leben vorfinden, können aber auch zur Entwicklung besonderer Fähigkeiten führen, wie wissenschaftliche Untersuchungen ergeben haben:

Geschwister von Kindern mit Behinderung zeigen

  • eine hohe soziale Kompetenz
  • großes Einfühlungsvermögen
  • Reife
  • Geduld
  • Ehrlichkeit
  • Akzeptanz von Unterschieden
  • größere Hilfsbereitschaft
  • Dankbarkeit gegenüber der eigenen Gesundheit

 

Tipps für Geschwister von Kindern mit Behinderung

  • Achte Deine Gefühle, die Du gegenüber Deinem Geschwister hast. Versuche mit Deinen Eltern darüber zu sprechen.
  • Auch böse Gefühle dürfen sein. Wenn Du Dich ärgerst, versuche den Ärger heraus zu schreien. Oder stampfe fest auf den Boden. Vielleicht hast Du schon einen Weg gefunden, Deinen Ärger los zu werden. Oder Du findest ihn gemeinsam mit Mama oder Papa. Ganz wichtig ist dabei, dass Du keinem weh tust und niemand verletzt wird.
  • Frag Deine Eltern, wie sie mit Ärger, Groll, Zorn und anderen unangenehmen Gefühlen umgehen. Vielleicht rufst Du dazu wieder einen Familienrat ein.
  • Warst Du schon einmal in Italien? Dort ist es viel üblicher als bei uns, seine Gefühle zu zeigen. Die Italiener/innen können dabei gelegentlich ganz schön laut werden. Und niemand stößt sich dran. Trau Dich auch Du, Deine Gefühle zu zeigen.
  • Sag Deinen Eltern ganz klar und deutlich, wenn Du gerne alleine mit Mama, Papa oder auch einmal mit beiden gemeinsam ohne Geschwister etwas unternehmen möchtest.
  • Wenn Du Deine/n Schwester/Bruder zum Fressen gerne hast, dann sag ihr/ihm das auch!

 

 


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