Genau so wie das Kind gefordert ist, diese Übergangssituation vom Kindergarten in die Schule zu meistern, entsteht auch für die Eltern eine Übergangssituation. Sie werden von Eltern eines Kindergartenkindes zu Eltern eines Schulkindes und damit verbunden entwickeln sich Fragen, Unsicherheiten und auch neue Aufgaben als Eltern. Eine wesentliche Rolle dabei spielen auch die eigenen Erfahrungen, die in Übergangssituationen gemacht wurden (siehe oben) und die nun den Umgang des Erwachsenen damit prägen.
Für Eltern entsteht eine doppelte Herausforderung: Sie müssen Begleiter des Kindes sein, haben aber gleichzeitig selbst eine Übergangssituation zu meistern.
Viele Fragen können auftauchen und verlangen nach Antworten wie z.B.:
- Wie finde ich die richtige Schule für mein Kind?
- Wie wird mein Kind während meiner Berufstätigkeit am Nachmittag betreut?
- Welchen Schulweg kann ich meinem Kind zumuten?
- Wird mein Kind den Anforderungen in der Schule gerecht?
- Was wird von meinem Kind erwartet?
- Habe ich mein Kind gut auf diese Veränderungen vorbereitet?
- Hat der Kindergarten gute Vorschularbeit geleistet?
- Wird mein Kind Kontakt zu den anderen Kindern finden?
- Wird sich mein Kind behaupten können?
- Wird sich mein Kind von mir trennen können?
- Wird der/die LehrerIn mein Kind mögen?
- Wird mein Kind die/den LehrerIn mögen?
- Werde ich Kontakte zu anderen Eltern finden?
- Werden wir als Familie mit den zeitlichen Anforderung zurecht kommen?
- Werden wir unser Familienleben mit dem Schule – Ferien Rhythmus vereinbaren können?
- Werden wir es schaffen, um 8 Uhr in der Schule zu sein?
- Werden wir zu Hause mit den Hausübungen klar kommen?
- Habe ich genug Zeit, mein Kind dabei zu begleiten?
- Wie kann ich darauf achten, allen meinen Kindern die nötige Aufmerksamkeit zu schenken?
- Wie kann ich mit meinen Gefühlen (Stolz, Trauer, Freude, Angst,…) umgehen, sodass diese mein Kind nicht belasten?
- Wer beantwortet mir in der Schule meine Fragen?
- Kann ich mich vertrauensvoll an die/den LerherIn wenden, oder wirft es ein schlechtes Licht auf mein Kind, wenn ich so viele Fragen habe?
- Darf ich mir meine Unsicherheit anmerken lassen?
- Wie gehe ich damit um, wenn der andere Elternteil des Kindes manches anders sieht?
- und viele andere
Was kann Eltern unterstützen?
Die erste und sehr wichtige Erkenntnis ist die, dass auftauchende Fragen und Unsicherheiten ganz normal sind und ein Beweis dafür, dass das Kind in der Bewältigung seiner Übergangssituation von den Eltern begleitet wird. Fragen und Unsicherheiten ergeben sich nur dann, wenn Eltern ihre Rolle in der oben beschriebenen gemeinsamen Begleitung des Kindes (Co-Konstruktion) aktiv an- und wahrnehmen.
Der zweite wichtige Aspekt ist das Wissen darum, dass wir als Erwachsene für das Kind eine wichtige Identifikationsfigur sind und je mehr Respekt oder vielleicht sogar Angst wir vor dieser Veränderung haben, sich dies auch auf das Kind auswirken kann. Damit wird auch deutlich, dass es darum gehen muss, sich diesen Fragen zu stellen und damit umzugehen und sie nicht vor sich herzuschieben oder zu verdrängen. Denn Kinder haben ein sehr feines Sensorium dafür, wenn wir als Erwachsene versuchen, uns etwas nicht anmerken zu lassen. Und für Kinder kann es auch sehr bestärkend sein zu merken, dass auch Mama und Papa nicht immer sofort auf alle Fragen Antworten parat haben. Außerdem erleben sie im Moment in Bezug auf den Einstieg in die Schule vielleicht gerade bei sich selbst Unsicherheiten und Fragen. Wichtig dabei ist vor allem, mit dem Kind in Kontakt zu bleiben und sich nötigenfalls gemeinsam auf die Suche nach Antworten oder Lösungen zu machen.
Daher ist der dritte und wesentlichste Aspekt, sich als Mutter oder Vater diesen Fragen zu stellen und sich auf die Suche nach Antwortmöglichkeiten zu machen und damit Sicherheit zu gewinnen. AnsprechpartnerInnen sind KindergartenpädagogInnen und LehrerInnen in ihrer ModeratorInnenrolle. Sie sind meist die ersten, wenn es um konkrete Fragen zum Kind, zur kindlichen Entwicklung und zu Abläufen und organisatorischen Fragen geht. Bei individuell auftauchenden Unsicherheiten, Zweifeln oder Fragen ist der Austausch mit anderen Eltern eine wesentliche Unterstützung. Die Erfahrungen, die andere Familien beim Wechsel von der Kinderbetreuungseinrichtung in die Schule gemacht haben, können sehr hilfreich sein und zeigen vor allem, dass alle auftauchenden Fragestellungen auch viele anderen betreffen oder betroffen haben. Nicht zuletzt sind Elternbildungsveranstaltungen die sich dem Thema „Schuleinstieg“ widmen immer wieder unterstützend. Sie informieren über die Veränderungen, die das Vorschulalter mit sich bringt und bieten in einem geschützten Rahmen die Möglichkeit zum Austausch und zur Entwicklung konkreter Handlungsschritte für die individuelle Familiensituation.