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Einschlafen und Durchschlafen im Babyalter

von Christine Kügerl

Die innere Uhr
Jeder Mensch hat einen zirkadianen Rhythmus (Winfree) nach dem die verschiedensten Körperfunktionen ablaufen. Das Schlafen und Wachen gehören auch zu diesen Körperfunktionen. Zirkadian kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus circa ( = ungefähr) und dies (= Tag) zusammen. Dies bedeutet, dass wir Menschen einen inneren Tagesrhythmus haben, der nur ungefähr mit dem naturgegebenen 24 Stunden-Tag übereinstimmt. In den ersten zwei Lebensjahren wird zunehmend ersichtlich, wie dieser Rhythmus beim eigenen Kind eingestellt ist, wie seine innere Uhr geht. Bei manchen Menschen und daher auch bei Babys ist diese innere Uhr mit dem äußeren 24 Stunden-Rhythmus identisch. Diese Babys sind sehr pünktlich, wenn es ums Schlafen oder Essen geht. Sie finden ihren Rhythmus meist ohne viel Zutun der Eltern.

Der größte Teil der Menschen gehört jedoch zu den sogenannten Abendtypen bzw. Morgenmuffel. Ihre innere Uhr geht langsamer. Sie haben einen längeren zirkadianen Rhythmus als 24 Stunden. Dadurch sind sie am Abend immer noch munter und könnten noch länger aufbleiben, am Morgen jedoch kommen sie schwer aus dem Bett und brauchen eine Zeit, bis sie in Schwung kommen. Auch bei Babys und vor allem bei Kleinkindern ist dieser Rhythmus bereits sichtbar. Diese Babys finden am Abend schwerer in den Schlaf, und haben unregelmäßigere Zeiten beim Essen usw. Wenn man sie nur nach dem eigenen Rhythmus lässt, verschieben sie alle Zeiten ständig etwas nach vorne. Sie brauchen nach der ersten Kennenlernzeit von ca. 3 Monaten die Eltern als äußere Zeitgeber, um ihre innere Uhr mit unserem von der Natur vorgegebenen 24 Stunden-Rhythmus abzustimmen.

Ein wiederum kleiner Teil der Menschen und somit auch der Babys hat einen kürzeren zirkadianen Rhythmus. Dies sind die Morgenmenschen oder Frühaufsteher. Diese Babys schlafen am Abend früh ein und lassen sich leicht zur Ruhe bringen. Sie sind jedoch oft auch sehr früh wieder wach und meinen, der Tag hat schon längst begonnen. Babys sind also unterschiedlich, manche finden ihren Tagesrhythmus ab ca. 3 Monaten ganz von selbst. Sie werden von den Eltern meist als sehr pflegeleichte Babys beschrieben. Andere wiederum sind auf die Unterstützung ihrer Eltern durch eine regelmäßige Tagesstruktur angewiesen, um einen Rhythmus für Schlafen, Essen, usw. zu finden.

Viel-Schläfer und Wenig-Schläfer gibt es von Geburt an
Der Schlafbedarf steht nicht in Zusammenhang mit dem zirkadianen Rhythmus. Beim Baby verändert sich der Schlafbedarf im ersten Lebensjahr von 12 bis18 Stunden mit drei Monaten auf 12, bis 16 ½ Stunden mit einem Jahr. Babys schlafen also unterschiedlich lang und reduzieren zusätzlich ihren Schlafbedarf im Laufe des ersten Lebensjahres. Ob ein Baby genug Schlaf bekommt, kann man feststellen, wenn man es im Wachzustand beobachtet. Ausgeschlafene Babys sind zufrieden und interessieren sich je nach Alter für ihre Umgebung.

Durchschlafen
Die Fähigkeit durchzuschlafen hängt mit der Gehirnentwicklung zusammen. 70% der Babys können ab 3 Monaten bis zu 5 Stunden in der Nacht an einem Stück schlafen (Moore 1957). Dies heißt, dass sie das kurze Aufwachen nach ca. einer Stunde nicht bemerken oder zumindest ohne zusätzliche Unterstützung schnell wieder in den Schlaf finden. Weitere 13% schaffen das mit ca. 6 Monaten. 10% der Babys brauchen jedoch im gesamten ersten Lebensjahr Hilfe zum Weiterschlafen. Vom Durchschlafen spricht man im ersten Lebensjahr, wenn das Kind 6 Stunden am Stück schläft.

Ein Durchschlafen über 10 bis 12 Stunden, wie sich das viele Eltern vorstellen, ist für Babys im ersten Lebensjahr noch nicht möglich. Zwischen 6 und 12 Monaten wachen jedoch Babys, die vorher bereits durchgeschlafen haben, zeitweise wieder auf. Häufige Ursachen sind: verringerter Schlafbedarf, Zahn- oder Ohrenschmerzen, Kranksein. Auch ein Entwicklungsschub kann Babys ebenfalls so in Beschlag nehmen, dass sie wieder vermehrt Unterstützung (z.B. mehr Geborgenheit) zum Weiterschlafen brauchen. Im zweiten Halbjahr spielen Hunger oder Durst nur mehr selten eine Rolle beim nächtlichen Erwachen. Es gibt daher viele Gründe, warum ein Baby in der Nacht wach wird und Hilfe zum Weiterschlafen braucht.

Selbstberuhigungsmöglichkeiten von Babys
Babys haben von Anfang an, Fähigkeiten sich selbst zu beruhigen. Dieser Bereich der sogenannten Selbstregulation ist anfangs mit Saugen am eigenen Händchen oder Sich-Rekeln noch sehr gering. Das Baby entwickelt sich ständig weiter und so nimmt auch seine Fähigkeit zu, sich zu beruhigen und wieder in den Schlaf zu finden. Manche raunzen oder quengeln ein wenig vor sich hin, schlafen, dann jedoch sofort weiter. Andere beruhigen sich mit Hilfe eines Schnullers, andere schaukeln etwas mit dem Kopf oder halten ein Schmusetierchen ganz fest. Die Bandbreite der Selbstberuhigungsmöglichkeiten nimmt mit zunehmendem Alter der Babys zu und sollte von den Eltern wahrgenommen und unterstützt werden.

Eine Selbstberuhigungsmöglichkeit ist sich rhythmisch zu bewegen, eine Art sich selber schaukeln. Mehr als 50% der Babys zwischen 6 und 12 Monaten schaukeln beim Einschlafen oder auch zeitweise tagsüber mit dem Körper, wackeln mit dem Kopf oder machen andere rhythmische Bewegungen. Wenn es dem Baby sonst gut geht und es im Wachzustand ausgeglichen und interessiert ist, scheint dies der Spannungsbeseitigung und Beruhigung zu dienen und ist kein Zeichen von innerer Verlassenheit. Es hört im zweiten Lebensjahr meist von selbst auf. Wenn das Baby jedoch Belastungen erlebt hat, oder auch sonst verändert ist, sollte der Kinderarzt angefragt werden.

Entwicklung von Gewohnheiten
Mit der zunehmenden Gehirnentwicklung können Babys ab ca. 5 Monaten langsam Muster erkennen. Damit entwickelt sich eine gewisse Merkfähigkeit und damit verbunden eine Erwartungshaltung. Das Baby lernt also gewisse Handlungen mit einem bestimmten nachfolgenden Ereignis zu verbinden. Dies sind Voraussetzungen, die dem Baby helfen, sich an manche Dinge zu gewöhnen und auch selbst Gewohnheiten zu entwickeln. Ab diesem Zeitpunkt kann man ein Baby an Abläufe gewöhnen (vorausgesetzt man überfordert es nicht) und somit auch verwöhnen.

Ein Kind verwöhnen heißt, ihm ständig etwas abnehmen, was es selber bereits kann. Eltern die ihr Kind verwöhnen, gehen also an den wirklichen Bedürfnissen ihres Kindes vorbei.

Positive Gewohnheiten wie z.B. immer dasselbe kurze Einschlafritual, geben dem Baby Orientierung und Sicherheit und unterstützen so das ruhige Einschlafen.

Schlafen am Tag
Der Tagschlaf von Babys verändert sich im Laufe des ersten Jahres ebenfalls. Beträgt er mit 3 Monaten noch 3 bis 6 Stunden, so schlafen Babys mit 12 Monaten am Tag nur mehr eine ½ bis 3 Stunden. Sie teilen diese Zeit anfangs meistens in drei, später in zwei Portionen auf. Zwischen 10 und 18 Monaten stellen die meisten Kinder ihre Tagschlafzeiten auf einen Mittagsschlaf um. Der Schlafbedarf eines Kindes ist eine feste Größe. Das heißt, wenn ein Kind tagsüber viel schläft, schläft es nachts umso weniger und umgekehrt (Largo).

Was hilft Babys beim „Schlafen lernen“
Viele Kinder finden in den ersten 3 bis 4 Monaten ihren Schlaf-Wach-Rhythmus und schlafen in der Nacht mehr und auch einige Stunden durch und am Tag weniger. Sie zeigen deutlich, wenn sie müde werden und schlafen leicht ein.

Wenn Eltern jedoch z.B. ein Abendkind haben, das mit 7 Monaten immer noch sehr unregelmäßig lebt, so braucht es Hilfe um einen Rhythmus entwickeln zu können. Ein regelmäßiger Tagesablauf, wo zu ähnlichen Zeiten aufgestanden, gegessen und schlafen gegangen wird, ist für diese Kinder wichtig.

Besonderes Augenmerk gilt dem Einschlafritual. Darunter versteht man die Aktivitäten, die sich vor dem Einschlafen des Kindes abspielen. Das Einschlafritual bestimmt den Verlauf des Abends und auch der anschließenden Nacht. Die letzte Stunde vor dem Einschlafen sollte möglichst ruhig und stressfrei gestaltet werden. Wenn Eltern ihr Baby schon ein wenig kennen, können sie ein passendes Einschlafritual anbahnen und schauen, ob es für ihr Kind passt. Ab 5 Monate, ist es bereits sehr sinnvoll, ein regelmäßiges Einschlafritual, das Ruhe und Geborgenheit vermittelt und das Kind auf den Schlaf einstimmt, zu gestalten. Die Dauer richtet sich nach der Zeit, die das Baby braucht, um zur Ruhe zu finden. Es sollte jedoch nicht länger als 30 Minuten sein. Durch den täglich gleichbleibenden Ablauf, von z.B. Abendmahlzeit, Schlafanzug anziehen, mit Papa noch etwas ruhig plaudern, ins Bettchen gebracht werden, Schlafliedchen und Gute-Nachtgruß, wird das Baby auf den Schlaf eingestimmt. Ein entspannendes Bad tut oft auch gut, manche Babys macht es jedoch munter.

Ein passendes Kuscheltier, eine Stoffwindel oder ein anderer, für das Baby geeigneter Gegenstand kann das Einschlafen erleichtern und sollte dem Kind zur Verfügung gestellt werden. Am Schluss sollten die Eltern nicht fluchtartig den Raum verlassen, sondern einen sanften Abgang wählen. Ein klarer, immer wiederkehrender Ablauf gibt dem Baby ein Gefühl von Sicherheit.

Im zweiten Lebenshalbjahr können Eltern auch darauf achten, dass die letzte Mahlzeit zumindest 30 min vor dem Einschlafen ist. Dann gehört das Stillen oder Trinken aus der Flasche nicht mehr direkt zum Einschlafen dazu, und die Babys vermissen es in der Nacht nicht. Zwischen Einschlafen und Durchschlafen besteht ein direkter Zusammenhang. Daher zahlt sich die entsprechende Sorgfalt beim Einschlafritual immer aus. Was dem Baby beim Einschlafen Geborgenheit vermittelt, danach verlangt es auch in der Nacht, wenn es Unterstützung zum Weiterschlafen braucht.

Wenn man mit dem Baby auswärts übernachtet, sollte möglichst viel Vertrautes mitgenommen werden.

Jedes Baby hat seine individuelle Schlafentwicklung und braucht seine Zeit um gut Ein- und Durchschlafen zu können. Eltern helfen ihm dabei mit Gelassenheit und Geduld. Wenn es jedoch zu unverständlichen Schlafproblemen oder zu Überforderung kommt, dann sollten sich Eltern in einer Beratungsstelle Hilfe holen.


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