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Sind neue Väter im Kommen? – Über Vaterschaft zwischen Wunsch und Anspruch

Klepp: Die Entwicklungen passieren sehr langsam, aber sie finden statt.Werte und Einstellungen sind der Realität oft weit voraus. Es stellt sich auch die Frage, was die Realität begründet, was die Voraussetzungen für diese Entwicklung sind. Sehr stark bestimmen die Rahmenbedingungen die Form der Vater- und Mutterschaft. Auch unsere Studien im Rahmen der Evaluierung des Kinderbetreuungsgeldes haben gezeigt, dass es überwiegend sachliche Gründe sind, die dafür sprechen, dass man den traditionellen Weg wählt. Das hat damit zu tun, dass Männer nach wie vor ein weitaus besseres Einkommen haben als Frauen. Trotzdem gibt es eine kleine Gruppe wie die Karenzväter, die das Konzept des „neuen Vaters“ tatsächlich aktiv umsetzen. Aber sie sehen sich mit einer Reihe von Widrigkeiten konfrontiert. Ich würde schon sagen, es gibt eine Tendenz in Richtung „neue Väter“, aber das bedeutet nicht automatisch, dass alle Väter genau in diese Richtung gehen. Sind alleinerziehende Väter, die allein für die Versorgung und Betreuung der Kinder verantwortlich sind, automatisch „neue Väter“?Klepp: Nicht automatisch, aber jene zwölf Väter, die ich im Rahmen der Studie über alleinerziehende Väter interviewt habe, fühlen sich tatsächlich für alle Bereiche der Betreuung, Versorgung und Erziehung ihrer Kinder hauptsächlich bis allein verantwortlich. Diese würde ich als „neue Väter“ bezeichnen. Genauso wie bei alleinerziehenden Müttern existiert ein breites Spektrum an Strategien, um den Alltag zu bewältigen. Es gibt genauso Väter wie Mütter, die eher beruflich orientiert sind und die Kinder betreuen lassen, und genauso welche, die sich komplett auf Haushalt und Kinder konzentrieren und den Beruf zumindest für eine gewisse Zeitspanne hintanstellen.

Kann man sagen, dass die „neuen Väter“ in die Mutterrolle
schlüpfen oder gibt es da schon Unterschiede?

Klepp: Das ist eine spannende Frage, die sich nicht so leicht beantworten lässt, weil gerade der Begriff Mutter sehr stark ideologisch besetzt ist. Ich gehe davon aus, dass ein Kind immer die gleichen Bedürfnisse hat, egal von wem es betreut wird. Das bedeutet, dass die verantwortliche Person verschiedene Funktionen erfüllen muss, die vor allem im Zusammenhang mit der Betreuung und Versorgung von Kleinkindern als mütterlich definiert werden. Es geht um die Übernahme der Funktion als Bezugsperson für das Kind. Dies beinhaltet „Beziehung“, die sich aus der Übernahme von Verantwortung und dem Prozess der intensiven Auseinandersetzung mit dem Kind ergibt. Und das erfordert Zeit und Zuwendung. Die damit verbundenen Tätigkeiten sind nicht schwierig und erlernbar. Übrigens müssen auch Mütter diese erlernen. Aus meiner Sicht sollten diese Tätigkeiten und Funktionen von dem Begriff der „Mütterlichkeit“ befreit werden. Das würde die Gestaltung der Vater-Kind-Beziehung für „neue Väter“ erleichtern.

Welches Bild haben „neue Väter“ von sich selbst?

Klepp:Wenn man vom Selbstbild „neuer Väter“ ausgeht, die sich verstärkt mit ihren Kindern beschäftigen, diese versorgen und betreuen, dann ist schon ein starker Unterschied zu „herkömmlichen“ Vätern zu bemerken. Sowohl alleinerziehende Väter als auch Karenzväter geben an, sich mehr oder minder stark von anderen Vätern zu unterscheiden. Alleinerziehende Väter fühlen sich in der Gestaltung und Ausübung ihrer Rolle alleinerziehenden Müttern näher als den „Normalvätern“. Und die „neuen Väter“ in Gestalt der Karenzväter können sich nicht mit Vätern identifizieren, die hauptsächlich ihrer Ernährerrolle nachkommen.
Väter, die in Karenz gehen, sehen sich für zumindest eine begrenzte Zeit in einem Sonderstatus. Es kommt oft vor, dass ein Karenzvater die Vorreiterrolle einnehmen muss, also der erste Mann in einem Betrieb ist, der in Väterkarenz geht. Die „neuen Väter“ haben oft das Problem, dass es ihnen an praktischen Rollenvorbildern mangelt oder völlig fehlt. Sie müssen sich ihre Vaterrolle eigenständig ausgestalten.

Wie werden neue, aktive Väter von der Gesellschaft wahrgenommen?

Klepp: Aus der Umwelt erfahren sie unterschiedliche, oft ambivalente Reaktionen, welche im Wesentlichen durch Bewunderung und Skepsis gekennzeichnet sind. Dies beinhaltet aus meiner Sicht die Freude darüber, dass ein Vater sich dem Kind so stark zuwendet, andererseits aber auch das mangelnde Ver trauen in Bezug auf seine Kompetenzen. Dies macht es auch erklärbar, warum ein Vater mit dem Baby im Tragetuch Verzücken hervorruft.

Wenn er aber sagt, dass dies nicht nur ein Ausflug ist, sondern seine derzeitige Hauptbeschäftigung, dann brechen Verunsicherung oder Skepsis aus. Väter nehmen diese Reaktionen der Umwelt sehr stark wahr.Wie sie damit umgehen, hängt von ihrem Selbstwert ab.

Wie kommt es zu der Entscheidung einer aktiven Vaterschaft und welche Rolle spielen die Kindesmütter dabei?

Klepp: Hier zeigt sich sowohl bei Karenzvätern als auch bei alleinerziehenden Vätern, dass es eine sehr günstige Vorraussetzung ist, wenn die Kindesmutter ihre Einwilligung zum Engagement des Vaters gibt oder vielleicht sogar die treibende Kraft ist. Es bedarf offensichtlich der nach wie vor seltenen Kombination einer sich zurücknehmenden oder verschwindenden Mutter und eines sehr engagierten, die Sorge übernehmen wollenden Vaters. Nur dann ist es dem Vater gesellschaftlich und auch rechtlich möglich, diese Verantwortung zu übernehmen.

Was fördert darüber hinaus „neue Vaterschaft“?

Klepp: Plakativ gesagt: Das zur Verfügung Stellen von Zeit und Geld dafür. Nach wie vor wirkt die vorhandene Einkommensschere zwischen den Geschlechtern als eine der massivsten Hemmfaktoren für Väter, sich aktiv an der Betreuung der Kinder zu beteiligen, und für Frauen, diese aktive Rolle den Männern auch zuzugestehen.

Mag. Doris Klepp, Psychologin am Österreichischen

Institut für Familienforschung
Tel: +43-1-5351454-28
E-Mail: doris.klepp@oif.ac.at

Das Gespräch führte Christina Luef

(Quelle: beziehungsweise 14-06, Informationsdienst des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF).

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