Zum Inhalt Zum Menü
Farbiger Bogen Farbiger Bogen Ei Schwerpunktthemen Zahnrad Lupe Share on Twitter Twitter Logo Share on Facebook Facebook Logo Share via E-Mail E-Mail Pfeil lang Pfeil nach unten Pfeil nach links Pfeil nach rechts Karte mit Marker Newsletter Links Bestellservice Literaturtipps Studien Elternbildung Login/Logout Hand Schließen Marker mit Hand YouTube Ei-Rahmen für Bilder info forum head helpdesk home info list logout message student task upload add burger burger_close courses delete download edit check link media preview preferences-elearning image share play-store-icon app-store-icon

Mythen und Realität

von Herbert Rosenstingl

Die Diskussion rund um Computer- und Konsolenspiele wird in der Öffentlichkeit gelegentlich sehr emotional geführt. Wissenschaftliche Fakten mischen sich mit Werthaltungen, Befürchtungen und manchmal auch ideologische Positionen. Für Eltern und Erziehende ist das nicht gerade hilfreich, sondern sorgt für Verunsicherung. Im Folgenden werden daher einige Mythen, die sich immer wieder finden, auf ihren Realitätsgehalt hin überprüft:

Computerspiele machen aggressiv

Einige Studien zeigen tatsächlich, dass (junge) Menschen, die viele "Gewalt-Spiele" zocken auch aggressiver seien. Einen tatsächlichen allgemeinen Zusammenhang im Sinne von "Ursache und Wirkung" konnte allerdings noch niemand nachweisen. Diese Studien geben darüber keine Auskunft. In Experimenten wird versucht, diesen Nachweis zu liefern: man lässt Menschen spielen und überprüft, ob sie nachher "aggressiver" sind. Die Ergebnisse sind aber "nicht schlüssig" auf langfristige Wirkungen zu übertragen, da eine gewisse Erregung nach einem aufregenden Spiel ja schließlich zu erwarten ist. Das gilt für jedes Fußball-Match ebenso… Zudem hat sich herausgestellt, dass je länger im Experiment die Spielzeit ist, desto geringer (!) ist die Aggressionswirkung. Mit anderen Worten: Das Abbrechen mitten im Spiel scheint eher für höhere Aggression verantwortlich zu sein als die Gewaltdarstellungen. Bezüglich der Frage, was über längere Zeit passiert, ist eine Wirksamkeit im Sinne einer "Medienauswahl" viel deutlicher nachzuweisen. Das bedeutet: wer bereits aggressiver ist wird ein Jahr später tendenziell mehr "gewalthaltige" Games spielen.
In zwei Punkten sind sich die Studien aber einig: 1. Spiele für Ältere (also mit einer USK- oder PEGI-Freigabe ab 16 oder 18 Jahren) gehören keinesfalls in die Hände von Kindern oder jungen Jugendlichen! Und 2. Bei Menschen, die Probleme mit Gewalt haben (weil sie z.B. als Kind schwer geschlagen wurden oder einen Krieg erlebt haben) können "Gewalt-Spiele" diese Probleme verstärken.

Games machen dumm

Wer nur und ausschließlich zockt, leistet wohl tatsächlich kaum einen Beitrag zur eigenen Bildung und Intelligenz. Computerspiele als Teil von vielen unterschiedlichen (Freizeit-)Beschäftigungen können jedoch im Gegenteil sogar positives Auswirkungen bringen: sie fördern die Geschicklichkeit, die Reaktionsgeschwindigkeit, die "Raumvorstellung", das logische Denken, manchmal sogar die Team-Fähigkeit, Kommunikation, und vieles mehr. Wichtig ist aber, dass es neben den Spielen noch möglichst viele andere Gelegenheiten gibt, diese Fähigkeiten einzusetzen und zu trainieren.

Computerspiele machen dick

Bewegungsmangel und falsche Ernährung machen dick! Kinder, die nach der Schule nur noch zu Hause vor dem Bildschirm sitzen und Pizza und Cola zu sich nehmen, haben tatsächlich Probleme mit dem Gewicht zu befürchten. Wer aber auch regelmäßig Sport betreibt und gesunde Sachen isst, kann ruhig auch am Computer spielen ohne Angst vor der Waage.

Games machen einsam

Auf den ersten Blick mag es so aussehen: Da ist ja nur der Bildschirm und davor das Kind, sonst niemand. Tatsächlich ist es aber so, dass viele der besonders beliebten Spiele Multiplayer-Spiele sind oder zumindest einige Online-Elemente bieten. Das gemeinsame Tun und Erleben stehen da sogar im Mittelpunkt! Und auch bei reinen Solo-Spielen ist es so, dass Kinder und Jugendliche viel mit anderen über die Spiele reden: wie toll das Abenteuer war, welcher Highscore erreicht wurde, oder welche Tipps und Tricks bei diesem fiesen Endgegner helfen …

Computerspiele machen süchtig

Computerspiele machen Spaß. Und das ist gut so! Wenn aber das restliche Leben scheinbar nur noch Frust bietet, dann ist die Versuchung groß, in die "Welt" der Spiele zu flüchten. Eine Welt, die eben Spaß macht, in der es egal ist, wie ich ausschaue und was ich sonst tue und kann, in der ich Erfolg habe… Hier ist es eine große Verantwortung aller Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, auf entsprechende Anzeichen zu achten. Das gilt ganz besonders für die Familie! Wenn sich das Kind plötzlich nicht nur von der Familie zurückzieht sondern auch keine Aktivitäten mit dem Freundeskreis zeigt, sondern nur noch spielt, dann geht es ihm oder ihr vielleicht gerade gar nicht gut. Dann ist es wichtig, nicht aufzugeben sondern immer wieder zu gemeinsamen Aktivitäten einzuladen. Das ist natürlich gerade bei Pubertierenden schwierig, da sich die ja – als ganz normale Entwicklung – von den Eltern zurückziehen. Darum ist es besonders wichtig, das Computerspiel nicht als "Feind" zu sehen und es gar verbieten zu wollen. Viel eher kann durch Anerkennung von Leistungen – auch beim Spielen! – eine Vertrauensbasis geschaffen werden, die gemeinsame Aktivitäten erst ermöglicht.

Games schränken die Fantasie ein

Wer selbst nicht zockt, glaubt vielleicht, dass Games "passiv konsumiert" werden, dass die Spielenden eigentlich "gar nix tun müssen, nur ein paar Knöpfe drücken", dass Games keine Geschichten erzählen oder gar die Fantasie anregen. Gute Spiele benötigen aber sogar eine Menge Fantasie, um sie überhaupt erst spielen zu können. Da sind einmal die oft fantastischen, bunten, lustigen oder spannenden Spielewelten! Außerdem müssen die Spielenden andauernd neue Wege suchen, durch das Spiel zu kommen und die Aufgaben zu lösen. Aber natürlich braucht auch die Fantasie Abwechslung und Anregung in verschiedenster Form. Wer aber nicht nur vor dem PC oder an der Konsole sitze, für die oder den sind Spiele eine gute weitere (!) Möglichkeit, die eigene Fantasie zu entfalten.

Games spielen nur Burschen

Kein Zweifel, Games sind (noch) von Burschen dominiert. Nur etwa jeder Zehnte der männlichen aber jede Dritte der weiblichen Jugendlichen geben an, nie zu zocken. Umgekehrt bedeutet das aber, dass Zweidrittel der Mädchen und jungen Frauen sehr wohl zumindest gelegentlich spielen. Und es werden immer mehr! Was auch damit zusammen hängt, dass in den letzten Jahren immer mehr Spiele mit neuen Themen und Inhalten gemacht werden: Neben dem Autorennen gibt es auch den Ponyhof, neben dem Kriegsspiel auch die Sims, neben der Fußball-Simulation auch das Singspiel. Manche Mädchen wollen dann nach dem Singen irgendwann auch gerne mal ein Rennauto über die Piste jagen und so mancher Bub stellt fest, dass auch Springreiten gar nicht so einfach ist … Hier liegt es auch in der Verantwortung der Erziehenden, stereotype Geschlechterrollen sowohl durch das Vorbild wie auch durch eine bewusste Auswahl an Spielen zu durchbrechen.


Kommentare

Derzeit gibt es noch keine Kommentare zu dieser Stimme


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Mehr erfahren