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Bettnässen: Verminderter Selbstwert ist größtes Problem

von Mag. Christian Zniva

Der Übergang vom Kindergarten in die Volksschule ist ein großer Schritt in der kindlichen Entwicklung. Spätestens dann soll das Problem Bettnässen (med. Bezeichnung Enuresis) in Angriff genommen werden, denn kurz vor Schuleintritt noch immer nicht trocken zu sein, bedeutet eine enorme Belastung für Kinder – und für die gesamte Familie. Dennoch wird in vielen Familien nicht darüber gesprochen und viel zu selten etwas dagegen unternommen. Grund dafür ist oft, dass sowohl bei Kindern als auch bei ihren Eltern Scham- und Schuldgefühle bestehen. Das führt oft dazu, dass entweder keine Hilfe oder oft auch die falsche Hilfe in Anspruch genommen wird. Viele Eltern werfen sich vor, in der Erziehung etwas falsch gemacht zu haben. Dazu kommt häufig die Idee, dass das Einnässen ein Problem sei, dass man als Familie alleine in den Griff bekommen muss und dass es sich mit der Zeit „auswächst“ und damit von alleine lösen wird – was jedoch nicht immer der Fall ist.

Warum behandeln?

Bis Kinder zu einer adäquaten Behandlung finden, haben sie häufig einen langen Leidensweg hinter sich, der von Scham und Vermeidungsstrategien geprägt ist. Um peinliche Situationen zu verhindern, gehen die Kinder gemeinsamen Unternehmungen und Aktivitäten mit anderen Kindern aus dem Weg und vermeiden vor allem Übernachtungen bei Freunden sowie mehrtägige Schulausflüge. Die Folgen sind sozialer Rückzug, Isolation, vermindertes Selbstwertgefühl bis hin zu schweren Entwicklungsdefiziten. Die Selbstwertreduktion ist das größte Problem und macht es so wichtig, rechtzeitig und richtig zu behandeln. Denn, die psychosoziale Belastung wird größer, je älter die Kinder werden und je länger nichts gegen das Einnässen unternommen wird.

Psyche als Ursache eher die Ausnahme

Fälschlicherweise werden häufig immer noch psychische Probleme oder Trotz als Hauptursache für das nächtliche Einnässen vermutet. "Psychische Störungen“ sind jedoch nur selten für die Entstehung einer Enuresis verantwortlich. Nämlich dann, wenn das Kind schon mindestens sechs Monate durchgehend trocken war und aufgrund einer belastenden Situation plötzlich wieder beginnt einzunässen. Dann spricht man von einer so genannten sekundären Enuresis. Solche Situationen können zum Beispiel die Geburt eines Geschwisterchens, der Eintritt in die Schule, ein Umzug oder Familienprobleme wie eine Scheidung der Eltern sein.

Prinzipiell teilt man die mögliche Verbindung zwischen Einnässen und Psyche in drei Kategorien ein:

  1. Eine psychische Mitverursachung des Einnässens wird vermutet (oft bei sekundärer Symptomatik nach längerer Trockenphase).
    Beispiel: Wiederbeginn des Einnässens bei Schulbeginn oder bei Geburt eines Geschwisterchens
  2. Elterliches Verhalten trägt wesentlich zur Aufrechterhaltung der Einnässsymptomatik bei. Beispiel: Aufmerksamkeitszuwendung bei Einnässen, Problem-Fokussierung
  3. Einnässen selbst verursacht einen Leidensdruck in der Familie. Beispiel: Schuld- oder Schamgefühle bei Kind und Eltern

In allen drei Fällen ist eine klinisch-psychologische Beratung zu empfehlen.

Weder Tabu noch ständiges Thema

Das Einnässen sollte von den Eltern nicht als Tabu behandelt, aber auch nicht zum ständigen Gesprächthema gemacht werden. Es sollte in der Familie als etwas behandelt und besprochen werden, an dem niemand Schuld hat. Wichtig ist auch dem Kind Mut zu machen und zu vermitteln, dass es selbst etwas zum Trockenwerden beitragen kann (z.B. durch Befolgen der Verhaltensempfehlungen, siehe Kasten). Kinder sollten auch motiviert werden mit engen Vertrauenspersonen außerhalb der Familie, zum Beispiel mit sehr guten Freunden, über das Thema zu sprechen. Das ermöglicht dann auch die Übernachtung bei Freunden und andere Aktivitäten, an denen die Kinder gerne teilnehmen wollen.
Wichtig ist auch, dass die Verantwortung für das Einhalten der Verhaltensempfehlungen nicht mehr von den Eltern sondern nach und nach von dem Kind übernommen wird. Kinder sollten lernen ohne Erinnerung durch die Eltern auf die Toilette zu gehen und die Trinkgewohnheiten zu verändern.

Strafe oder Belohnung. Was hilft?

Erwünschte Verhaltensweisen, also die möglichen Eigenbeiträge des Kindes, wie Flüssigkeitsreduktion am Abend und die Doppelmiktion vor dem Schlafengehen, sollten von den Eltern täglich belohnt werden. Auch eine halbe Stunde Zeit, in der sich das Kind eine Betätigung mit einem Elternteil aussuchen kann, kann eine adäquate Belohnung sein. Trockenheit sollte erst belohnt werden, wenn das Kind erste diesbezügliche Erfolge hat. Sonst können Verstärkerpläne zu einem Frustrationserleben beim Kind führen. Strafen erhöhen den Druck auf das Kind und bringen zumeist nicht das gewünschte Ergebnis.

Tipps zum Durchhalten der Therapie

Für die Therapie braucht man Geduld, da es einige Wochen dauert, bis die Kinder trocken werden. Unterstützend kann sein, die Verhaltensempfehlungen auf einem Plakat aufzuzeichnen und möglicherweise kreativ zu gestalten. Dies ermöglicht dem Kind auch einen guten Überblick welche Beiträge zum Trockenwerden es selbst leisten kann. Dieses Plakat sollte an einem Ort platziert werden, an dem das Kind jeden Tag vorbei kommt. Es bietet sich beispielsweise die Innenseite des Kleiderschranks an. Weiters können tägliche Belohnungen, Sonnenkalender für trockene Tage und Lob motivieren.

Mein Kind nässt ein: Elterliche Verhaltensempfehlungen

  • Zeichnen Sie mit ihrem Kind die kinderurologischen Verhaltensempfehlungen auf einem Bild auf.
  • Belohnen Sie ihr Kind für das Einhalten der Empfehlungen und nicht nur für das Trockenbleiben.
  • Versuchen Sie ihrem Kind möglichst viel Eigenverantwortung zu übertragen (Wäsche wechseln, Bett umziehen, Toilettengang,…)
  • Versuchen Sie dem Einnässen möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Vermeiden Sie wiederholtes Ermahnen oder Schimpfen.
  • Vermitteln Sie ihrem Kind, dass das Einnässen etwas ist, an dem keiner Schuld hat und das sehr wahrscheinlich bald weg sein wird.
  • Vermeiden Sie Strafen.
  • Motivieren Sie ihr Kind mit guten Freunden über das Einnässen zu sprechen. Das Einnässen sollte nicht zum Tabuthema oder Geheimnis gemacht werden.
  • Erlauben Sie ihrem Kind zu entscheiden ob es Windeln tragen will oder nicht.
  • Motivieren Sie ihr Kind auch einmal bei Freunden, die vom Einnässen Bescheid wissen zu übernachten.
  • Versuchen Sie das Einnässen nicht zu einem Hauptgesprächsthema in ihrer Familie werden zu lassen.

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