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Kieferorthopädie im Kinder- und Jugendalter

von Dr.med.dent. Andreas Pilarz

Kieferorthopädie ist ein Spezialgebiet der Zahnmedizin. Sie befasst sich mit dem Erkennen, Verhüten und Behandeln von Zahn- und Kieferfehlstellungen.

Wieso ist eine kieferorthopädische Behandlung überhaupt nötig?

Durch das Beseitigen von Zahn- und Kieferfehlstellungen wird die Funktion des Kausystems verbessert. So wird die Überbelastung einzelner Strukturen vermieden. Die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden an den Zähnen selbst, dem Zahnhalteapparat, den Kieferknochen, der Kaumuskulatur bis hin zum Kiefergelenk kann so oft deutlich verringert werden.
Viele Zahnfehlstellungen erschweren dauerhaft die Mundhygiene, was an den betroffenen Stellen die Gefahr des Entstehens von Karies stark erhöht. Die kieferorthopädische Behandlung kann dieses Problem beseitigen.
Eine „erwünschte Nebenwirkung“ besteht in der verbesserten Ästhetik. Ist diese aus rein funktioneller Sicht auch vielleicht von untergeordneter Bedeutung, so ist sie für die Patienten oft das Hauptanliegen – und das nicht zu Unrecht. Jeder weiß, wie sympathisch ein strahlendes Lächeln wirkt. Wir assoziieren damit unterbewusst Gesundheit, Kraft und Intelligenz. Diese psychosoziale Komponente darf nicht unterschätzt werden!
Eine kieferorthopädische Behandlung ist in jeder Hinsicht eine gute Investition in die Zukunft Ihres Kindes.

Wann soll eine kieferorthopädische Behandlung begonnen werden?

Ganz einfach: zum richtigen Zeitpunkt! Aber wann ist der?
Es ist nicht möglich, pauschal festzulegen, in welchem Alter eine kieferorthopädische Behandlung begonnen werden soll, weil dies von zu vielen Faktoren abhängt. Die Behandlung muss schließlich für jeden einzelnen Patienten und seine spezielle Zahn- und Kieferfehlstellung individuell zugeschnitten sein, um optimale Ergebnisse erreichen zu können. So gibt es Fehlstellungen, die bereits im Milchgebiss korrigiert werden sollen, um Störfaktoren für die weitere Gebissentwicklung zu eliminieren. Manche Fehlstellungen lassen sich besonders gut während des Zahnwechsels behandeln, bei anderen ist ein Therapiebeginn im bleibenden Gebiss anzuraten.
Um den optimalen Zeitpunkt für den Behandlungsbeginn nicht zu versäumen, sollten Kontrollen beim Kieferorthopäden mit ca. vier Jahren, dann mit dem Durchbruch der bleibenden oberen Schneidezähne und schließlich gegen Ende des Zahnwechsels, am besten vor Verlust der zweiten Milchmahlzähne, erfolgen. Sollte Ihnen am Gebiss Ihres Kindes etwas ungewöhnlich erscheinen, so ist natürlich auch zu jedem anderen Zeitpunkt eine kieferorthopädische Kontrolle möglich und sinnvoll.

Welche Möglichkeiten der kieferorthopädischen Behandlung gibt es?

Es gibt viele verschiedene Varianten von Zahnspangen bzw. Kieferorthopädischen Apparaturen. Alle haben ihre speziellen Anwendungsbereiche. Ihr Kieferorthopäde wird Ihnen nach eingehender Untersuchung und Auswertung der Behandlungsunterlagen einen auf Ihr Kind individuell abgestimmten Behandlungsplan und möglicherweise Alternativen dazu vorschlagen.

Bleibt das Ergebnis nach der kieferorthopädischen Behandlung stabil?

Nach der aktiven kieferorthopädischen Behandlung zeigen Zähne häufig eine Tendenz, sich in Richtung der ursprünglichen Fehlstellung zurückzubewegen (Rezidiv). Um das zu vermeiden, ist es nötig, Retentionsgeräte (Retention = Halten des Behandlungsergebnisses) zu tragen. Das können geklebte Drähte, abnehmbare Platten,  transparente Schienen oder auch funktionskieferorthopädische Geräte sein.

Wie nehme ich meinem Kind die Angst vor der Kieferorthopädischen Behandlung?

Angst vor dem Zahnarzt oder Kieferorthopäden hat in den meisten Fällen eine der folgenden Ursachen: schlechte Erfahrungen, Angst vor dem Unbekannten oder beängstigende Erzählungen von Freunden und Geschwistern.
Grundsätzlich ist es wichtig, die Ängste Ihres Kindes ernst zu nehmen. Vermeiden Sie bitte unbedingt den Satz: „Du musst keine Angst haben!“. Dieser Satz ist einer der schlimmsten überhaupt. Erstens kennt das Unterbewusstsein keine Verneinung. Das, was dort ankommt ist also „Du musst Angst haben!“ Kinder, die bisher keine Angst gehabt haben, bekommen sie jetzt. Kinder, die schon Angst hatten, werden darin verstärkt und außerdem nicht ernst genommen. Ihnen wird ihre Angst abgesprochen, anstatt konstruktiv damit umzugehen. Ein weiterer Satz aus dieser Kategorie ist: „Es wird gar nicht wehtun!“. Entweder es wird nicht wehtun, dann ist er unnötig, bzw. schädlich (Unterbewusstsein…), oder es wird wehtun, wenn auch nur ein bisschen, dann haben Sie Ihr Kind belogen. Und wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.
Fragen Sie Ihr Kind lieber, wovor genau es Angst hat. Finden Sie heraus, woher die Angst kommt. Entschärfen Sie beängstigende Erzählungen. Der Kieferorthopäde wird Ihrem Kind je nach Alter spielerisch oder sachlich erklären, was es zu erwarten hat. Kommt die Angst von früheren negativen Erfahrungen beim Zahnarzt, ist der Kieferorthopäde gefordert, diese durch positive Erfahrungen verblassen zu lassen.

Wie viel kostet eine kieferorthopädische Behandlung?

Die Kosten der kieferorthopädischen Behandlung können je nach Befund und  Behandlungsaufwand stark variieren. Bei einer Erstuntersuchung wird der Kieferorthopäde eine grobe Kostenschätzung abgeben können. Die Erstberatung ist zur Zeit eine Kassenleistung. Nach Anfertigen der Behandlungsunterlagen (Panoramaröntgen, Fernröntgen, Gipsmodelle, Fotos etc.), deren Vermessung und Auswertung und der kieferorthopädischen Behandlungsplanung wird Ihnen der Kieferorthopäde einen Heilkostenplan erstellen, welcher die Diagnose, die geplante Behandlung und die voraussichtlichen Behandlungskosten enthält.
Die „Autonomen Honorarrichtlinien der Österreichischen Zahnärztekammer“ dienen als  Leitlinie für die Kosten einer Behandlung bei durchschnittlichem Behandlungsaufwand.
Gegenwärtig gilt die kieferorthopädische Behandlung mit abnehmbaren Apparaten als Kassenleistung, der Patient hat allerdings einen Patientenanteil (je nach Krankenkasse bis zu 50%) selbst zu tragen.
Festsitzende Behandlungen gelten derzeit als Privatleistung, von den Krankenkassen wird allerdings ein Zuschuss gewährt (pro Behandlungsjahr von ca. € 333.- bei der GKK bis zu ca. € 1000.- bei der BVA)
Weitere Zuschüsse können, je nach Einkommenssituation, aus Unterstützungsfonds der Krankenkassen, von Landesregierungen etc. gewährt werden.
Wichtig zu wissen ist, dass Sie die kieferorthopädische Behandlung Ihres Kindes steuerlich geltend machen können!
Die Verhandlungen zur „Gratiszahnspange“ sind noch nicht abgeschlossen, daher kann ich zur Zeit keine verbindliche Auskunft dazu geben.
(Aktuelle Infos dazu: http://www.bmg.gv.at/home/Gesundheitsleistungen/Gratis_Zahnspangen/)

Wie wichtig ist die Mundhygiene während der kieferorthopädischen Behandlung? Machen festsitzende Zahnspangen (Brackets) die Zähne kaputt?

Eine optimale Mundhygiene ist vor, während und nach der kieferorthopädischen Behandlung unbedingt und ausnahmslos notwendig, um die Zähne dauerhaft gesund und kariesfrei zu halten.
Im Mund leben Bakterien, ernähren sich vom Zucker in unserer Nahrung und bilden den Zahnbelag (Plaque), der den Zähnen anhaftet. Die Stoffwechselprodukte dieser Bakterien haben einen sauren pH-Wert. Diese Säuren ätzen Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz heraus. In einer ersten Stufe wird der Zahnschmelz porös und kreidig weiß. In der Folge können Bakterien und Säuren immer weiter in den Zahn eindringen. So entsteht Karies.
Durch eine verbesserte Ernährung (seltener zucker- und säurehaltige Speisen und Getränke) kann man die Vermehrung der Bakterien deutlich verlangsamen, jedoch nicht aufhalten. Daher ist es wichtig, die Bakterien durch gründliches Zähneputzen regelmäßig zu dezimieren.
Elektrische Zahnbürsten sind oft eine große Hilfe. An die Approximalflächen, wo benachbarte Zähne einander berühren, kommt jedoch nur die Zahnseide. Überprüfen lässt sich der Reinigungserfolg mit Zahnbelagfärbetabletten oder -flüssigkeiten.
Das oben über Mundhygiene und Entstehung von Karies gesagte hat Gültigkeit, egal ob eine Zahnspange im Mund ist oder nicht. Bei festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen (Brackets) ist das Zähneputzen allerdings etwas komplizierter. Unter den Brackets bildet sich keine Karies, da dort keine Bakterien hingelangen. Um die Brackets herum muss der Zahnbelag zusätzlich zur (elektrischen) Zahnbürste auch noch mithilfe von Interdentalraumbürsten entfernt werden, um Entkalkungen und Karies vorzubeugen. Zwischen den Zähnen wird mit spezieller Zahnseide gereinigt. Den genauen Umgang damit zeigt Ihnen Ihr Kieferorthopäde.
Brackets machen die Zähne also nicht kaputt, der Zahnbelag, der auf den Zähnen liegen bleibt sehr wohl.

Muss mein Kind während der kieferorthopädischen Behandlung zum Allgemeinzahnarzt?

Ja, unbedingt! Die halbjährliche Karieskontrolle beim Zahnarzt ist äußerst wichtig, manchmal kann das Kontrollintervall sogar verkürzt werden. Der Kieferorthopäde wird zwar, wenn er eine Karies diagnostiziert, den Patienten und die Eltern darauf hinweisen, sich allerdings nicht speziell auf die Suche danach machen. Das bleibt im Aufgabenbereich des Allgemeinzahnarztes.

Teamwork ist angesagt!

Der Kieferorthopäde mit seinem Fachwissen, seiner Erfahrung und seinen Fertigkeiten kann nur einen Teil zum Erfolg der Behandlung beitragen. Der Hauptteil der Anstrengung, des Aufwands und der Disziplin wird den Patienten abverlangt. Das geht vom fleißigen Tragen von abnehmbaren kieferorthopädischen Geräten oder Gummizügen bis hin zur peinlich genauen Mundhygiene beim Tragen von festsitzenden Apparaturen. Und letztlich sind auch Sie als Eltern gefordert, Ihr Kind zu unterstützen, zu erinnern aber auch hin und wieder zu kontrollieren (v.a. Mundhygiene…). Wenn diese Zusammenarbeit funktioniert, dann steht am Ende der Behandlung der Erfolg: ein strahlendes Lächeln ihres Kindes!
Fußnote
Dem umfangreichen Fachgebiet der Kieferorthopädie kann dieser Artikel in seiner Kürze nicht gerecht werden. Er wird Fragen unbeantwortet lassen oder gar erst aufwerfen. Der Kieferorthopäde Ihres Vertrauens wird sie Ihnen gerne beantworten!


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