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Eltern-Kind-Beziehung in der Pubertät

von Mag. Petra Pöschl-Lubei

„…und du warst so ein süßes Kind…“ lautet ein Songtext, der inhaltlich den Verfall der Jugend kolportiert und zwar damit, dass ein junger Mensch nicht den Berufswunsch der Eltern respektiere, sich nicht ordnungsgemäß kleide, immer lärmende Musik höre und mit Freunden „herumhänge“ die nichts wert wären.

„Stütz mich, aber halt` mich nicht fest!“

Wie es scheint, haben die Eltern auf diesen jungen Menschen keinerlei Einfluss mehr und befürchten für ihren „Liebling“ das Schlimmste.  Biographien, Literatur und persönliche
Erfahrungen zeigen tatsächlich Veränderungen in den Jahren zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr, vor allem in der Beziehung und im gegenseitigen Kontakt zwischen Eltern und Kind. Kinder wachsen zu Teenagern und zu jungen Erwachsenen heran, die selbständig im Leben zurechtkommen müssen und dies im optimalen Falle auch meistern. Dies bedeutet aber auch, sie müssen Dinge loslassen und Situationen und Lebensweisen ändern, die sie auf diesem Wege in die Selbständigkeit hindern und bremsen könnten. Sie müssen offen sein für den Aufbau neuer Beziehungen. Dies erfordert oft sehr viel Energie, gute alte Gewohnheiten aufzugeben. Doch die Natur unterstützt die jungen Menschen in dieser Phase dadurch, dass Gehirnentwicklung und Aktivitäten im hormonellen Haushalt es den Adoleszenten leichter macht, zu einer gefestigten Persönlichkeit heranzureifen, die damit zu kämpfen hat, die vermittelten Werte einer Familie in Frage und das gesamte Beziehungsgefüge auf den Kopf zu stellen.
Für Eltern bedeutet das, dass sie zum Reibebaum, welcher eine belastbare Rinde hat, werden. Die Nestwärme, die so schön getragen hat, wird durch Reibewärme, die Veränderung zulässt, ersetzt.
An der Grenze des Anderen erkenne ich meine Grenzen. Diese zu testen und auch ab und dann zu überschreiten, zeigt mir meine Möglichkeiten aber auch die Auswirkungen meines Handelns.
Überschritten und getestet wird in diesem Alter viel, vor allem in der Kommunikation stößt man als Elternteil sehr oft an  Grenzen. Hier aber auch besteht die beste Handlungsmöglichkeit von Eltern mit ihren Kindern in Beziehung und Kontakt zu bleiben, trotz turbulenter Zeiten und Anforderungen. Jugendliche wollen nicht, dass wir sie aufgeben. Sie finden nichts schlimmer als wenn Vater und Mutter sich von ihnen abwenden, ihnen vermitteln, wir akzeptieren dich nicht.
Kurt Finger beschrieb es im folgenden Spruch sehr passend:
„Stütz mich, aber halt` mich nicht fest!
Begleite mich, aber nimm dich zurück!
Nimm mich ernst, aber lass` mich probieren!
Streichle mich, aber sei gleichzeitig mein Reibebaum!
Sei immer da, aber tritt wenig in Erscheinung!
Geh` respektvoll mit mir um, aber halt` aus,
dass ich (noch) nicht immer die Grenze weiß!“

Wir müssen loslassen, nicht um die Beziehung zum Kind zu verlieren, sondern um diese zu verändern und zu erneuern (Haug-Schnabel 2008). Die körperliche Nähe fokussiert sich zu einer seelischen, inneren Nähe,  die durch Liebe und Verständnis, aber auch durch Absprachen, Konfliktbereitschaft, Zugeständnissen und Regeln gehalten wird. Signale gegenseitiger Akzeptanz zwischen Erwachsenen und Jugendlichen stehen dabei als wichtiger Pfeiler im Mittelpunkt der Beziehung.

Wie gehen Eltern mit der oftmals schwierigen Gefühlswelt der Pubertierenden um? Was können Eltern in dieser Zeit beitragen?

Jugendliche brauchen engagierte Eltern, die verständnisvoll sein sollen und unterstützend, aber sich auch Fehler erlauben dürfen und somit keinen Anspruch auf Perfektion stellen müssen. Sie sollen bemüht und zugewandt und in ihrer Reaktion voraussehbar und verlässlich sein. Ein ständiger Balanceakt, ein Yin und Yang der Erziehung, zwischen Nähe und Distanz, Zulassen von Eigenverantwortung und Anbieten von Hilfe aber auch Grenzsetzung erfordert gute Nerven, viel Toleranz, Gelassenheit und nicht zu vergessen vor allem Humor.
Die Gefühlswelt unserer Kinder ist in der Pubertät ins Wanken gekommen. Dies bezieht sich nicht nur auf die verschiedenen Beziehungsebenen, es betrifft ebenso das körperliche Erscheinungsbild, das Denken und Auftreten des Jugendlichen. Hier können Eltern ansetzen und  ihre Kinder positiv unterstützen. Dabei von Wünschen für unsere Kinder auszugehen, welche förderlich für die Bewältigung ihres zukünftigen Lebensweges erscheinen, lässt das Bemühen der Eltern in dieser Hinsicht, auch für den Jugendlichen, positiver erscheinen.

Wunsch 1: Ich wünsche Dir Beziehungsfähigkeit

Pubertät heißt vor allem in Beziehung bleiben, auch wenn es nicht immer leicht fällt, da so vieles stört, ärgert, aufregt und provoziert und es scheint, als wollen die Jugendlichen nur weg von den elterlichen Bezugspersonen.
Das Signal: „DU BIST MIR NICHT EGAL“
….vieles was du tust und wie du bist, schätze ich an Dir. Positives hier zu entdecken und dem Kind immer wieder einmal rückzumelden, stärkt. Zur Pflege unserer Beziehungsfähigkeit wurde uns die Möglichkeit der Kommunikation gegeben. Diese zu unterstützen, Raum zu geben, das  der Jugendliche sich anderen mitteilen kann, sagen kann was er oder sie fühlt und denkt, was in ihr/ihm vorgeht, ohne dass ich selber gleich ins „Ratschlagen, Nörgeln oder Predigen“ gehe, sondern durchaus einmal nur zuhöre, stärkt zum Einen, sich in seiner Kommunikationsfähigkeit zu erleben, und zu verstehen, Gemeinsamkeiten zu finden, Freundschaften zu knüpfen und zu reflektieren aber auch Konflikte zu regeln, indem ich Argumente finden muss, meinen Standpunkt zu vertreten.

Wunsch 2: Ich wünsche Dir ein gutes Selbstmanagement, Eigenverantwortlichkeit und Selbstwirksamkeit

Zu diesem Wunschbereich gehört das Gefühl mich in meinem eigenen Körper zu Hause zu fühlen, ein gewisses Gesundheitsbewusstsein zu haben, meine Bedürfnisse zu kennen und zu benennen, ebenso das Gefühl gesehen zu werden und Anerkennung zu erfahren aber auch im wirtschaftlichen Sinn mich einmal selbst versorgen zu können und auch Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen.
Eltern stärken, indem sie dem Kind ab und zu für sein Äußeres ehrliche Komplemente machen. „Die Frisur passt dir wirklich gut“ – „Eine sehr geschmackvolle Hose die du gekauft hast“ usw. Jugendliche sind in dieser Zeit ohnehin schon sehr unsicher im „Reinwachsen“ in ihren „neuen Körper und ihre Identität“, da helfen Komplimente und unterstützen in dieser Phase.
Den Jugendlichen zu stärken und zu informieren ohne peinlich zu sein, fällt nicht immer leicht. Informationen können vielfältig sein, ein gute Dokumentation, Infobroschüren oder Filme können Anlass geben in einem „Smalltalk“ sachliche Informationen zu Themenbereichen wie Sexualität, Umgang mit Suchtmitteln, gefährliche Auto oder Mopedfahrten, Mutproben weiterzugeben ohne den Jugendlichen „niederzureden“ oder bloß zu stellen.
Verantwortung für sein eigenes Tun und Handeln zu übernehmen, passiert schrittweise, indem die elterliche Bezugsperson anregt Selbstverantwortung zu übernehmen. „Wie glaubst du, dass wir das Problem angehen können? Was glaubst du, was dein positiver Anteil daran war, das es so gut gelungen ist? Aber auch die Verantwortung eine Konsequenz zu tragen, gehört zum Erlernen der Selbstverantwortung und dem Gefühl der Selbstwirksamkeit dazu. Eine z. B. hohe Telefonrechnung heißt auch, dass ich die Kosten zu tragen habe. Es gilt Lösungen für eine Wiedergutmachung zu finden, ohne die Jugendlichen ständig in der Schuld zu lassen oder ihnen Vorwürfe zu machen.
Auch macht es wenig Sinn Jugendliche, die sich in einer Opferrolle befinden (z. B. bei Mobbing oder sonstigen Problemen mit neuen Medien), noch den Vorwurf zu machen, dass sie durch ihr Verhalten diese Situation hervorgerufen, bzw. verstärkt hätten. In so einer Phase bedarf es der Unterstützung einer Vertrauensperson.

Wunsch 3: Ich wünsche Dir Widerstandsfähigkeit

Unterstützen können Eltern diese durch das ernst nehmen ihrer Kinder in ihren Sorgen und Ängsten. Mit ihnen gemeinsam an Entlastung, Problemlösung und Ideen arbeiten. Die Kreativität des Kindes dabei nicht zu unterschätzen (…“und welche ist für dich eine kluge Lösung?“…) Sie auch immer wieder, wenn sie einmal in der „Sackgasse“ gelandet sind, an positive Situationen, wo ihnen das eine oder andere geglückt ist, erinnern. Gedanken wie „ich muss mit dem Leben nicht alleine fertig werden“, „es gibt für mich Möglichkeiten professionelle Hilfe zu finden“, können ein Schutzfaktor davor sein, in Sucht- und Abhängigkeiten oder „falsche Gruppen“ zu geraten.

Wunsch 4: Ich wünsche Dir Lernbereitschaft und Freude über Erfolge

Dazu zählt seine Fähigkeiten und Interessen zu kennen, aber auch zu differenzieren (z. B. mein Interesse gilt den Tieren – aber muss ich deshalb gleich Tierärztin werden). Vor allem ist es wichtig, dem Kind nicht die Interessen der Erwachsenen aufzudrängen, sondern das Kind selbst entscheiden lassen.
Auch Erfolgserlebnisse und das Gefühl selber etwas bewirken zu können, das etwas Gutes dabei raus kommt (z. B. Vokabeln lernen – dafür eine gute Note erhalten – sich dadurch einen Kinobesuch erarbeitet zu haben – kann mir dieses Gefühl vermitteln) ist in dieser Phase wichtig. Zwar sollten die Kinder unterstützt werden, jedoch wäre es kontraproduktiv, wenn diese Unterstützung darin mündet, dass den jungen Menschen alles aus dem Weg geräumt wird. Erfolge sind wichtig, jedoch auch der Weg dahin, die Bemühung sollte nicht unberücksichtigt bleiben. Der Bereitschaft etwas zu tun, gebührt ebenso Lob als z. B. der positiven Note.

Wunsch 5: Ich wünsche Dir Glücksfähigkeit

Sich freuen können. Ein Grundgefühl, das uns Kraft und Energie gibt. Jungen Menschen soll Zeit gelassen werden auch Kleinigkeiten zu genießen. Aus tiefsten Herzen sich zu freuen, auch wenn es uns ab und zu absurd vorkommt. Sich dafür Zeit zu nehmen und dies dem jungen Menschen vorzuleben lässt unser Leben als sinnvoll erscheinen.


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