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Sexualerziehung im Alter von 0 bis 6

von DSA Bettina Weidinger

Baby, Kleinkindalter, Vorschulalter

Je kleiner Kinder sind, desto mehr leben sie nach den Prinzipien der augenblicklichen Befindlichkeit. Alles was im Moment schön oder unangenehm ist, wird als zentral erlebt. Die Möglichkeit zu warten, Bedürfnisse zu verschieben, wird in den Jahren vor Schuleintritt anhand von sozialen Regeln nur langsam erlernt.
Auch in Bezug auf die Sexualität wenden kleine Kinder das Lustprinzip des Moments an:
Das eigene Geschlechtsorgan wir dann berührt, wenn es als angenehm empfunden wird, soziale Regeln werden im Kleinkindalter meist ignoriert.

Körperliche und emotionale Grenzen wahrnehmen lernen – Grundsteine der Prävention

Körper

Durch das Erkunden des eigenen Körpers lernt das Kind sich selbst kennen, die eigenen Körpergrenzen, das eigene Geschlechtsorgan kennen. Nackt sein, sich berühren dürfen, die angenehmen Berührungen anderer zu erfahren – all das ist wesentlich für das Kennen lernen des eigenen Körpers.
Die Eigenberührungen des Körpers haben aber noch andere positive Auswirkungen: Körperstellen, die häufig mit den eigenen Händen berührt werden, werden mehr wertgeschätzt und positiver betrachtet. Für das Erlernen eines wertschätzenden Umgangs mit dem eigenen Geschlechtsorgan ist dies von großer Bedeutung.
Im Sinne der Prävention sexueller Gewalt hat dieser Aspekt ein großes Gewicht:
Nur was ich schätze, mag ich schützen und pflegen.

Emotionen

Auf emotionaler Ebene können Kinder Stimmungen sehr intensiv wahrnehmen – die Stimmungen, die sich auf sie selbst beziehen, wie auch die Stimmungen untereinander.
Kinder spüren sehr deutlich, ob Erwachsene gemäß ihren eigenen emotionalen Grenzen handeln oder nicht. Emotionale Grenzüberschreitungen sind nach außen hin meist nicht erkennbar, sind für feinfühlige Menschen aber spürbar. Die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und das Respektieren dieser Gefühle ist ein Lernprozess, der sehr früh einsetzt.
Für die Sexualerziehung bedeutet dies: Emotionale Grenzwahrnehmung erlernen Kinder in erster Linie durch das spürbare Vorbild. Je besser Erwachsene ihre eigenen Gefühle wahrnehmen können, je stimmiger die spürbare Emotion mit der Handlung zusammenpasst, je transparenter mit Wahrnehmungen umgegangen wird, desto mehr werden Kinder in ihrer emotionalen Kompetenzentwicklung unterstützt.

Doktorspiele und Regeln

Spätestens im Kindergarten wird die Entdeckungslust im Erkunden des sexuellen Körpers auf andere ausgedehnt, „Doktorspiele“ sind interessant, gemeinsam aufs Klo gehen, das Berühren des eigenen Geschlechtsorgans, aber auch das Berühren des Geschlechtsorgans von anderen ist aufregend. Mädchen und Mädchen, Burschen und Burschen, Burschen und Mädchen sind gleichermaßen aneinander interessiert. Eltern und PädagogInnen können Kinder in dieser Offenheit unterstützen, indem sie wertende Bemerkungen vermeiden. So sind ein Mädchen und ein Bub nicht automatisch ein "Ehepaar" und zwei Buben "nur" "beste Freunde"
Bereits kleine Kindergartenkinder wissen sehr genau, dass das sexuelle Berühren des Geschlechtsorgans etwas Lustvolles sein kann. In der Wertigkeitsskala ist die Sexualität für das Kind genauso wichtig, wie andere lustvolle Aktivitäten. Lustvolles Sandspielen, Schaukeln, Springen oder Schwimmen ist ebenso wichtig wie das Berühren des eigenen Körpers. Anders als Erwachsene leben Kinder auch im Umgang mit ihrer Sexualität im Hier und Jetzt Prinzip.
Aus diesem Grund ist das Einhalten sozialer Regeln für kleine Kinder nicht immer einfach – im Hier und Jetzt Prinzip haben Regeln kaum eine Logik – schon gar nicht, wenn es darum geht gute Gefühle erleben zu können. Auch Regeln des Miteinanders müssen erst erlernt werden: Jemand anderen nur dann zu berühren, wenn diese Person dies auch möchte. Um diesen Lernprozess gehen zu können, brauchen Kinder aufmerksame Bezugspersonen, die bereit sind diese Regeln in respektvoller und geduldiger Weise immer wieder einzufordern. 

Die Aufgabe der Eltern in der Sexualerziehung:

  • Bezeichnen aller Körperteile von Geburt an (beim Wickeln, Waschen,..). Die Genitalien mit Namen benennen, auch Teile wie Labien, Hoden benennen.
  • Ermöglichen von lustvollen Spielen, von Bewegung, von Körpererfahrungen (Leistungssport ist kein Ersatz für sinnliche Körpererfahrung!). Es geht um freie Bewegungen wie schaukeln, springen, tanzen, klettern…
  • Eingehen auf Fragen, die meist scheinbar nebenbei gestellt werden
  • Überdenken eigener moralischer Zugänge.
  • Das Einfordern von sozialen Regeln in Zusammenhang mit Sexualität muss ohne moralische Bemerkungen auskommen. Es ist in Ordnung dem Kind zu lernen, dass bestimmte Äußerungen, Berührungen, Körperhaltungen nur in bestimmten Situationen passend sind. Es ist nicht in Ordnung dem Kind zu unterstellen, es wäre „schmutzig“ „dumm“ oder „zügellos“
  • Altersadäquat Zeiten schaffen, wo das Kind mit sich allein im Zimmer, in der Höhle, im Hochbett spielen kann, ohne dabei kontrolliert zu werden.
  • Eigene Gefühls- und Körpergrenzen zeigen und ansprechen.
  • Spätestens ab dem Kindergartenalter sollten Bücher über den Körper im Kinderbuchregal stehen. Das Kind soll spüren können, dass es diese Bücher jederzeit ansehen darf, dass diese Bücher nicht anders bewertet werden als andere Wissensbücher.
  • altersadäquate Kompetenzübertragung beim Wickeln, Waschen, Pflegen. Bereits Kleinkinder können ihr Genital selbst waschen und brauchen dazu möglicherweise nur Unterstützung – aber keinesfalls volle Kontrolle, dies gilt v.a. für den Gang auf die Toilette.

Aufklärung

Mit ca. 5/6 Jahren wissen Kinder, wie die Babys in den Bauch von der Mama kommen. Es ist für viele ein eher unemotionales „Aha-Erlebnis“, das nicht viel Wogen schlägt. Viele Kinder bekommen diese Information von ihren Freundinnen und Freunden, aus dem Kindergarten, aus Büchern.
Die wesentlichen emotionalen und kognitiven Erfahrungen über den eigenen Körper und die eigene Sexualität werden aber durch viele Erlebnisse im Laufe der Jahre gesammelt.
Aufklärung – das Wissen, wie ein Baby entsteht und auf die Welt kommt, ist für Kinder unter 6 Jahren etwas sehr Abstraktes, das von vielen eher als etwas Unverständliches der Erwachsenenwelt gesehen wird. Es reicht völlig aus, wenn Fragen zu diesem Thema in einer biologischen Form, möglicherweise mit Unterstützung eines Buches, erklärt werden. Die Tatsache, dass Berührung etwas mit Zuneigung zu tun hat wissen Kinder, die dies auch erfahren. Es ist daher nicht notwendig, mit Kindern in einen intellektuellen Diskurs über erwachsene Sexualität und unterschiedliche Beziehungsmöglichkeiten zu gehen.
Eltern sind in der Begleitung ihrer Kinder daher gefordert die erwachsene Sichtweise von Sexualität hintan zu stellen und das Kind mit der Vielfalt kindlicher Sexualität und Lust zu sehen. Kinder sind überfordert, wenn sie mit erwachsenen Zuschreibungen oder moralischen Ansprüchen einer erwachsenen Sexualität konfrontiert werden. Wie in anderen Bereichen auch, müssen Eltern den Schritt in die kindliche Welt schaffen um Fragen, wie auch Handlungen des Kindes Respekt und Anerkennung zukommen zu lassen, selbst dann, wenn es aus erwachsener Sicht eigenartig anmutet.

Ein Beispiel

Ein fünf jähriger Bub, der im Rollenspiel immer die Mama sein will, hat vermutlich kein sexuelles Identitätsproblem, sondern Lust am Ausprobieren einer anderen Rolle.
Ein Mädchen, das fragt, ob es später mal einen Penis haben wird, hat keinen Penisneid, sondern beschäftigt sich mit der Tatsache, dass sie selbst anders aussieht als ihr Bruder.


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