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Begleitung ein- und mehrsprachiger Kinder im Kindergartenalter

von Mag. Dr. Barbara Rössl-Krötzl

Elternbildung
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Von Geburt an wird die Sprachentwicklung vom Anliegen des Kindes getragen, mit den nächsten Bezugspersonen in Beziehung zu treten,  indem es bestrebt ist, seine Bedürfnisse, Wünsche und Absichten kundzutun, neugierige Fragen zu stellen und später spannende Erlebnisse (mit) zu teilen. Es möchte seine Mutter, seinen Vater, seine Geschwistern, später auch das betreuende pädagogische Personal erreichen, sie zu entsprechenden Handlungen und Reaktionen bewegen. Dieses Bedürfnis ist völlig unabhängig davon, welche Sprache(n) das Kind erwirbt, sei es Türkisch, Deutsch, Arabisch oder Tschechisch. Desgleichen macht es keinen Unterschied, ob  ein Kind mit einer Sprache – einsprachig -, ob das Kind mit zwei oder mehreren Sprachen – mehrsprachig – aufwächst, ob beide Sprachen von Geburt an oder eine Sprache erst im Kindergarten hinzukommt: Stets stellt die Sprache für das Kind ein unentbehrliches Ausdrucksmittel dar, um sich der umgebenden Welt hin zu öffnen, sie zu erreichen und sie begreifen zu lernen. Jedes Kind ist daher von früh an auf ein sprachlich anregungsreiches Umfeld angewiesen ist, insbesondere auf die sprachlich eingehende und emotional positive Zuwendung der erwachsenen Bezugspersonen, sei es innerhalb der Familie, sei es in elementarpädagogischen Einrichtungen. Die im Vorschulalter erworbenen Sprachkompetenzen stellen eine unentbehrliche Basis für die Gesamtentwicklung des Kindes und seine weiteren Bildungswege dar.

Was können Eltern tun, damit Kinder, die mit mehr als einer Sprache aufwachsen, ihre Mehrsprachigkeit als bereichernd erfahren?Elternbildung

Zunächst ist festzuhalten, dass Kinder grundsätzlich mit der angeborenen Fähigkeit auf die Welt kommen, von Geburt an nicht nur eine, sondern ebenso zwei (oder sogar drei) Sprachen gleichzeitig zu erwerben. Auch für den Erwerb einer später – etwa mit dem Eintritt in den Kindergarten – hinzutretenden Sprache verfügen Kinder über entsprechende Voraussetzungen. Dies zeigt sich an unzähligen mehrsprachigen Erwerbsbiografien, wie sie in unserer Gesellschaft schon längst alltägliche Normalität geworden sind. Mehrsprachigkeit als wertvolle und wichtige Ressource und Bereicherung für Bildungsprozesse anzuerkennen, entspricht dem Selbstverständnis einer pluralistischen Gesellschaft, wie sie in Österreich zu finden ist.

Gleichzeitig aber sind Wachstum und Entfaltung der Sprachfähigkeiten des ein- oder mehrsprachigen Kindes an verschiedene Bedingungen gebunden. Finden sie in die Gestaltung der sprachlichen Begleitung des Kindes sowohl in der Familie als auch in elementarpädagogischen Einrichtungen Eingang, so wird die Vielfalt der möglichen Spracherwerbswege sowohl für das einzelne Kind als auch für das soziale Miteinander zu einem nützlichen Kapital.

Sensible Phase des SpracherwerbsElternbildung

Kinder schöpfen beim Erwerb von Sprache/n von Geburt an aus verschiedenen Ressourcen. Angeborene neurobiologische und kognitive Voraussetzungen ermöglichen es etwa dem Kind, ein solch kompliziertes System, wie es die Grammatik jeglicher Sprache darstellt, bereits in einem sehr jungen Alter in den Grundzügen intuitiv zu erwerben. Diese Ausstattung bewirkt, dass Kinder bereits mit vier Jahren in ihrer Muttersprache (Erstsprache) korrekte Sätze bilden und ihre Äußerungen in diesem Alter schon eine erstaunliche Menge korrekter grammatischer Elemente enthalten. Die ersten Entwicklungsjahre des Kindes werden dementsprechend auch als sensible Phase des Spracherwerbs bezeichnet. In ihr erfolgen die grundlegenden Entwicklungen für alle weiteren Spracherwerbsprozesse. Der Sprache der nächsten Bezugspersonen kommt in dieser besonderen Phase des Spracherwerbs eine entscheidende Bedeutung zu. Die Mutter/der Vater sorgen für die sprachliche Entwicklung des Kindes, indem sie/er gemeinsame Handlungen und die des Kindes sprachlich begleitet und kommentiert, mit dem Kind spielt und Lieder singt, Reime, Sprüche und Fingerspiele anbietet, indem sie/er dem Kind Fragen stellt, auf Fragen eingeht, sich gemeinsam über spannende Sachverhalte austauscht, Erklärungen und Begründungen anbietet und vor allem gemeinsam Bilderbücher betrachtet, vorliest und bespricht. Auch das Erzählen von gemeinsam Erlebtem bereits von klein auf, etwa im Rahmen regelmäßiger abendlicher Rituale („Was haben wir denn heute erlebt?“), gibt dem Kind Sicherheit und Vertrauen und ist gleichzeitig hochgradig sprachförderlich.

Die Sprache/n der ElternElternbildung

Der unschätzbare Wert der unmittelbaren Zuwendung zum Kind, der Wert der ungeteilten Aufmerksamkeit, die Eltern dem Kind über das Medium Sprache zuteilwerden lassen, gilt unterschiedslos für jede Sprache und besonders auch dann, wenn das Kind von Geburt an mit mehr als einer Sprache aufwächst. Sprechen Vater und Mutter jeweils unterschiedliche Sprachen bzw. sind sie selbst mehrsprachig, werden sie sich meist Überlegungen machen, welche Sprache sie mit dem Kind sprechen sollen. Diese Entscheidung kann den Eltern nicht abgenommen werden. Bedenkt man aber, dass in den ersten Lebensjahr die emotionale sprachliche Zuwendung zum Kind ebenso von Bedeutung ist, wie dem Kind ein gutes Sprachvorbild zu sein, werden Eltern optimalerweise jeweils diejenige Sprache wählen, die sie am besten beherrschen und gleichzeitig auch am liebsten sprechen: Diejenige Sprache also, in der es ihnen möglich ist, ein kindgerechtes, sprachanregendes Umfeld zu schaffen. Wenn Vater und Mutter zwei unterschiedliche Sprachen sprechen, so können sie durchaus in ihrer jeweiligen Muttersprache mit dem Kind sprechen. Wichtig dabei ist nur, dass sie die Regelung „eine Person – eine Sprache“ im frühen Kindesalter möglichst einhalten, dann kann das Kind gut zwischen den Sprachen unterscheiden. Es wird dann beide Sprachen so erwerben wie in einem einsprachigen Erwerb. Man spricht in diesem Fall von bilingualem Spracherwerb. Er stellt eine unschätzbare Ressource für alle weiteren Sprachlernprozesse dar.

Erwirbt ein Kind ab seinem dritten Lebensjahr, abgesehen von seiner Erstsprache (seinen beiden Erstsprachen), noch eine weitere Sprache, so spricht man von Zweitspracherwerb (bzw. Drittspracherwerb). Diese Spracherwerbsform ist in Österreich häufig in Bezug auf das Deutsche anzutreffen, etwa wenn ein Kind durch den Eintritt in den Kindergarten erstmalig mit Deutsch regelmäßig in Berührung kommt. Es ist wichtig zu wissen, dass eine zweite, dritte, vierte Sprache erfolgreich zu lernen in jedem Alter möglich ist.

Deutsch als ZweitspracheElternbildung

Für Kinder mit Migrationshintergrund sind das Aufwachsen und der Umgang mit verschiedenen Sprachen eine selbstverständliche Erfahrung. In ihrem sprachlichen Handeln spielen mindestens zwei Sprachen eine wichtige Rolle, die Sprache der Familie und die Sprache der Lebenswelt Kindergarten bzw. in weiterer Folge der Schule. Entsprechend den jeweils vorherrschenden Themen bzw. den Gesprächspartnern werden sich die Ausdrucksmöglichkeiten des Kindes, etwa hinsichtlich des Wortschatzes, in den Sprachen jeweils unterscheiden. Das Ziel, beide Sprachen gleichermaßen ausgewogen zu beherrschen, ist weder erforderlich, noch realistisch. Meist ist eine Sprache stärker entwickelt als die andere, wobei sich das Verhältnis durch die spezifischen Sprachlernprozesse in den Bildungsinstitutionen im Laufe der Zeit ändern kann.

Deutschlernen ist für die weiteren Bildungswege und für die Integration in die Gesellschaft für das mehrsprachige Kind jedoch von großer Bedeutung. Wesentliche Grundbedingung für den erfolgreichen Zweitspracherwerb des Deutschen ist die Motivation des Kindes, die Sprache zu erwerben und zu verwenden. Im Kindergarten selbst können neben einem emotional angenehmen Klima und der Herstellung einer vertrauensvollen Beziehung zur Pädagogin/dem Pädagogen, der Einbezug und die Würdigung der erstsprachlichen Kompetenzen des Kindes seinen Wunsch bzw. seine Bereitschaft, zur Gruppe der Gleichaltrigen dazuzugehören, erhöhen. Dies trägt auch zur Stärkung seines Selbstkonzepts bei, eine wichtige Voraussetzung, um sich für andere Sprachen zu öffnen. Es ist zu bedenken, dass die Anstrengung, eine andere Sprache neu zu lernen, für das Kind mit einem Zugewinn verbunden sein muss. Das kann die Bestätigung der Pädagogin/des Pädagogen sein, die Kommunikation mit den anderen Kindern, die Teilhabe am Kindergartenalltag, an lustigen Spielen, oder das Hören interessanter Geschichten.

Auch Eltern können den Prozess des Deutscherwerbs auf mehreren Wegen unterstützen, selbst dann, wenn sie sich in der deutschen Sprache nicht sehr sicher fühlen: etwa Kontakte zu deutschsprachigen Kindern herstellen (z.B. durch Nutzung von gemeindeeigenen Freizeitangeboten), Interesse an den deutschsprachigen Fortschritten des Kindes im Kindergarten zeigen, intensive Kontakte zur Kindergartenleiterin pflegen, an Aktivitäten des Kindergartens (Festen und Projekten) teilhaben. Zudem profitiert das Kind in seinem Spracherwerb des Deutschen von der in der Familie erfahrenen Sprachanregung der Erstsprache: Neben allen Formen der Sprachpflege begünstigen insbesondere Buch- und Vorleseerfahrungen in der Erstsprache den Erwerb der entsprechenden Fähigkeiten in der Zweitsprache Deutsch.

Ausreichend Zeit und Gelegenheit zum Erlernen der ZweitspracheElternbildung

Eine Zweitsprache nachhaltig zu lernen, benötigt ausreichend Zeit und Gelegenheit. Dementsprechend sollten Kindergarten und Eltern dafür Sorge tragen, dass das Kind genügend Gelegenheit bekommt, die deutsche Sprache zu hören und anzuwenden. Im Kindergarten können Vereinbarungen für den Umgang mit der deutschen Sprache sowie den Familiensprachen getroffen werden, etwa hinsichtlich bestimmter Räume, Situationen oder Alltagsroutinen. Das bedeutet, dass Kinder im Kindergarten selbstverständlich ihre Familiensprache sprechen dürfen. Gleichzeitig muss einsichtig werden, dass Deutsch die Verkehrssprache ist, die sich alle Kinder teilen.

Selbst unter optimalen Bedingungen kann allerdings nicht erwartet werden, dass Kinder die erst mit drei oder vier Jahren begonnen haben, das Deutsche zu lernen, bei Schuleintritt über die gleichen Kompetenzen verfügen wie Kinder, die bereits von Geburt an das Deutsche als Erstsprache erworben haben. Vor allem die Aneignung der grammatischen Feinheiten des Deutschen erstreckt sich oft weit bis in die Schule hinein. Im Übrigen ist es unerheblich, welche Erstsprache das Kind mitbringt, ob Chinesisch, Türkisch oder Französisch: Die Anforderungen, die deutsche Sprache mit all ihren grammatischen Herausforderungen zu lernen, ist für alle Kinder gleich, unabhängig von seiner Erstsprache.

Mehrsprachige Kinder reflektieren früher / öfter über Sprache und ihre VerwendungElternbildung

Ein großer Vorteil des Zweitspracherwerbs liegt unter anderem darin, dass Kinder schon sehr früh angeregt werden, sich Gedanken über den Gebrauch und die Beschaffenheit ihrer Sprachen zu machen. Kinder mit zwei oder mehr Sprachen finden früher und öfter als einsprachige Kinder Anlass dazu, über Sprache und ihre Verwendung zu reflektieren. Es sind dies diejenigen Fähigkeiten, die Kinder für den schulischen Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen benötigen.

Alle profitieren von MehrsprachigkeitElternbildung

Von der Vielfalt der Sprachen in mehrsprachigen Einrichtungen profitieren in besonderer Weise auch einsprachig mit Deutsch aufwachsende Kinder. Auch sie werden dazu angeregt, über Sprache nachzudenken, die unterschiedlichen Klänge der Sprachen wahrzunehmen und wechselseitig die Benennungen von Gegenständen in den vorhandenen Sprachen zu erkunden. Gerade der mehrsprachige Kindergarten bietet die geeigneten Voraussetzungen dafür, ein Klima des Kennenlernens und der Wertschätzung der unterschiedlichen sprachlichen Kenntnisse hervorzubringen.


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