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Was ist sensorische Integration, was leistet sie?

von Mag.a Katrin Unterweger, MSc

Unter Sensorischer Integration wird die Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen verstanden. Es ist ein zentraler Bestandteil der kindlichen Entwicklung, die bereits vorgeburtlich ausgebildet und aktiv ist. Sie bildet die Grundvoraussetzung für Handlungsfähigkeit, emotionales Gleichgewicht und Selbstbewusstsein.

Alle Reize von außen (z.B. Berührung, akustischer Reiz) aber auch Reize vom eigenen Körper (z.B. von den Muskeln) müssen zuerst registriert, im Gehirn verarbeitet, gespeichert und mit vorhandenen Erfahrungen verknüpft werden. Es wird nur ein Bruchteil aller Reize wahrgenommen. Was wahrgenommen wird, hängt von der Tagesverfassung, Emotionen, Motivation aber auch von der Intensität eines Reizes ab.

In der Sensorischen Integration wird zwischen Nah- und Fernsinnen unterschieden. Zu den Nahsinnen zählen:

  • Der Tastsinn (taktiles System): dazu zählen Informationen wie Berührung, Temperatur. Dem Tastsinn kommt auch in der emotionalen Entwicklung eine große Bedeutung zu.
  • Das Gleichgewichtssinn (vestibuläres System): wichtig für Bewegung, Aufrichtung und Aufmerksamkeit.
  • Bewegungssinn (Propriozeptives System): bietet Informationen aus Muskeln, Sehnen und Gelenke – man erhält ein Bild vom eigenen Körper.

Zu den Fernsinnen zählen

  • Sehsinn (visuelles System)
  • Hörsinn (auditives System)
  • Geruchssinn (olfaktorisches System).

Alle Wahrnehmungsreize führen zu Reaktionen im motorischen, emotionalen und/oder sozialen Bereich. Eine gute sensorische Integration ist die Basis für das Erlernen von aufbauenden Leistungen wie Grob- und Feinmotorik, Sprache, Schreiben, Verhalten, Konzentrationsfähigkeit, Selbsteinschätzung etc. Ist die sensorische Integration unzureichend, dann fällt den Kindern die Verrichtung von diesen aufbauenden Leistungen schwer. Man spricht von einer Sensorischen Integrationsstörung. Die Ursachen hierfür sind nicht geklärt. In Zusammenhang gebracht werden z. B. Mangel an Sinnesreizen vor und nach der Geburt, Sauerstoffmangel vor/während/nach der Geburt, Frühgeburt, minimale Hirnblutungen, Veranlagung oder die Aufnahme von Umweltgiften.

Für welche Kinder ist eine Therapie im Bereich der Sensorischen Integration eine Unterstützung, wodurch fallen diese Kinder auf?

Die Wahrnehmungsleistung ist grundsätzlich individuell verschieden. Jeder nimmt Reize unterschiedlich stark wahr bzw. toleriert Reize unterschiedlich: Nicht jeder fährt gerne Achterbahn oder spielt gerne mit Sand – das muss nicht unmittelbar eine Wahrnehmungsstörung abbilden. Liegt jedoch eine Sensorische Integrationsstörung vor, treten beobachtbare Probleme in der Verrichtung von alltäglichen Dingen und/oder Verhalten auf. Die weitere Entwicklung wird negativ beeinflusst.

Bei manchen Kindern können Beobachtungen bereits nach der Geburt schon auf eine Sensorische Integrationsstörung hindeuten: z.B. weinen sie viel, lassen sich schwer beruhigen, möchten nicht hochgenommen werden. Bei anderen werden Anzeichen erst später erkannt: z.B. vermeiden auf wackelige Gegenstände zu klettern, Kinder machen sich nicht gerne schmutzig, zeigen kein Schmerzempfinden oder sind unruhig.

Es gibt eine Vielzahl an Beobachtungen, die auf eine Wahrnehmungsstörung schließen lassen. Die Beobachtungen sind nicht immer klar zu kategorisieren. Grundsätzlich wird zwischen einer Unter- und einer Überfunktion der Sinnesverarbeitung unterschieden.

Bei einer Unterfunktion (Hyposensibilität) werden Reize nicht oder mangelnd wahrgenommen.

Beobachtungen bei einer Unterfunktion im Bereich der Hautwahrnehmung:

  • merkt nicht, wenn es schmutzig ist (z.B. beim Essen)
  • registriert flüchtige Berührungen nicht
  • schmerzunempfindlich / herabgesetztes Schmerzempfinden
  • ungeschickt beim Manipulieren mit kleinen Dingen
  • auffällige Feinmotorik
  • wenig Spielverhalten
  • nimmt viele Dinge in den Mund

Beobachtungen bei einer Unterfunktion im Bereich des Gleichgewichtssinnes:

  • versucht den Mangel durch Reizsuche auszugleichen z.B. starkes / wildes Schaukeln auf, sind zappelig, motorisch unkoordiniert, haben keine Gefahreneinschätzung
  • verliert schnell das Gleichgewicht (z.B. stolpern häufig, Einbeinstand nur kurz möglich, erlernen Fahrradfahren erst spät)
  • Schwierigkeiten in der Koordination (z.B. Hampelmann, beidbeinig hüpfen, Ball fangen)
  • erscheint unaufmerksam, verträumt, können sich nur schwer konzentrieren

Beobachtungen bei einer Unterfunktion im Bereich der Tiefenwahrnehmung

  • wirkt ungeschickt, tollpatschig
  • erlernt neue motorische Tätigkeiten nur langsam bzw. vermeiden sie neue motorische Tätigkeiten
  • spielt / hantiert gerne mit schweren Gegenständen
  • geringe Muskelspannung, schlaffe Haltung, stützt Kopf beim Sitzen ab
  • mangelndes Körperschema
  • Kraft kann nicht angepasst / dosiert werden
  • verkrampft sich beim Malen, feinmotorische Aufgaben bereiten Mühe
  • keine gefestigte Händigkeit
  • knirscht mit Zähnen
  • geht auf Zehenspitzen

Bei einer Überfunktion (Hypersensibilität) werden Reize zu stark wahrgenommen. Kinder mit einer Überfunktion versuchen Reize zu vermeiden. Emotionale Reaktionen wie Ängstlichkeit können häufig beobachtet werden.

Beobachtungen bei einer Überfunktion im Bereich des Gleichgewichtssinnes

  • vermeidet Bewegungen und Lageveränderungen
  • zeigt sich ängstlich bei wilden Bewegungsspielen oder Gegenständen, die sich bewegen (Schaukel)
  • wird schnell schwindlig

Beobachtungen bei einer Überfunktion im Bereich der Hautwahrnehmung:

  • vermeidet und lehnt Berührung oder diversen Materialien (Fingerfarben, Sand…) ab
  • unabsichtliche, leichte Berührungen stören
  • beim Essen stört ein dreckiger Mund
  • Es kommt zu Schwierigkeiten während der Durchführung der Körperpflege (Haare waschen, Zähne putzen…)
  • möchte in der Gruppe immer am Ende stehen, möchte anderen Kindern keine Hand geben
  • spielt lieber alleine

Wer bietet Sensorische Integrationstherapie an? Was verbessert sich für diese Kinder bei Inanspruchnahme einer Sensorischen Integrationstherapie?

Sensorische Integrationstherapie wird im Rahmen der Ergotherapie angeboten. ErgotherapeutInnen sind ExpertInnen für Alltagsaktivitäten und haben die selbstständige Ausführung von Aktivitäten und Handlungen im Fokus. Wenn Ihr Kind Probleme in der Grob- oder Feinmotorik hat, ungern malt, beim Schreiben verkrampft, für das Alter ungewöhnlich viel Hilfe bei der Verrichtung alltäglicher Dinge, wie zum Beispiel beim Anziehen oder Essen benötigt, wenig mit Materialen experimentiert, wenig Spielverhalten zeigt oder ähnliche Schwierigkeiten aufweist, sind Sie in der Ergotherapie richtig.

Zu Beginn einer jeden Therapie findet eine umfassende Befundung statt. Es werden spezielle Tests, Beobachtungen und Elternbefragungen durchgeführt um die Schwächen aber auch um Stärken/Ressourcen zu identifizieren. Sollte hier eine Störung in den Wahrnehmungsbereichen festgestellt werden, setzen ErgotherapeutInnen Maßnahmen zur Sensorischen Integration ein. Es hat zum Ziel, Bedingungen zu schaffen, die die Aufnahme und Verarbeitung der Basissinne fördern und in einem weiteren Schritt Handlungskompetenzen aufbauen um die Schwierigkeiten im Alltag zu minimieren. Die Therapie erfolgt über Spiel und Bewegung, und wird an das Kind, seinen Fähigkeiten und seiner intrinsischen Motivation angepasst. Die Umwelt wird so gestaltet, dass das Kind die benötigten Erfahrungen sammeln kann und angeregt wird Handlungen auszuführen.

Eltern werden in der Therapie mit einbezogen. Meist sind Eltern in der Therapie dabei bzw. findet auch regelmäßige Elternberatung statt. Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, dass die Maßnahmen auch in den Alltag des Kindes übertragen werden.

Wie können die Eltern ihre Kinder dabei unterstützen und fördern?

Aufgrund von Wahrnehmungsstörungen gelingen Kindern viele Alltagsaktivitäten nicht, brauchen in der Verrichtung länger oder zeigen Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen. Kinder machen Dinge nicht, weil sie jemanden ärgern wollen, sondern weil sie es nicht können. Versuchen Sie Verständnis für die Situation des Kindes aufzubauen und ermahnen es nicht ständig (z.B. pass auf, nicht so fest). Kinder mit Wahrnehmungsstörungen sind schnell überfordert. Treiben Sie es nicht an oder fordern Sie gewisse Aktivitäten nicht ein (z.B. bei Überempfindlichkeit Kind auf Rutsche heben).

Allgemein gilt:

Reizreduktion: Gerade Kinder mit Wahrnehmungsstörungen sind schnell von Reizen überfordert. Sie sind leicht abgelenkt und es fällt ihnen schwerer sich auf eine Sache zu konzentrieren. Hier ist eine reizarme Umgebung sinnvoll. Schaffen Sie Rückzugsorte mit schweren, kleinen Matratzen, Decken, gefüllte Säckchen mit Reis o.ä. Vermeiden Sie, dass Ihr Kind (zu lange) fernsehschaut. Schnelle Bildabfolgen, viele Geräusche und komplexe Handlungen können von Kindern noch nicht aufgenommen werden.

Gemeinsames Spielen: Kinder mit Wahrnehmungsstörungen sind häufig in ihren Spielen sehr eingeschränkt, wenig interessiert bzw. verlieren schnell das Interesse. Gerade das Spiel ist eine wichtige Basis für die Entwicklung. Kinder erleben im Spiel sich selbst, folgen dem inneren Antrieb und erlernen viele Handlungskompetenzen (Reihenfolgen einhalten, Regeln befolgen, erleben physikalische Gesetze, Kraftdosierung…).

Ausgewähltes Spielzeug: Das Spielzeug sollte einen Aufforderungscharakter besitzen und die Kinder zum Experimentieren und Variieren einladen. Der Haushalt bietet viele Materialien, die die Phantasie der Kinder anregt: leere Kartonschachteln, Seile, Töpfe, leere Flaschen…). Gegenstände, die auf Knopfdruck blinken / Musik machen haben wenig Aufforderungscharakter. Kinder sind häufig von den Reizen überfordert und das Interesse an diesen Spielen geht meist auch schnell verloren.

Bewegungsangebote schaffen: Bieten Sie Aktivitäten an, in denen das Kind seine Bewegungen, seinen Krafteinsatz und Tempo ausprobieren und anpassen lernen kann: wie ziehen, schieben, tragen von schweren Gegenständen, Kneten von unterschiedlichen Materialien, Seilziehen, Trampolinspringen, Klettern

Angebote zum Spüren bereitstellen: zum Beispiel Schüssel mit Reis, Bürsten / Bälle zum Massieren. Bei Überempfindlichen Kindern achten Sie darauf, welche Materialien akzeptiert werden.

Rituale einführen: Rituale bieten Sicherheit und helfen Kinder sich auf neue Situationen besser einzulassen.

Struktur: Ordnung zu halten kann den Kindern helfen, sich besser in ihrer Umwelt zurechtzufinden. Jedes Spielzeug bedarf einer eigenen Kiste / bestimmten Platz.

Was müssen Eltern zur Inanspruchnahme wissen – wer überweist zur Ergotherapie, welche Kosten müssen Eltern tragen, übernehmen Krankenkassen Kosten, wo finden Eltern geeignete SI TherapeutInnen

Grundvoraussetzung um ein eine Ergotherapie in Anspruch zu nehmen ist eine Verordnung vom Kinderarzt, die einer chefärztlichen Bewilligung bedarf.

Es gibt WahltherapeutInnen, PooltherapeutInnen und KassentherapeutInnen. WahltherapeutInnen sind privat zu bezahlen. Nach Beendigung der Therapie kann um eine Kostenrückerstattung (Refundierungshöhe ist abhängig von Krankenkasse) angesucht werden. Bei PooltherapeutInnen (in Wien und Burgenland) sowie KassentherapeutInnen fallen für die Eltern keine Kosten an. Die/der TherapeutIn verrechnet die erbrachte Leistung direkt mit der Krankenkasse.

ErgotherapeutInnen sowie nähere Informationen über Ablauf/Refundierung finden Sie über die Homepage des Berufsverbandes Ergotherapie Austria (www.ergotherapie.at).

 


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