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Wie Unter- und Überforderung auf Kinder wirken, was Kinder fördert

von Elisabeth Grün

Zwischen Desinteresse und Dressur ist vieles möglich

Sie wollen alles richtig machen, Ihrem Kind alle Möglichkeiten offenhalten, es optimal auf die Schule vorbereiten, ihm das Leben erklären?
Entspannen Sie sich: Leben Sie einfach mit Ihrem Kind.

Kinder spüren und wissen „Die haben mich lieb.“ (Oder aber auch: „Die/Der hat mich lieb.“)

Kinder, die Anerkennung erfahren, die die reine Freude darüber, dass es sie gibt fühlen und die ermutigt werden, haben eine gute Basis für ihre Entwicklung. Ein realistisches Selbstverständnis, das gelassen einschließt, dass man manche Dinge besser und andere weniger gut kann, hilft enorm mit unausweichlichen Rückschlägen fertig zu werden. Die Einzigartigkeit jedes Menschen (in jedem Alter) ist nicht nur eine Tatsache, sondern auch ein Wunder. Versuchen Sie Kinder nicht zu vergleichen. Das ist nicht immer leicht, aber auch Sie werden vielleicht nicht gerne verglichen (üblicherweise mit jemandem, der irgendetwas besser kann). Hierzu ein kleiner praktischer Tipp: Beobachten Sie Ihr Kind,  wie es mit Ihnen alte Fotos von sich anschaut und gebannt Ihren Erzählungen lauscht, wie es denn damals war, was es da schon gekonnt hat usw.

Sprechen Sie mit Ihren Kindern. Hören Sie zu. Lesen Sie vor. Erzählen Sie von sich und anderen.

Als Sonderpädagogin habe/hatte ich viel Gelegenheit unterschiedlichste Kinder und Jugendliche in Volks-, Haupt- und Polytechnischer Schule zu begleiten. Die sechs Jahre, die der Einschulung voran gehen, sind von enormer Bedeutung. Was Sie in dieser Zeit leisten und vorbereiten, wird durch den Besuch eines Kindergartens ergänzt. Das grundlegende Zuhören, Reagieren und sich ausdrücken dürfen werden  aber bereits tagtäglich zu Hause praktiziert.
Ist zunächst der Einwortsatz „Safti!“ altersentsprechend und ok, so liegt es doch bei uns, ob wir bei Vorschulkindern noch immer auf „Trinken!“ reagieren oder nicht. Viele Kinder bilden keine vollständigen Sätze. „Kann ich ein Heft?“ wird zwar nach Aufforderung in „Kann ich bitte ein Heft?“ erweitert, es fehlt jedoch oftmals das Bewusstsein für „Kann ich bitte ein Heft haben?“ Diese Verkürzungen finden sich oft auch bei Endungen: „Ich geh mit mein Opa spazieren.“ Das muss reichen, die Erwachsenen verstehen es ja trotzdem. Es spart Zeit, als ob sich Zeit nehmen und genießen nicht eine schöne Sache wäre. Wie zum Beispiel beim Vorlesen von Märchen und Bilderbüchern. Ganz automatisch lernen Kinder unregelmäßige Mitvergangenheitsformen (sehr hilfreich für Erlebniserzählungen ab der 3. Schulstufe), weil der König „rief“ und die Prinzessin „aß“ usw.
Beim Zuhören fällt auf, dass sich viele Kinder darauf verlassen, dass man ihnen Dinge zwei- oder dreimal sagt. Ich glaube, dass sie einfach gerne kommunizieren, es wird auf Dauer aber ganz schön anstrengend. Speziell in Gemeinschaften aller Art ist es wichtig, Aufforderungen, Anleitungen, Lob usw. zu hören und zu integrieren. Hier ist permanente Individualisierung nicht nur unmöglich, sondern vielmehr einfach unangebracht. Die Fähigkeit sozial kompetent zu sein ist so wichtig, dass die Mehrzahl der PädagogInnen sie an die erste Stelle der Voraussetzungen für den Schuleintritt stellt.

Lassen Sie Ihrem Kind Zeit. Und naturgemäß hat es mehr Zeit als Sie, denn es kennt die Uhr noch nicht.

Aus eigener Erfahrung wissen Sie, wie schön es ist einfach genug Zeit zu haben, für etwas so lange brauchen zu dürfen, bis es tatsächlich fertig ist. Kinder sehen das als normal an und können Termine und Stress für ihre Entwicklung gar nicht brauchen. Organisieren Sie Ihren Kindern ausreichend freie Zeit zum Spielen (auch Schulkindern!), allein oder mit anderen und ohne elektronische Unterstützung, denn wer spielt lernt. Kinder im Vorschulalter spielen täglich bis zu neun Stunden – weil sie klug sind. Sie trainieren dabei immer ihre Phantasie, ihre Geschicklichkeit, ihr Konzentration, ihre Ausdauer, ihre Merkfähigkeit, ihre Sprache u.v.m. Dazu braucht man auch keinesfalls sogenannte Lernspiele. Astrid Lindgren: „Kinder sollten mehr spielen, als viele es heutzutage tun. Denn wenn man genügend spielt, so lange man klein ist – dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später ein Leben lang schöpfen kann. Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer wird.“ (Abendzeitung München, 4. November 1997)
Neben der Zeit zum Spielen braucht man Zeit zum Üben und Zeit zum (scheinbar) Nichtstun. Auf Überforderung durch „Stundenplan am Nachmittag“ reagieren Kinder mit Aggression oder Frustration, durch störendes Verhalten oder Rückzug. Ein Gegenmittel ist bei Kleinen ein „Weniger ist mehr“ und „Wiederholung macht stark“. Kinder wissen das instinktiv und wollen immer gleiche Wege gehen, die Geschichte ganz gleich hören usw. Es macht ihnen Spaß, etwas wiederzuerkennen.

Lassen Sie Ihr Kind wählen. Bitte nicht zwischen zwei Paar wunderschönen Schuhen. Das fällt selbst mir schwer.

Überlegen Sie sich vorher, ob das ein Punkt ist, den das Kind schon entscheiden soll. Kinder, die sich allmächtig erleben, weil sie alles entscheiden müssen, sind eindeutig überfordert. Kinder, die ohnmächtig leben, weil sie nie gefragt werden, sind eindeutig dressiert. Am besten haben es Kinder und Jugendliche, die gelassen hinnehmen, dass manches geht und anderes nicht.
„Magst du einen Pudding?“ „Ja.“ „Nein.“ Diese Fragestellung ist einfacher zu beantworten als „Welchen Pudding magst du?“ Die erste Frage ist eine Entscheidung ob oder ob nicht, die zweite schließt schon mehrere Möglichkeiten aus und bedeutet unter Umständen auch Verzicht. Die damit verbundenen Gefühle sind für kleine Menschen noch schwer auszuhalten.

Teilen Sie Ihr Leben mit Ihrem Kind. Die Zeit der „Aufopferer“ ist vorbei.

Natürlich ändert sich das Leben mit der Geburt eines Kindes. Aber muss sich wirklich alles ändern. Für immer? Oder gab es da nicht auch ein Leben vor dem Kind mit Interessen, die man auch mit einem Kind leben könnte. Gerade gemeinsame Unternehmungen bleiben im Gedächtnis und sorgen auch nach Jahren für Gesprächsstoff und Gelächter. Sie sind eine gute Basis für Zeiten mit (entwicklungsnotwendig) weniger Nähe.
Schließlich hat man auch noch Arbeit zu Hause. Und da treten unsere Kleinen auf den Plan, denn sie sind begeisterte Helfer: Sie schleppen und wischen und räumen und schrauben. Und auch in späteren Jahren könnten (Möglichkeitsform, denn da müssen wir sie nicht selten dazu zwingen) sie ihren Beitrag zum Familienleben leisten und mithelfen. Beim gemeinsamen Arbeiten – das irgendwann dann doch schneller geht als am Anfang – kommt man ins Gespräch, so kommen oft Dinge zu Tage, die ohne „Rahmen“ ungesagt blieben. Zusätzlich erkennen Kinder, dass Familie nicht von einer einzigen Person geleistet werden kann.
Lesen, Schreiben und Rechnen sind Kulturtechniken, deren Vermittlung in der Schule passieren sollte. Würden die Vorbedingungen (zuhören, verstehen, richtig handeln sprechen, sich konzentrieren, schneiden und kleben, einen Stift richtig halten) zu Hause im Alltag ganz ohne Aufwand geübt, vieles wäre grundgelegt.
Zum Abschluss noch ein Zitat von Astrid Lindgren, die über Kinder sagt, dass sie in ihrem Wesen immer gleich sind: „Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist – Geborgenheit und Freiheit. Wir fühlten uns geborgen bei diesen Eltern, die einander so zugetan waren und stets Zeit für uns hatten, wenn wir sie brauchten, uns im Übrigen aber frei und unbeschwert auf dem wunderbaren Spielplatz, den wir in dem Näs unserer Kindheit besaßen, herumtollen ließen. Gewiss wurden wir in Zucht und Gottesfurcht erzogen, so wie es dazumal Sitte war, aber in unseren Spielen waren wir herrlich frei und nie überwacht“
Aus: Das entschwundene Land
Und noch ein Tipp: genießen Sie einmal Zweisamkeit: nur Sie und dieses Kind.


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