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Erinnerungen an die Karenzzeit mit meiner Tochter

von Mag. Bernhard Jungwirth

Antworten auf die Frage: „Wie war’s?“

Ich hatte die Möglichkeit, knappe fünf Monate in Väterkarenz zu gehen und mich um meine Tochter Mathilda im Alter zwischen 12 und 17 Monaten intensiver zu kümmern.
Im Blick zurück ist eigentlich alles ganz einfach. Der gemeinsam erlebte Alltag, die gemeinsame Zeit stärkt die Beziehung. Das Erlebte ist ungemein wertvoll. Und ich möchte die Erfahrung keinesfalls missen. Kann ich die Väterkarenz weiterempfehlen? Auf jeden Fall! So ungefähr habe ich mir das erhofft und eigentlich auch erwartet. So ungefähr war es dann auch. Das ist in etwa die kurze Version meiner Antwort auf die Frage „Wie war’s?“.
Bei der längeren Version fahre ich dann oft mit einem „Aber“ fort.
„Aber“, ganz ehrlich, es war auch manchmal langweilig Bauklötze übereinander zu stapeln, mit Rasseln akustische Späße zu treiben und „Unterhaltungen“ zu führen, die niemals darauf ausgerichtet sind in Worte gefasste Antworten zu erhalten.
„Aber“ es war auch manchmal anstrengend – nicht geistiger Natur, aber dennoch fordernd. Es war eine neue Erfahrung fast einen ganzen Tag lang jedes Handeln auf einen anderen Menschen auszurichten – bis hin zum Toilettengang – und in keinem Moment etwas tun zu können ohne eine unmittelbare Reaktion zu erhalten. Das ist auf eine ganz andere Art und Weise anstrengend als der Arbeitsalltag. Es lebe der gesunde Mittagsschlaf!
Kein Wunder also, begann ich auch zu begreifen, dass Eltern so gerne Spazierengehen. Spazierengehen ist die optimale Möglichkeit, um die Selbstbestimmtheit zurückzuerobern. Klingt absurd angesichts eines von mir so abhängigen Menschen, hab ich mir aber trotzdem gedacht. Ich kann bestimmen – im wahrsten Sinne des Wortes – wo es lang geht. Idealerweise kombiniert man Spazierengehen mit Einkaufen, einer zusätzlich äußerst willkommenen Abwechslung. Warum nicht zweimal täglich in das Geschäft ums Eck? In diesem Alter werden die Süßigkeitsregale ja noch links liegen gelassen. Und es gibt noch keinen Diskussionsaufwand mit dem Kind. Dafür aber mit der Mutter, als sie höhnisch kommentierte: „Ich wusste gar nicht, dass du so ein Shopping Victim bist!“
Teil der längeren Antwort auf die Frage „Wie war’s?“ ist manchmal auch ein Eingeständnis. Ein Eingeständnis darüber, dass die Väterkarenz-Zeit nicht nur eine wunderbare gemeinsame Zeit mit meiner Tochter war, sondern auch eine für mich ganz persönlich wohltuende Abwechslung, eine entlastende Pause vom Stress des Arbeitsalltags. Ich mache meinen Job ausgesprochen gerne. Aber ein zeitweiliges Ausklinken kann eine große persönliche Bereicherung sein. Auch wenn Organisation enorm hilft, ein Karenztag mit To- Do-Liste ist ein verlorener.
Ich erinnere mich noch genau, als ich in der ersten Woche an einem Wochentag vormittags(!) mit Mathilda Spazieren gegangen und in ein Kaffeehaus eingekehrt bin.  Ich habe es großartig gefunden, an einem Vormittag ziellos durch die Stadt zu schlendern, Kaffee trinken zu gehen, an keine Termine denken zu müssen, keine E-Mails am Handy abzurufen… Ich hatte ein wenig das Gefühl, eine Verbündete gefunden zu haben, mit der das plötzlich möglich ist.
Daraufhin ernte ich oft fragende Blicke, ob denn die Väterkarenz bloß eine willkommene, wenn auch manchmal eintönige Abwechslung vom Arbeitsalltag gewesen sei? So ist das „aber“ dann allerdings nicht gemeint, bei meiner Antwort auf die Frage „Wie war’s?“.
Denn die Zeit zuhause mit Mathilda war vor allem die einmalige Gelegenheit – auch, wenn das bestimmt eine Geschichte voller Missverständnisse war – ein besseres Gespür für ihr Wesen zu bekommen, zu erleben, was in ihr Freude auslöst, ihre verschiedensten Spielarten von guter und schlechter Laune einordnen zu können, ja, zu glauben, so etwas wie Charakterzüge erkennen zu können. Es war auch wunderbar ein neues Gefühl von Verantwortung kennen zu lernen. Wirklich die erste Bezugsperson für einen so jungen Menschen zu sein, auch der zu sein, der die kleinen Erziehungsaufgaben dieses jungen Alters wahrzunehmen versucht. Zu sehen, dass Mathilda und ich uns ein Stück weit eine eigene Welt schaffen – die anders ist als die von Mutter und Tochter und anders ist als jene zu dritt. Dass diese Verantwortung aber auch heißt, sich um profane Aufgaben zu kümmern: Impfen gehen, Kindergärten anschauen, Baby-Gewand einkaufen etc. All das hat der Liebe zu meiner Tochter ein konkreteres „Gesicht“ gegeben. Es hat auch mein Selbstbild von mir als Vater mit Leben gefüllt.
Dass meine Freundin mir das alles auch wirklich zugetraut hat, hat es für mich sehr erleichtert. Apropos, ich musste mich auch immer wieder erinnern, dass in der Zeit als sie in Karenz war, ich mir immer wieder dachte, warum sie denn bloß dieses oder jenes nicht  auch noch erledigt hat. Nun, ich fand’s heraus. Es geht sich oft einfach nicht aus.
Neugierig war ich auch darauf, wie das jetzt wirklich auf den Spielplätzen ist, vor allem als einer der wenigen Väter in diesen Mütter-Zirkeln. Zunächst sei gesagt, dass ich nur selten der einzige Vater war, was am Anfang den Reflex bei mir auslöste, schnell mit anderen Vätern ins Gespräch kommen zu wollen. Welch Überraschung: Rasch stellte ich fest, dass die Gemeinsamkeit des Vaterseins nicht unbedingt für wechselseitige Sympathie reicht. Außerdem ist es enden wollend spannend, zum x-ten Mal die üblichen Fragen durchzugehen:  Name der Kleinen, Alter, Karenz? Kindergarten-Platz? Blablabla. Das Angenehme war aber, dass ich allmählich den Eindruck gewann, außerhalb des mütterlichen Wettbewerbs, des mütterlichen „Spiels“ zu stehen. Die Verlockung, aus der ersten Reihe jede Regung des eigenen Kindes zu kommentieren, war für mich gering. Mein eigenes „Spiel“ ist wegen zur geringer Teilnehmerzahl abgesagt worden.
Wenn ich’s mir nochmal aussuchen könnte, würde ich erst ab einem Alter von 18 Monaten in Karenz gehen, weil dann auch für mich abwechslungsreichere Unternehmungen und „Unterhaltungen“ mit dem Kind möglich wären. Aber das ist letztlich ein Detail.
So war’s. So ungefähr.
Wenn es irgendwie möglich ist – tun! Große Empfehlung.


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