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Ein Vorwurf ist ein Wunsch, hinterher

von Claudia Moser

Nur wenn wir unsere Wünsche formulieren, hat unser Gegenüber die Chance, sie zu erfüllen. Und nur, wenn wir genau hinhören und hinschauen, können wir die Bedürfnisse unseres Gegenübers erkennen.

Kommunikationsmuster entstehen.
Kommt Ihnen folgende Situation bekannt vor? Aus einem erfreulichen Anlass sitzt die Familie am Tisch, es gibt etwas zu feiern. Wie bei einem Tanz folgt der Gesprächsverlauf einem bestimmten Weg, findet einen gemeinsamen Takt. Bewusste Themen werden nur oberflächlich gestreift oder rechtzeitig abgebogen; wo man sich einig ist, hält man sich gerne auf. Nur in der Küche treffen sich immer wieder zwei, die etwas zu bereden haben. Die Stimmung am Ende des Treffens ist angespannt, aber selbstverständlich treffen alle sich bald wieder.

Was ist hier geschehen? In unseren Familien und unserem sozialen Umfeld entwickeln sich mit der Zeit bestimmte Kommunikationsmuster, die sich als praktikabel erweisen. So ergibt sich zwischen der Erziehungsperson und dem Kind zumeist eine fürsorgliche und auch weisende Beziehung. In der Phase der Pubertät wird diese Beziehung hinterfragt und im besten Fall auf neue Beine gestellt. Die Kommunikation basiert auf vielen „Insidern“, das heißt auf eingeübten, oft wiederholten Mustern. Das umfasst sowohl die direkten gesprochenen Reaktionen als auch Mimik und Gestik – man kennt sich eben schon lange und kann das Gegenüber einschätzen. Wir gewinnen so einen gewissen Grad an Sicherheit und Verlässlichkeit im Umgang miteinander. Aufgebrochen werden diese Muster, wenn…

Familien wachsen.
Die Pubertät bringt viele Neuerungen mit sich – unter anderem geht das Kind neue Beziehungen ein und findet nach mehr oder weniger Versuchen und Jahren den oder die Richtige/n an seiner Seite. Diese Veränderungen betreffen mehrere Aspekte: Emotionen wie Eifersucht, Sorge, Freude, Trost spielen eine große Rolle, aber auch organisatorisch muss sich die Familie an die jeweils neue Situation anpassen. Dem/der Neuen stellt sich die schwierige Aufgabe, sich im etablierten Familienkonstrukt einzufügen. Alte Muster werden an die Gegebenheiten adaptiert, neue Kommunikationsabläufe entstehen.

Ein kleines Wunder geschieht, wenn ein Kind eine Familie erweitert. Eine neue Kernfamilie entsteht, die Eltern bilden mit dem Kleinen eine neue Einheit, die Beziehungssysteme verändern sich erneut.

Im Mittelpunkt steht der Sohn/die Tochter; die Eltern, die Großeltern und Verwandte und Freunde beginnen sich zu formieren. Diese Veränderung bringt mit sich, dass sich auch die Beziehung der frischgebackenen Eltern zu ihren eigenen Eltern wiederum neu ausrichtet. Auf der einen Seite stehen die Eltern vor einer völlig neuen Herausforderung und suchen in der vertrauten Beziehung den Rat der eigenen Erzieher – sie haben es schließlich schon geschafft. Andererseits ist die Zeit heute eine andere, es stehen der Freundeskreis, die Ärzteschaft und viele weitere Quellen mit immer aktuelleren Informationen bereit.

Ein Wechselspiel mit vielen Beteiligten.
Durch’s Reden kommen die Leute zusammen, doch manches Mal haben wir das Gefühl der Einmischung, der gegenseitigen Belehrung oder sogar einer schwammigen Oberflächlichkeit in unseren Gesprächen. Die eingefahrenen Kommunikationsautobahnen erfüllen zwar ihre Aufgabe, doch werden Selbstverständlichkeiten nicht mehr ausgesprochen oder notwendigen Anpassungen nicht gemacht. Wir gehen davon aus, dass unser Gegenüber uns so gut kennt, dass er/sie doch wissen muss, was wir wollen – und wir selbst sich uns sicher zu wissen, wie der/ andere denkt. Außerdem fällt es uns oft schwer, über unsere tatsächlichen Wünsche und Anliegen zu sprechen. Die eigenen Bedürfnisse offen zu legen, macht uns angreifbar und verletzlich und kostet uns Einiges an Überwindung.

Den Zeitpunkt für ein offenes Gespräch zu finden, gestaltet sich mitunter schwierig. Unser Alltag ist vollgestopft mit Terminen und wichtigen Dingen, die zu erledigen sind. Pausen und Erholungsphasen werden kürzer, entspannte Situationen müssen mit der Lupe gesucht werden. Doch liegt etwas in der Luft, ist der effektivste und gleichzeitig schwierigste Weg ein Gespräch.

Ich muss mit Dir reden.
Schon alleine die Formulierung ruft Gänsehaut und/oder eine leichte Abwehrhaltung hervor. Doch wie soll man dann etwas ansprechen, das einem im Magen liegt? Wie sage ich meinem Kind, dass ich mir Sorgen mache? Dass ich mit dem Erziehungsstil nicht immer einverstanden bin? Dass mein Enkel zu viel Süßes isst? Dass ich gerne mehr Zeit mit meiner Tochter/meinem Sohn verbringen möchte?

Hier einige Punkte, die unterstützend wirken können:

  • Gesprächsbereitschaft erfragen: Passt es für mein Gegenüber jetzt, sich mit mir auseinanderzusetzen, mir zuzuhören, mit mir zu reden? Hat er/sie überhaupt Zeit, sich entspannt mit mir zu unterhalten?
  • Persönlich bleiben: Ernst genommen werden wir dann, wenn wir von uns selbst sprechen und uns nicht auf Floskeln und Allgemeinweisheiten verlassen.
  • Beobachtungen und die Wirkung auf sich selbst beschreiben: Auf Verständnis und Nachvollziehbarkeit werde ich dann stoßen, wenn ich meine Beobachtungen an Situationen und Tatsachen festmachen kann.
  • Interpretationen unterlassen: Wenn das Gegenüber schon vorgegeben bekommt, was er/sie zu fühlen und zu denken hat, wird das Gespräch schnell im Keim erstickt.
  • Fragen stellen: Je offener eine Frage gestellt wird, desto freier kann mein Gegenüber antworten und desto mehr Information kann ausgetauscht werden.
  • Aufmerksam zuhören: Einerseits ist es nicht zwingend notwendig, gleich eine Lösung zu finden, sondern es tut gut, einfach seine Sorgen und Belastungen aussprechen zu können. Andererseits kann eine für alle zufriedenstellende Lösung nur dann gefunden werden, wenn man gegenseitig die Wünsche und Anliegen kennt.

Und wie jetzt.
Stellen Sie sich vor, Ihr Enkel war am Wochenende bei Ihnen. Zuhause erzählt dann das aufgekratzte Enkerl den Eltern, wie toll es bei der Oma/dem Opa war, und Sie sind auch sehr stolz, dass sie so eine gute Beziehung haben. Im Laufe der Erzählung merken Sie, wie sich die Lippen der Eltern leicht zu einem Strich ziehen und die Augenbrauen sich verdüstern. Die Luft knistert. Das Kind verzieht sich zum Spielen in das eigene Zimmer und Sie sind angespannt, denn Sie wissen genau, was kommt.

Die Reaktionsmöglichkeiten sind jetzt zahlreich: Sie können schon vorweg die Schuld auf sich nehmen, dass es zum Frühstück ein Brot mit süßem Aufstrich gab, Süßes ja eigentlich verboten war, aber Sie werden beim nächsten Mal ganz anders. Sie können in die Verteidigungshaltung gehen und sich rechtfertigen, dass das Kind nichts Anderes wollte, und es sollte doch etwas essen und so weiter. Oder Sie gehen gleich in den Angriff über, denn Sie wissen natürlich, dass das eine Mal als Ausnahme durchaus nichts Schlimmes ist.

Auch die Eltern haben mehrere Möglichkeiten: Vorwurfsvoll darauf hinweisen, dass die Abmachung eine andere war. Wütend und enttäuscht sein, dass die Großeltern nicht am gleichen Strang ziehen. Traurig auf die Vergangenheit verweisen, dass Oma/Opa das Kind ständig verwöhnen und die Eltern immer in den Augen des Kindes die Vermieser spielen.

Idealerweise atmen jetzt alle Beteiligten vor dem Gespräch einmal tief durch und werden sich der Situation bewusst. Die Eltern beschreiben, wie der Morgen in der Regel abläuft, was das Kind zu essen bekommt. Dann erzählen die Großeltern, wie bei Ihnen der Morgen ablief und wie es dazu kam, dass das Kind das süße Brot bekommen hat. Die Eltern legen dar, warum sie das Frühstück im Normalfall so halten und äußern den Wunsch, dass in den folgenden Situationen dies auch so eingehalten wird. Die Großeltern stimmen dem zu. Sie sprechen auch über ihr Bedürfnis nach einer liebevollen Beziehung zum Enkerl und wünschen sich, das Enkerl ab und zu richtig verwöhnen zu dürfen. Das Bedürfnis nach Anerkennung der Elternrolle auf der einen Seite sowie das Bedürfnis nach einer liebevollen Großeltern-Enkel-Beziehung sind durchaus nachvollziehbar……

Ungewohnt? Ich wünsche spannendes Ausprobieren!

 


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