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Wie Eltern ihre Kinder in familiären Umbruchssituationen unterstützen können

von Mag. Andrea Füchtner-Hofko

Kinder sind immer von der Trennung oder Scheidung ihrer Eltern schmerzhaft berührt – auch weitere Veränderungen der Familiensituation – Stieffamilie, Patchworkfamilie etc. sind große Herausforderungen für Kinder.
Im folgenden Text soll ein Überblick darüber gegeben werden, wie Eltern ihre Kinder im Scheidungsfall bestmöglich unterstützen können. Auch das Thema Patchworkfamilie mit ihren unterschiedlichsten Anforderungen an Erwachsene und Kinder wird beleuchtet, um Eltern einen Einblick zu geben, was beachtet werden muss, damit Spannungen frühmöglichst erkannt werden bzw. vermindert werden können.
In meiner Arbeit über den Verein Rainbows begleitete und begleite  ich in Kindergruppen viele Kinder, die von Scheidung und Trennung ihrer Eltern betroffen waren bzw.sind. In meiner eigenen Praxis habe ich eine Menge mit Menschen zu tun, die in Trennungs- bzw. Veränderungsphasen lebten und leben.
Wie emotional diese Übergänge im einzelnen  – von Eltern und Kindern – empfunden werden, kann keine Statistik zeigen, wohl aber beweisen, dass es sich nicht um Randprobleme der Gesellschaft handelt.  Im Jahre 2014 wurden in Österreich 16647 Ehen einvernehmlich geschieden, 12646 Kinder sind von diesen Trennungen betroffen – eine beachtliche Anzahl also.
 „Eltern dürfen nicht darauf hoffen, dass Kinder die Scheidung und Trennung ohne massive Reaktion hinnehmen könnten. Gesunde Kinder müssen darauf reagieren!“ (Figdor)
Kinder, die nicht reagieren, haben die gleichen Gefühlsprobleme, sie zeigen sie nur nicht und müssen ermutigt werden, sie auszudrücken, damit sie nicht „hängenbleiben“.
Eltern leiden in dieser Zeit an dem inneren Konflikt, dass sie einerseits selbst überlastet sind, gefangen im eigenen Gefühlswirrwarr, andererseits haben sie Schuldgefühle den Kindern gegenüber, weil sie merken, dass  sie ihren Kindern mit ihrer Entscheidung  (zur Trennung/Scheidung)  Schmerzen zufügen.
Nebenbei  müssen sie auch noch die oft gravierenden Veränderungen der Lebensumstände bewältigen  (Umzug, Arbeitssuche, ….) . Das bedeutet, dass Eltern oft auch auf Hilfe von außen angewiesen sind, damit sie in dieser Situation die Kraft und Orientierung finden, ihre Kinder bestmöglich zu unterstützen

Wie können aber Eltern ihren Kindern in diesen Umbrüchen helfen?

1) Bei Scheidungen/Trennungen

Das Wichtigste ist, dass die Grundbedürfnisse von Kindern weiter erfüllt werden. 
Seit einigen Jahren ist es für Eltern bei einvernehmlicher Scheidung verpflichtend, ein Zertifikat zu erwerben (§95), das eine Schulung beinhaltet, wie die Reaktionen bei Kindern im Scheidungsprozess sein können. So gibt es in den meisten Familien eine verpflichtende Basisinformation. Die Wirkungen und Verbesserungen, die diese Schulung bewirkt , muss erst noch untersucht  werden. 
Problematischer ist es natürlich bei strittigen Scheidungen, wo die Probleme der Kinder durch das höhere Konfliktniveau sicher größer sind.
Fakt ist: Kinder reagieren auf die Trennung der Eltern mit eine Mischung aus TRAUER-WUT-ANGST-SCHAM –SCHULDGEFÜHL.
Je nach Alter unterscheiden sich die Hilfen, die Eltern Kindern geben können:

1.1. )  0-3 Jahre

REAKTION: Kinder reagieren über die familiäre Atmosphäre mit  Regression, Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Unruhe, Weinen…
UNTERSTÜTZUNG: Tagesablauf beibehalten, Kontakt zu beiden Elternteilen nach Möglichkeit beibehalten, Ruhe im System (kein Streit neben den Kindern)
Auf längere Frist gesehen ist es natürlich notwendig, dem außerhäusig lebenden Elternteil Einblick zu geben, damit dieser (meist sind es die Männer) auch die Beziehung zum Kind weiter aufbauen kann. Je kleiner Kinder sind, desto schwieriger stellt sich die Beziehungsentwicklung für den außenlebenden ET dar. Hier können Eltern den Kindern langfristig helfen, wenn sie unabhängig von ihren Partnerkonflikten sich gegenseitig auf der Elternebene unterstützen – das gilt natürlich für jede Altersstufe.

1.2.)  3-6 Jahre

REAKTION: Trennungs- und Verlustängste, Schuldgefühle, Trauer, Wut  
UNTERSTÜTZUNG: Kinder brauchen  von Beginn an Klarheit darüber, wer auszieht und wie es weitergehen wird. Sie müssen wissen, wann sie den anderen ET wieder sehen können (abgestrichene Tage im Kalender helfen ihnen, Zeitstruktur zu entwickeln). Darüber hinaus können Eltern ihre Kinder bestmöglich unterstützen, wenn sie neben dem beibehaltenen Tagesablauf auch  Rituale, Spiel und Spaß in der Familie pflegen. 

1.3.)  6-10 Jahre

REAKTION:  ganze Palette der Gefühlsreaktionen finden wir in dieser Altersgruppe ausgeprägt. Dazu kommt noch eine Verantwortungsübernahme für die „armen“ Elternteile, auch Scham ist oft vorhanden.
UNTERSTÜTZUNG: Hier gilt das, was in der vorigen Altersstufe geschrieben wurde. Weiters sind aber auch schon Freunde wichtiger:  Kontakte beibehalten, Gefühlsausdruck anregen und erlauben, und die Gefühle der Kinder aushalten, sie nicht ausreden wollen .  
Es ist gerade in diesen Situationen wichtig, von der Scheidung unbeteiligte und unparteiische Bezugspersonen zu nützen, die für  Kinder  in dieser Situation ein Hafen bei Problemen sein können.
Kinder können aber auch in einer Scheidungsgruppe unterstützt werden, wo andere von Scheidung betroffene Kinder anzutreffen sind.
Da sich Kinder oft auch  schuldig an der Trennung fühlen, ist es für sie sehr hilfreich, wenn sie von den Eltern hier entlastet werden (verbal die Verantwortung auf sich nehmen)

1.4.)  10-14 Jahre

REAKTION: Überlastung durch Verantwortungsübernahme für abwesendem ET, Rückzug aus der Familie (Peergruppe) oder gänzlicher Rückzug. Pubertäre Entwicklung kann sehr schwierig  sein mit dem Hintergrund einer Scheidungsproblematik
UNTERSTÜTZUNG:  Es muss ein Ausgleich  gefunden werden zwischen Ablösungsversuchen  und Bindung. Entlastung aus der Verantwortung – Kind auch noch als Kind sehen –  bzw. das Kind in den neuen 2 Heimen (Papazuhause und Mamazuhause) noch ankern zu lassen, indem sie in den Alltag eingebunden werden.  Das Nähebedürfnis darf nicht unterschätzt werden. Mit Kindern viel über ihre Gefühle sprechen. Dabei dürfen Elternteile auch ihre Gefühle sagen, sollen das Kind aber nie überfordern: Gemeinsames Trauern über das Verlorene ist gut, das Kind als Partner für eigene Bedürfnisse zu nützen ist sehr belastend für das Kind –daher: Eltern sollen Freundinnen, Freunde, Eltern, sowie auch neutrale Beratungsmöglichkeiten nützen, um ihre eigenen Gefühle weiterzubringen!

1.5.) 14 und älter

REAKTION: häufig aprupte Ablösung vom Elternhaus (oft mit auffälligem Verhalten außerhalb), oft auch übergroße Verantwortungsübernahme (Mamas beste Verbündete, Papas Ersatz für Mama)
UNTERSTÜTZUNG: Gespräche anbieten, ehrlichen und offenen Kontakt halten, auch noch gemeinschaftlich Unternehmungen versuchen, nicht einbinden in Partnerkonflikt! Entlasten. Kinder aber auch loslassen –die Peergruppe ist sehr wichtig für diese Altersstufe – trotzdem soll den Kindern aber auch regelmäßig Angebote gemacht werden, die ihnen die Geborgenheit zuhause vermitteln können.
Das schwierigste Thema aber sind die Loyalitätskonflikte, die fast alle Altersstufen betreffen. Jede Entscheidung, die das Kind gegen einen und für den anderen Elternteil treffen muss, belastet das Kind und kann es sich schuldig fühlen lassen.
Je strittiger die Positionen der Eltern, desto stärker kommen diese Loyalitätskonflikte ins Spiel. Eltern können hier unterstützen, indem sie die Paarebene klar von der Elternebene trennen und den Kindern wissen und spüren lassen, dass es auch den anderen Elternteil lieben darf!
Und Eltern sollen bedenken, dass das Kind angewiesen ist, dass es auch in diesen schwierigen Zeiten wahrgenommen und ernstgenommen wird.

2) Beim Übergang in Stief- und Patchworkfamilien:  

Sind familiäre Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft-eine Chance, in einer Gesellschaft mit hoher Scheidungsrate  –  dass es nach Trennungen und Scheidungen auch wieder eine Korrektur geben kann, um in einem Familienverband zu leben.
Patchwork-bzw.Stieffamilien sind oft hochkomplizierte Systeme, in denen die einzelnen Mitglieder sich durch unterschiedlichste Herkunftssituationen und Erwartungshaltungen unterscheiden.
Basis ist die Trennungs- und Scheidungsfamilie  mit ihren verbliebenen Konflikten, Spannungen und emotionalen Ungeklärtheiten.
Gleichzeitig sind die Erwartungen der Erwachsenen meist besonders hoch. Diesmal soll es doch gelingen. Je rascher die einzelnen Veränderungen vor sich gehen, desto wahrscheinlicher ist es, wieder zu scheitern.  So zeigt  sich eine Scheidungsrate von Zweitehen noch höher.(ca.50%)
Grund  für die höhere Instabilität:

  • Altlasten aus Erstehen
  • Zu hohe Erwartungen
  • Patchworkfamilie braucht  eine höhere Konfliktfähigkeit und Kommunikationsbereitschaft 

Was können Eltern und Stiefelternteile nun konkret tun:

Kinder aus Trennungsfamilien möchten häufig, dass alles so wird, wie es mal war  (Ursprungsfamilie) – oder jetzt ist (Nachscheidungsfamilie). Die wenigsten Kinder sind sofort offen für  Stiefelternteile.
Stiefelternteile  werden eher angenommen:

  • Wenn sie den Kindern Zeit lassen, auf sie zuzugehen
  • Wenn sie die Beziehung zum Elternteil nicht stören (nicht zu besitzergreifend sind – und der leibliche ET auch Zeit alleine mit dem Kind verbringt)
  • Wenn sie echtes Interesse am Kind zeigen
  • Wenn sie den außerhäusigen Elternteil nicht schlechtmachen
  • Wenn sie gemeinsame Unternehmungen mitmachen
  • Wenn sie die Haupterziehungsverantortung beim ET  lassen (die anderen Teile ev.gemeinsam aushandeln unter Respekt des Familienlebens, das vorher schon abgelaufen ist) 

So kann sich in einigen Jahren ein Familiengefüge entwickeln, das von den Kindern wieder als Nest empfunden werden kann und den Eltern wieder das Gefühl gibt, gute Eltern zu sein.
Dagegen stehen oft: 

  • Restkonflikte aus der vorherigen Partnerschaft
  • Eifersucht auf Stiefgeschwister
  • Eifersucht auf den neuen Partner/die neue Partnerin
  • Zu schnelles Vorgehen ohne Einbindung der Kinder
  • Übersehen der kindlichen Bedürfnisse
  • uam.

Das gemeinsame Kind – das alles wieder heil machen soll:

Das Konzept DEINE-MEINE-UNSERE ist eine große Herausforderung und bedarf vieler Bemühungen, guter Kommunikationsstrukturen, gutes Konfliktmanagement  und Erwachsene,die jenseits ihrer eigenen Träume und Wünsche auch die Bedürfnisse des Partners und der Kinder nicht übersehen.
Das gemeinsame Kind bringt einerseits eine gemeinsame Freude in die Familie – und kann auch vereinen – bringt aber auch viele Konfliktmöglichkeiten mit sich: für die Halbgeschwister, aber auch oft Emotionen zwischen den früheren Partnern… – offene Konflikte werden häufig wieder aktiviert.
Die Fähigkeit des Einzelnen  mit eigenen Bedürfnissen zurückzutreten  ist in diesem Sozialsystem  häufiger notwendig.. Die Entstehung von einem gelungenen Patchworkfamiliensystem verläuft in Phasen ab, nie aber ohne Krisen! Zeit zur Veränderung hilft oft.
Auch die Bereitschaft, sich mit Literatur über Patchworkfamilien auseinanderzusetzen oder fachliche Beratungen in Anspruch zu nehmen kann sehr lohnend sein.
Es dauert ca.5 Jahre Zeit, dass eine Patchworkfamilie eine für alle gefühlte Familie werden kann. Das Wissen, dass das keine so einfache Aufgabe ist, erleichtert es den betroffenen Elternteilen , diese Geduld auch aufzubringen. Eine lohnende Aufgabe für die Erwachsenen  und vor allem für die Kinder.
Eine häufige  Aussage von Kindern „Wir haben als Scheidungskinder zwar viele Nachteile, aber wir können öfter Weihnachten feiern und bekommen mehr Packerl als die anderen!“   Was für manche als Ablenkungsschauplatz erscheint, zeigt  auch, wie sehr Kinder daran  arbeiten, mit ihrer Situation klarzukommen und auch wieder nach vorne zu schauen.
Dort, wo wir Kinder erreichen können und sie sich nicht alleingelassen fühlen, lassen sich auch fast immer gemeinsame Lösungen finden, die Kindern weiterhelfen. Und darin sollen Eltern bestärkt werden, damit sie es sich zutrauen, ihren Kinder in Umbruchsphasen helfen zu können!


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