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Impfen schützt uns und die anderen

von Primar Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer

Elternbildung
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2020 wartet die ganze Welt auf einen Impfstoff gegen COVID19. Lange schon nicht mehr wurde eine Impfung von vielen Menschen, die sich gegen eine Infektionserkrankung schützen wollen, so herbeigesehnt. Die Hoffnung, dass uns eine Impfung gegen das SARS-CoV-2 unser normales Leben wiedergeben wird, ist hoch. Doch auch diese Impfung muss sicher den Ansprüchen gerecht werden, denen alle Impfungen, die wir in Österreich empfohlen bekommen, gerecht werden. Daher werden wir uns in Geduld üben müssen und noch ein Weilchen das unangenehme Gefühl leben müssen, dass wir einer unsichtbaren Gefahr nichts entgegenstellen können, wie wir das sonst mit Impfungen tun können.

So manchem von uns ist in den letzten Monaten wieder bewusst geworden, wie sicher unser Leben geworden ist, und wie sehr Impfungen in den letzten Jahrzehnten unseren Alltag angenehm gemacht haben.  Viele ältere Menschen erinnern sich noch, wie sehr sie sich selbst, oder ihre Eltern gefürchtet haben vor der Kinderlähmungserkrankung oder vor der Pockenerkrankung – vergessen und aus dem Bewusstsein verschwunden sind diese Erkrankungen und immer mehr werden dann Impfungen gegen Erkrankungen, die wir nicht mehr sehen oder kennen in Frage gestellt.

Heute sehen wir leichter als vor einigen Monaten, wie sehr Schutzimpfungen zu den wichtigsten, wirksamsten präventiven Maßnahmen in der Medizin gehören. Krankheiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, wie Poliomyelitis, Hepatitis B oder Masern können sogar bei einer anhaltend hohen Durchimpfungsrate eliminiert werden – sodass wir dann tatsächlich auch keine Impfung mehr bräuchten.

Auch wenn immer wieder von Impfgegnern oder -skeptikern behauptet wird, dass Impfungen etwas „Künstliches“, „Unnatürliches“ wären, dem ist ganz und gar nicht so:  Impfungen lösen eine immunologische Reaktion im Organismus aus, die sehr der Reaktion ähnelt, die auch eine Infektion mit dem Wilderreger auslöst, allerdings ohne die unter Umständen schweren und eventuell lebensbedrohlichen Nachteile der Wildinfektion. Es handelt sich also um eine normale Immunreaktion auf einen Erreger, der für den Menschen ansonsten (lebens)gefährlich, gesundheitlich nachteilig oder zumindest sehr unangenehm ist. Der Vorteil dieser ersten immunologischen Auseinandersetzung ist, dass bei einer neuerlichen Infektion mit dem Wilderreger das Immunsystem dann schon Erfahrung, also Antikörper, hat und mit der Infektion umgehen kann, ohne dass der Gesamtorganismus Schaden davon trägt. Eine Impfung ist daher nichts Unnatürliches, sondern die Vorbereitung auf eine neuerliche Konfrontation mit einem unangenehmen und für den Menschen schädlichen Bakterium oder Virus.

Bei einigen Viruserkrankungen gibt es sogar den Vorteil, dass auch Personen, die sich nicht impfen lassen können, geschützt sind, wenn sehr viele Menschen geimpft sind. Das erhoffen wir uns von den in Entwicklung befindlichen SARS-CoV-2 Impfungen sehr, denn je mehr Personen gegen einen Virus-Erreger geschützt sind, umso weniger Möglichkeiten gibt es, dass das Virus von einem Menschen auf den anderen übertragen wird. Das was wir gerade mühsam mit Social Distancing /Physical Distancing, mit Mund/Nasen-Schutzmasken versuchen zu machen, Ansteckung mit dem SARS-CoV-2 zu vermeiden, wäre mit einer guten Impfung ganz einfach: sie verhindert, dass sich das Virus im Nasen-Rachenraum von Personen festsetzen und dann in weiterer Folge vermehrt, in Organe eindringt und diese dann schädigen kann. Eine Impfung, die eine Herdenimmunität aufbaut dadurch, dass sie die Übertragung des Virus verhindert, ist gerade für besonders empfängliche Personen, die zum Beispiel eine Chemotherapie durchmachen, oder Ältere, deren Immunsystem schwach ist oder auch sehr junge Kinder, Säuglinge, die ein noch unerfahrenes Immunsystem haben, von ganz besonderer Bedeutung. Diese vulnerablen Personengruppen profitieren von hohen Durchimpfungsraten, weil die Gefahr, dass sie infiziert werden, proportional damit abnimmt, wie viele Personen sich in der Umgebung haben impfen lassen. Letztendlich ist es mit Impfungen, die die Übertragung verhindern, möglich, dass Erkrankungen, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, ausgerottet werden, weil sie sich nicht mehr ausbreiten können — zum Beispiel Pockenerkrankung oder Masern.

Warum gibt es in den letzten Jahren dann immer mehr Menschen, die Impfungen ablehnen und sich nicht impfen lassen. Als Gründe dafür werden immer wieder Impfschäden, die nach Impfungen auftreten, angeführt. In Wirklichkeit sind Impfschäden rar, sehr rar, aber in der medialen Wirkung sehr dominant. Impfschäden, auch vermeintliche Impfschäden, lösen emotionale Riesenwellen aus und verunsichern. In sehr wenigen Fällen kommt es nach der Verabreichung einer Impfung tatsächlich zu einer über eine Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung, eben zu einem sogenannten Impfschaden. Solche Impfschäden sind durch das Österreichische Impfschadensgesetzt abgedeckt. Nur um eine Idee von der Häufigkeit von Impfschäden zu bekommen: derzeit werden in Österreich jährlich 3,5 bis 4 Millionen Impfungen im kostenfreien Impfkonzept durchgeführt. In den letzten 5 Jahren wurden etwa 17,5 bis 20 Millionen Impfungen in Österreich durchgeführt. Diesen rund 20 Millionen Impfungen stehen im selben Zeitraum drei anerkannte Impfschäden gegenüber. In den fünf Jahren davor, also von 2010 bis 2014, waren es 7 Anerkennungen.  Dabei gibt es bei der Anerkennung eines Impfschadens eine juristische Besonderheit: Um als Impfschaden anerkannt zu werden, bedarf es – anders als bei zivilgerichtlichen Ansprüchen, wo ein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden muss – beim Impfschadensgesetz keines Beweises einer Kausalität zwischen der Impfung und der dadurch hervorgerufenen Gesundheitsschädigung. Das Gesetz verlangt lediglich die Wahrscheinlichkeit der Kausalität. Und: Die überwiegende Anzahl der anerkannten Impfschäden der letzten 20 Jahre sind auf die derzeit nicht mehr verfügbare Tuberkulose-Impfung zurückzuführen gewesen. Impfungen gehören damit zu den sichersten medizinischen Vorbeugemaßnahmen. Sie sind ein wichtiger Beitrag zum Schutz vor Infektionserkrankungen.

Aus den Augen, aus dem Sinn: mit dem Verschwinden von Infektionserkrankungen sinkt auch das Risikobewusstsein und damit auch die Motivation, sich gegen die Erkrankung zu schützen. Früher, als von vier Kindern eines an einer Infektionserkrankung gestorben ist, als jede Familie ein Kind mit  Kinderlähmung aus der unmittelbaren Umgebung gekannt hat, war die Motivation hoch, sich gegen die Erkrankung impfen zu lassen. Mit dem Erfolg der Impfungen, dem Verschwinden oder dem Rückgang von Erkrankungen, gegen die geimpft wird, verschwindet auch die Motivation sich impfen zu lassen.

Bei manchen ist es auch einfach das Vergessen auf die Impfung. Der elektronische Impfpass, der heuer noch in ganz Österreich eingeführt werden wird, kann dabei natürlich helfen, er erinnert an die notwendigen Impfungen und ist damit nicht mehr zu verlegen oder zu verlieren. Er ist damit ein Dokument, das wir immer – schlimmstenfalls nur im Internet – haben.

Impfungen sind ein großer Segen, sie haben Millionen von Menschen das Leben gerettet, sie haben Millionen Menschen vor schwerwiegenden Beeinträchtigungen bewahrt. Vielleicht lernen wir Impfungen in einer Zeit, in der wir mit einer Viruserkrankung, wie SARS-CoV-2 konfrontiert sind, auch andere Impfungen, die wir haben und die wir nur anwenden müssen, wieder mehr zu schätzen. Impfungen, die wir als selbstverständlich angenommen haben und die wir gelegentlich vergessen haben.

 

 

 


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