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Jugendliche im Umgang mit Hass und Gewalt im Netz: Eingreifen oder Ignorieren?

von Dr.in Christiane Atzmüller

Elternbildung
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Soziale Medien sind für Kinder im Jugendalter zur Erfüllung ihrer Entwicklungsaufgaben besonders wichtig geworden, zum Beispiel zur Vernetzung und Beziehungspflege mit Gleichaltrigen, oder als kreative Ausdrucks- und Selbstdarstellungsmöglichkeit durch Fotos, Videos und Texte. Gleichzeitig ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihr Kind im Internet auch mit zahlreichen negativen Inhalten konfrontiert wird, dazu zählt insbesondere die Begegnung mit digitaler Gewalt.

Eine aktuelle Studie der Universität Wien Universität Wien[1] zeigt, dass fast alle (96%) der befragten 14- bis 19-jährigen Wiener Jugendlichen schon einmal negative Inhalte im Internet beobachtet haben, etwa zwei Drittel (63%) haben bereits Opfererfahrungen mit Online Übergriffen gemacht und ein Drittel (32%) berichtet auch von eigenen Erfahrungen als Täterin oder Täter. Die Bandbreite an Online Übergriffen ist groß, wie z.B. öffentliche Beleidigungen und Bloßstellungen, Beschimpfungen, Belästigungen, Hasspostings, Verbreitung von gezielten Falschmeldungen, ungewollte Konfrontationen mit Schockvideos, pornographischen, rassistischen oder illegalen Inhalten, unautorisierte Veröffentlichungen von persönlichen oder manipulierten Bildern oder Videos, missbräuchliche Verwendung von persönlichen Inhalten oder Accounts, Online-Stalking bis hin zu digital übermittelten physischen Gewalt- oder Tötungsandrohungen.

Warum soll Online Zivilcourage unter Jugendlichen gefördert werden?Elternbildung

Digitale Gewalt wird häufig von Jugendlichen an Jugendlichen ausgeübt und fällt aufgrund der virtuellen Distanz, der vielfältigen medialen Möglichkeiten und einer zunehmenden Enthemmung von Täterinnen und Tätern oft noch massiver aus als im realen Alltag. Obwohl digitale Gewalterfahrungen für Jugendliche durch die permanente Verfügbarkeit des Internet und der öffentlichen Zurschaustellung vor einem großen Online Zuschauerkreis besonders belastend sind, werden Online Übergriffe in der Regel nicht an Erwachsene weitergeleitet: Aus Angst vor möglichen Konsequenzen (z.B. Verbot der Internetnutzung), aus Scham (z.B. weil man selbst unangemessene Inhalte online gestellt hat), aber auch, weil Jugendliche Erwachsenen Unkenntnis im Umgang mit jugendlichen Online Welten unterstellen (z.B. Erwachsene können aus Sicht von Jugendlichen Online Übergriffe nicht einschätzen und reagieren überzogen oder falsch).

Besonders hohes eskalationsvermeidendes, aber auch -fördernde Potenzial kommt daher dem großen Online Zuschauerkreis zu, also jenen Jugendlichen, die Online Übergriffe bei anderen beobachten: Diese können beispielsweise durch Weiterverbreitung entwürdigender Bilder zur Verstärkung der belastenden Situation beitragen, indem sie sich zum Beispiel über das Opfer lustig machen, oder sich zivilcouragiert für die betroffene Person einsetzen, ihr beistehen oder versuchen, die Täterin bzw. den Täter zu stoppen. Bisherige Studien zeigen allerdings, dass Jugendliche wahrgenommene Online Übergriffe in der Regel ignorieren – Online Zivilcourage ist unter Jugendlichen praktisch kein Thema.

Was hindert Jugendliche daran, sich im Internet für Gleichaltrige einzusetzen?Elternbildung

Im Forschungsprojekt „Zivilcourage 2.0“ wurde untersucht, was Jugendliche am zivilcouragierten Handeln in Online Kontexten hemmt bzw. wie dieses gefördert werden kann. Die Gründe, die Jugendliche an Online Zivilcourage hindern sind vielfältig und je nach Geschlecht und Bildung unterschiedlich stark ausgeprägt: Zu nennen sind mangelnde Empathiefähigkeit bei der Wahrnehmung von Online Übergriffen und Geringschätzung der Schwere digitaler Gewalt im Vergleich zu analoger Gewalt; geringe Überzeugung, dass das Eintreten für andere in Online Umgebungen richtig oder notwendig ist; mangelnde Bereitschaft in Online Umgebungen die Verantwortung für das Eingreifen zugunsten anderer zu übernehmen; Unsicherheiten in der Bewertung von Online Übergriffen und Schwierigkeiten bei der Abschätzung des eigenen Interventionsrisikos. Ein besonders zentrales Problem ist, dass Jugendliche gängige Handlungsoptionen wie die Nutzung verfügbarer Meldefunktion in Sozialen Netzwerken oder Kommentieren schlicht als wirkungslos empfinden und sich mit zunehmender Internetnutzung offenbar die „Kompetenz“ angeeignet haben, Online Übergriffe nicht mehr ernst zu nehmen.

Wie können Eltern Ihr Kind im Umgang mit Hass und Gewalt im Internet unterstützen?Elternbildung

Um Online Zivilcourage unter Jugendlichen zu fördern, haben die im „Zivilcourage 2.0“-Projekt involvierten Praxispartner*innen (siehe dazu die Hinweise mit Links) nicht nur Online Zivilcourage Schulungs- und Trainingsformate entwickelt, sondern auch kostenlos verfügbare Informationsmaterialien für Jugendliche ausgearbeitet, wie z.B. der Flyer „Trau dich und greif ein!“ oder ein Online Zivilcourage Quiz, damit Jugendliche das eigene Wissen und Verhalten ausprobieren können.

Darüber hinaus können aber auch Sie als Eltern viel bewirken:

  • Kinder brauchen gerade am Beginn ihrer Internetnutzung Unterstützung beim kompetenten und sicheren Umgang im Internet. Dazu gehört neben dem Wissen zum sensiblen Umgang mit persönlichen Daten und der Verwendung verfügbarer Sicherheitseinstellungen auch der verantwortungsvolle und richtige Umgang mit negativen Inhalten. Sprechen Sie Ihr Kind altersgerecht darauf an, was es tun soll, wenn es auf Opfer von Hass oder Cybermobbing aufmerksam wird oder wenn es vielleicht sogar selbst einmal davon betroffen sein wird. Machen Sie ihrem Kind klar, dass Cybermobbing-Vorfälle für Opfer oft schlimmer sind als Übergriffe im realen Leben und daher auf jeden Fall ernst zu nehmen sind. Verdeutlichen Sie, dass Übergriffe im Internet keine zu akzeptierende Normalität sein dürfen und dass das Internet keinen rechtsfreien Raum darstellt.
  • Besonders Kinder im Jugendalter, die schon länger das Internet verwenden, fühlen sich bei der Internetnutzung oft kompetenter als Erwachsene. Auch wenn es ihnen schwerfällt, Gefahren oder die Tragweite von Online Übergriffen einzuschätzen und richtig damit umzugehen, werden Erwachsene nur in selten Fällen involviert. Überlegen Sie, wie Sie Ihren Zugang zu ihrem jugendlichen Kind gestalten können, um bei Online-Übergriffen die Chance zu erhöhen, als Elternteil einbezogen zu werden. Versuchen Sie regelmäßig Einblick in die Online Welt ihres Kindes zu erhalten, indem Sie sich positiv und interessiert z.B. über Onlineaktivitäten und –freundschaften, oder über Surfgewohnheiten und Interessen (z.B. auch über beliebte YouTube- oder Instagram-Stars) unterhalten. Versuchen Sie, nicht wertend zu sein sondern zu verstehen, welche Bedeutung das Internet für Ihr Kind hat.
  • Kinder und Jugendliche sollten wissen, dass sie ihre Eltern oder andere erwachsene Vertrauenspersonen als Unterstützung hinzuziehen können, wenn sie sich entweder für andere Online Opfer zivilcouragiert einsetzen möchten oder wenn sie selbst zum Opfer geworden sind. Ein solches Verhalten sollte positiv unterstützt werden ohne dass ihnen ein Internetverbot droht oder sie sich für ihr eigenes Online-Verhalten schämen müssen. Kinder brauchen auch Unterstützung, um mögliche Negativerfahrungen zu verarbeiten.
  • Besonders wichtig ist es, Ihr Kind auf das Angebot an Meldestellen – insbesondere die Nutzung der Meldefunktionen in den Sozialen Netzwerken – und Beratungsstellen, wie z.B. Saferinternet oder Rat auf Draht hinzuweisen, wenn sich Ihr Kind lieber an Außenstehende richten oder anonym bleiben will. Auch Eltern können bei diesen Einrichtungen Unterstützung suchen, besonders dann, wenn es Ängste oder Unsicherheiten gibt, wie zivilcouragiert eingegriffen werden kann oder wenn in schweren Fällen ein Eingreifen auch nicht zumutbar ist. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über verschiedene Möglichkeiten sowohl im Internet (z.B. Vorfall melden, Opfer kontaktieren) als auch im realen Leben (z.B. sich an Beratungsstellen wenden, Lehrerinnen und Lehrer informieren) zu handeln und versuchen Sie insgesamt die Handlungskompetenzen Ihres Kindes zu erweitern. Machen Sie deutlich, dass je mehr Menschen Online Zivilcourage zeigen, desto größer ist die Chance, dass das auch Wirkung zeigt.
  • Prüfen Sie inwieweit Sie in Ihrem eigenen Internetverhalten Vorbild sind. Wie steht es um ihre eigene Online Zivilcourage? Versuchen Sie, das Selbstverständnis von Zivilcourage im Alltag insgesamt zu fördern.

Downloads und Links:Elternbildung

Kann als Download angefordert werden unter soziologie@univie.ac.at

Praxispartner*innen im Zivilcourage 2.0 Projekt für Online Zivilcourage Schulungen und Trainings

  • Österreichisches Institut für Angewandte Telekommunikation – ÖIAT/Saferinternet.at: saferinternet.at
  • Mauthausen Komitee Österreich – MKÖ: zivilcourage.at
  • Bundesministerium für Inneres (BM.I), Büro 1.6 Kriminalprävention und Opferhilfe des Bundeskriminalamts: under18.at

Beratungsstellen:Elternbildung

  • Saferinternet.at: bietet eine Vielzahl an Informationen zu verschiedenen Themen rund um digitale Medien (z.B. zu Cyber-Mobbing, Datenschutz, problematischen Inhalten im Netz): www.saferinternet.at
  • Rat auf Draht: kostenloser, anonymer 24h-Notruf für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen: Telefonnummer: 147 (ohne Vorwahl), Online-Beratung oder Chat (jeden Freitag 18-20 h)
  • Kinder- und Jugendanwaltschaft: nützliche Kontaktadressen, Angebote und Themen rund um die Rechte von Kindern und Jugendlichen: Telefonnummer für Wien: 70 77 000, Montag bis Freitag: 9 bis 16 Uhr
  • Internet Ombudsmann: kostenloses Angebot für Unterstützung bei Problemen rund um das Internet: z.B. wenn private Daten im Internet auftauchen oder wenn der eigene Account gehackt wurde: https://ombudsmann.at/

Kostenlose Informationsmaterialien für Jugendliche:Elternbildung

 

[1] Zivilcourage 2.0 –  Zivilcourage von Jugendlichen im Umgang mit wahrgenommener Gewalt im Internet. Gefördert durch das KIRAS Sicherheitsforschungsprogramm der FFG, Laufzeit: 01.03.2017 bis 31.05.2019


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