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Vorbereitung auf den „sicheren Schulweg“ aus Sicht des Kinderschutzes

von Christoph Humnig

Elternbildung
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Elternbildung

Jedes Schuljahr stehen viele Eltern vor der Frage, ob sie es verantworten können (oder sollten) ihr Kind alleine zur Schule gehen zu lassen. Ein Kind, das man liebt und für das man verantwortlich ist, ein Stück weit in die Selbstständigkeit zu entlassen, kann bei Eltern verständlicher Weise ein mulmiges Gefühl, Besorgnis oder Unsicherheit auslösen: wie kann ich das Kind schützen, wenn ich nicht anwesend bin? Schätze ich die Kompetenzen meines Kindes richtig ein, oder übersehe ich etwas? Und wie hoch ist die Gefahr, dass mein Kind in eine unangenehme Situation gerät oder gar Gewalt erfährt? Rein rechtlich richtet sich das notwendige Ausmaß der Aufsicht nach Alter, Reife und Entwicklung des Kindes, daher gibt es keine eindeutigen Altersangaben ab wann ein Kind den Schulweg alleine gut bewältigt. Volksschulkinder können jedoch in dem Erfahrungsraum, den der Schulweg bietet sehr wichtige Kompetenzen erwerben, wie beispielsweise das Wetter und die Temperatur richtig einzuschätzen, die Veränderungen in der Natur wahrzunehmen, lustige Kleinigkeiten zu entdecken und ein Gefühl für Weg und Zeit zu entwickeln.

Die mediale Berichterstattung tragischer Einzelfälle löst bei Eltern manchmal Angst aus: Was, wenn auch meinem Kind etwas Schreckliches zustößt? Gefühle und Gedanken wie diese sind durchaus nachvollziehbar und es wäre auch nicht ratsam, einen naiven Standpunkt einzunehmen. Allerdings spricht die Statistik klare Worte: nur rund 10% von Gewalterlebnissen widerfahren Volksschulkindern durch Fremde oder in einer nicht vertrauten außerhäuslichen Situation. Übergriffe, körperliche oder sexuelle Gewalt oder auch Entführungen geschehen fast immer innerhalb der Familie oder durch nahestehende und dem Kind vertraute Personen. Trotzdem kann es auf dem Schulweg eine Menge herausfordernder Situationen für das Kind geben: Übersehen von Gefahrenmomenten (zB. durch Kopfhörer oder Ablenkung durchs Handy), Mobbing von gleichaltrigen oder älteren MitschülerInnen, Grenzverletzungen von Erwachsenen (wie z.B. unpassendes Ansprechen) oder Veränderungen des Gewohnten (wie z.B. ein unbekannter Busfahrer) können Kindern die Handlungssicherheit nehmen. Das kindliche Selbstbewusstsein ist erst im Entstehen und die wiederholte Erfahrung, schwierige Situationen alleine gut gemeistert zu haben, fehlt vielen Kindern noch. Wichtig ist, dass diese nachvollziehbaren und auch berechtigten Bedenken nicht zu einer Schutz- oder Unsicherheitsspirale im Sinne von Überbehütung führen: Durch die angenommene Unsicherheit des Kindes, erhöhen die Eltern die Bemühungen das Kind zu schützen. Durch den erhöhten Schutz bekommt das Kind seltener Gelegenheit Kompetenzen aufzubauen und sich selbst als eigenständig zu erleben, was wiederum dessen Unsicherheit erhöht, was die Eltern veranlasst noch mehr Schutz zu bieten.

Im Gegensatz dazu versucht eine kompetenzfördernde Erziehungshaltung dort Unterstützung und Begleitung zu leisten wo nötig und entlässt das Kind in die Autonomie wo möglich. Dabei ist es natürlich wichtig das Kind (und die Eltern) nicht zu überfordern und den richtigen Bereich an Herausforderung zu finden. Dieser ist bei Kindern höchst individuell und das Maß an benötigter Unterstützung wird ebenfalls stark variieren. Eine kompetenzfördernde Erziehungshaltung ist übrigens nicht nur bei einem sicheren Schulweg, sondern auch in anderen Bereichen wie dem Umgang mit neuen Medien förderlich.

Wenn es gilt den sicheren Schulweg zu erlernen wird die benötigte Unterstützung am Anfang eher hoch sein, und sollte Schritt für Schritt reduziert werden. Das Kind darf sich zwar herausgefordert aber nicht überfordert fühlen.

Sollte Ihr Kind den Schulweg alleine gemeistert haben, ist es wichtig, es dafür zu loben. Der Stolz und die Freude über die eigene Selbstwirksamkeit ermöglicht Kindern selbstbewusstes und sicheres Verhalten. Es bleibt aber wesentlich eine Erziehungshaltung einzunehmen, die es dem Kind erlaubt, mit seinen Eltern auch über schwierige Situationen zu sprechen. Das Zeit nehmen,  Wahrnehmen und Ausdrücken der Gefühle des Kindes (z.B. nach dem Nachhause Kommen) und das Angebot zu Gespräch — allerdings ohne Druck auf das Kind auszuüben — sind hierbei hilfreich. Sollte das Kind von Situationen berichten, die es belasten (z.B. das Handy wurde gestohlen), sind Vorwürfe auch in dem ersten Schreckensmoment zu vermeiden, sondern es hilft die emotionale Unterstützung zu bieten, die das Kind in der Situation benötigt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder heikle Situationen mit ihren Eltern besprechen und gemeinsame Lösungen gefunden werden können.

Hier noch einige praktische Tipps für die Vorbereitung auf den „sicheren Schulweg“ aus Sicht des Kinderschutzes:

  • Suchen Sie „Schutzinseln“ für das Kind (z.B. ein nette Bäckerei und gehen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind dort vorstellen).
  • Besprechen Sie mit ihrem Kind „Was-wäre-wenn“-Situationen gut und verständlich durch. Hier sind klare Regeln notwendig (zB: Wie erfährt das Kind von einem eventuellen Krankenhausaufenthalt der Bezugsperson?; Was tun, wenn etwas Unvorhergesehenes eintritt?; Wer darf mich am Nachhauseweg begleiten? etc…).
  • Sorgen Sie für „sichtbare Anonymität“ Ihres Kindes (z.B. sollte der Name des Kindes nicht auf der Schultasche zu lesen sein; das Kind sollte Fremden nicht seinen Namen oder die Wohnadresse bekannt geben).
  • Informieren Sie das Kind, dass nicht alle Menschen gute Absichten haben und dass es okay ist Fremden Gegenüber Abstand zu wahren.
  • Falls möglich, lassen Sie das Kind gemeinsam in einer Gruppe mit Kindern ähnlichen Alters zur Schule gehen.
  • Stärken Sie generell das Vertrauen in die Intuition des Kindes. („Wenn du ein komisches Gefühl hast, dann ruf mich an! Halte dich in der Nähe von Menschen auf, bei denen du dich sicher fühlst!) und stärken Sie die Selbstwirksamkeit des Kindes (zB beim Bäcker selbst bezahlen lassen, U-Bahn Ticket kaufen etc.), damit es merkt wieviel es schon alleine schaffen kann.
  • Das Kind sollte wissen, was es tun kann, falls es in eine gefährliche Situation kommt. Dabei ist es wichtig mit dem Kind verschiedene Möglichkeiten gut zu besprechen – diese sollten zuhause auch gemeinsam spielerisch geübt werden. Als erstes sollte das Kind versuchen die Gefahrensituation durch weglaufen zu verlassen. Sollte das nicht möglich oder ungünstig sein, sollte das Kind wissen, welche Rufe hilfreich sind, um die Umgebung aufmerksam zu machen, wie zum Beispiel „Hilfe“, „Stopp“ oder auch „Feuer“! Bei akuter Bedrohung ist auch Treten, Beißen, Brüllen und Schlagen erlaubt.
  • Besprechen und stärken Sie die Fähigkeit des Kindes, nach Hilfe zu fragen, wenn es das Gefühl hat, Hilfe zu benötigen: Hier ist es wichtig, das Fragen nach Hilfe aktiv zu üben z.B. in einer Bäckerei oder auch in einer Menschenmenge. Besprechen Sie, welche Personen das Kind aktiv ansprechen kann (Mutter mit Kinderwagen, Polizei, Schaffner*in), um Hilfe einzufordern. Besprechen und üben Sie unterschiedliche Szenarios wie „Ich habe mich verlaufen!“ oder „Die Person da hinten macht mir Angst.“
  • Falls das Kind durch andere Personen unangenehm angesprochen wird sollte es lautstark und in Per-Sie-Form ausdrücken, dass es das nicht möchte („Lassen Sie mich in Ruhe!“, „Ich kenne Sie nicht!).
  • Falls Ihr Kind es einmal nicht pünktlich nach Hause schafft: Denken Sie daran, dass es viele Gründe geben kann, und dass wahrscheinlich nichts Besorgnis erregendes passiert ist. Kinder leben oft im Augenblick und vergessen ganz gerne mal die Zeit. Versuchen Sie nicht zu schimpfen, wenn Ihr Kind nicht ans Telefon geht oder sich verspätet, besprechen Sie allerdings die Situation und Ihre Sorgen gut durch, ohne dem Kind das Gefühl von Schuld zu vermitteln.

 


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