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Verwaiste Eltern – Wenn das Kind vor den Eltern stirbt

von Astrid Panger

Elternbildung
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Du musst …, du sollst … jetzt wird es aber wieder Zeit – sehr selten kommt die Aufforderung „du darfst“. „Du darfst trauern, verletzlich sein, selbst in der Aufgabe als Mutter oder Vater Schwäche zeigen und Hilfe annehmen.“

Ja, wir dürfen trauern, wir dürfen Schmerz zulassen, rauslassen – leben. Zu Beginn der Trauerzeit stehen das soziale Umfeld und die Gesellschaft zur Seite. Zu Beginn hat der Tod seinen Platz im Alltag. Zu Beginn ist viel Verständnis und Hilfsbereitschaft da. Aber wann hört „zu Beginn auf?“.

Ist das nach Wochen, Monaten oder vielleicht nach Jahren? Wer entscheidet, wann die Trauer zu Ende ist und wann ein „normaler“ Alltag wieder gelebt werden soll? Natürlich ist meist die Familie, sind Freunde, Kolleg/innen unterstützend da und bemüht. Doch nur die trauernde Person weiß, was ihr gut tut und nur sie kennt ihr Trauertempo. Gerade beim Tod eines Kindes gibt es immer wieder Momente, auch nach Jahren, wo sich die Trauer massiv wieder aufdrängt. Nicht weil sie schwach machen möchte und auch nicht in der Sorge, dass wir zu leichtfertig unseren Alltag leben. Sie meldet sich, weil die Liebe zum Kind nie verloren gegangen ist. Trauer ist nachgetragene Liebe und Trauer hilft aus der Sprachlosigkeit. Sie ist existentiell. Man darf sie zulassen, sich auf sie einlassen und beobachten, was sie mit einem macht. Gefühle zu kalkulieren, ist nicht sinnvoll. Wie in der Liebe, kann das Gefühl der Trauer zugelassen werden, denn die Trauer ist eine der stärksten Gefühle des Lebens.

Was macht es so schwer?Elternbildung

Auf den Tod eines Kindes ist man nicht vorbereitet und es gibt keine Erklärung, keine Trostworte, die das Geschehene erträglich machen. Der Tod eines Kindes, unabhängig seines Alters, denn Kind ist man ein Leben lang, stürzt Eltern in tiefste Verzweiflung. Die Gefühle, die sie in voller Intensität erleben, sind schier unerträglich. Trauer und Angst, Schuldgefühle, aber auch Wut und Ohnmachtsgefühle angesichts der Endgültigkeit des Todes prägen den Alltag. Alle Hoffnungen und Träume für die Zukunft werden jäh zerstört und der Sinn des Lebens scheint plötzlich verloren gegangen zu sein. Immer wieder beschreiben Eltern ihre Situation mit den Worten. „Am Anfang haben wir nur versucht zu „überleben“. Jeder Atemzug hat weh getan.“ In diesen beiden Sätzen wird versucht, das Ausmaß, die Unverständlichkeit, das Unvorstellbare in Worte zu fassen.

Welche Gefühle und Veränderungen kommen auf den Menschen zu, wenn eine geliebte Person verstirbt und welche Aspekte kommen beim Tod eines Kindes zu den gegebenen hinzu?Elternbildung

Gemeinsamkeit:

  • Trauerschmerz
  • Problem der Akzeptanz
  • Wahrnehmung des Verlustes
  • Problem der Neuorientierung
  • Warum-Frage

Hinzukommend bei Verlust eines Kindes:

  • Verlust einer Lebensaufgabe
  • Ein Teil der eigenen Person stirbt mit
  • der Tod ist „unnatürlich“
  • Angst, etwas falsch gemacht zu haben
  • Schuldgefühle sind oft intensiver
  • Paarbeziehung kann gefordert sein
  • Geschwisterkinder passen sich oft an bzw. werden mit ihrer Trauer nicht wahrgenommen
  • Großeltern trauern „doppelt“ – um das verlorene Enkelkind und dass ihr Kind und Schwiegerkind so ein Schicksal ereilt

Wenn das Familiengefüge ins Schwanken kommtElternbildung

Der Tod eines Kindes bedeutet eine Familienkrise in kaum zu überblickender Dramatik, denn das bestehende Geflecht von Beziehungen wird zerstört. Das seelische Gleichgewicht der Familie als Ganzes wird tiefgreifend verändert, denn das gestorbene Kind hinterlässt eine große Lücke – in unterschiedlicher Intensität spürbar für alle Familienmitglieder.

Trauer ist so individuell wie der Mensch selbst – und das macht es so schwierig, da unterschiedliche Bedürfnisse aufkommen. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten: Eltern erstarren direkt nach dem Tod des Kindes wie in einem Schock. Es wirkt ein Schutzmechanismus, der die zerstörerische Wirklichkeit von der Seele fernhält.

Erst nach längerer Zeit können Eltern beginnen, sich mit dem Verlust auseinander zu setzen. Meist dauert dies so lange, dass Menschen in ihrer Umgebung erwarten, dass der Tod langsam verarbeitet sein müsste. Das Gegenteil ist der Fall. Den Tod eines Kindes zu verkraften, dauert für manche Eltern ein Leben lang. Es ist eine Wunde fürs Leben.

Oft ist ein bewusster oder unbewusster Rückzug die Folge. Das Elternsein wird neu definiert. Manche Mutter leidet darunter, dass sie nicht die Mama sein kann, die sie so gerne für die verbleibenden Kinder sein würde. Auferlegte Erwartungen und Druck von sich selbst oder auch von außen erleichtern den Familienalltag nicht. Erst nach einiger Zeit können Angehörige wieder auf andere Menschen zugehen, ihre Bedürfnisse klar aussprechen, Hilfe gezielt annehmen und am Leben teilnehmen. Es dauert viele Jahre, bis Eltern wieder einen Sinn in ihrem Leben sehen – bis sie spüren, dass ihr eigenes Leben weitergehen kann. Erst mit der Zeit stellt sich ein neues, inneres Gleichgewicht ein. Viele Familien beginnen mit einer neuen Zeitrechnung bei Erzählungen und Erinnerungen, mit einer Zeit davor und mit einer Zeit nach dem Tod des Kindes. Die Zeit danach ist anders, fremd, ungewollt …

Hilfe annehmen ist keine Schwäche, sondern ist ein Zeichen von GrößeElternbildung

Die Erfahrung, trauernde Eltern und Familienangehörige zu stützen und zu stärken zeigt, dass im Erzählen selbst heilende Kräfte liegen. Wenn wir z.B. durch Gesprächsgruppen, angelehnt an die Vorgaben und den Ablauf von „Eltern-Kind Gruppen“ den Teilnehmenden ermöglichen, immer wieder das Unsagbare in Worte zu fassen, Möglichkeiten der Stärkung der Elternkompetenz ansprechen und anleiten, wird der Trauerprozess gefördert und unterstützt. Das Gefühl der Trauer hilft, mit dem Geschehenen umgehen zu lernen, denn die Schwester der Trauer ist die Liebe. Der Tod beendet das Leben, aber nicht die Liebe!

Trauer ist ein Gefühl des Lebens – ein Appell, das Sterben ins Leben zu holenElternbildung

Unser Leben ist bunt – wahrlich in allen Varianten, von kraftvollen Farben, über Pastellfarben bis zu dunklen, schweren Farben. Die gesamte Palette steht zur Verfügung. Manchmal selbst kreiert und oft auch unausweichlich aufgedrängt.

Mit den hellen Tönen im Leben gehen wir wie selbstverständlich um. Bei Glück, Zufriedenheit, Liebe und vielen anderen positiven Gefühlen verschwenden wir oft keinen Gedanken. Diese Gefühle werden mit Wohlwollen zugelassen.

Wie ist es mit den schweren, dunklen Tönen der Farbpalette des Lebens? Sie machen Angst, zermürben und wir unternehmen vieles, das wir sie nicht wahrnehmen möchten und oft auch nicht können.

In der heutigen Gesellschaft ist der Tod „ausgebürgert“. Wir können kaum mehr im geschützten, familiären Umfeld unsere Erfahrungen mit ihm machen, um Kompetenzen im Umgang mit Sterben und Tod zu erwerben. Der Tod, der nicht mehr natürlich zum Leben gehört, wird an Institutionen delegiert und als Ausnahmezustand, als Bedrohung erlebt. Wir nehmen uns selbst eine tiefe zwischenmenschliche Erfahrung.

Wenn Sie betroffene Eltern sind, möchte ich Sie bestärken, Hilfe außerhalb des Familiensystems bei Bedarf anzunehmen und über Ihr Kind zu erzählen – immer wieder aufs Neue. Es ist und bleibt ein Teil Ihrer Familie.

Gedenkseite für Verstorbene in Österreich
https://www.kath-kirche-kaernten.at/dioezese/detail/C3427/und-niemand-ist-vergessen

Kinder in Krisenzeiten zur Seite stehen – eine 4teilige  Reihe
https://www.kath-kirche-kaernten.at/dioezese/detail/C2611/kinder-in-krisenzeiten-zur-seite-stehen
https://www.kath-kirche-kaernten.at/dioezese/detail/C3427/kindern-in-krisenzeiten-zur-seite-stehen-teil-2
https://www.kath-kirche-kaernten.at/dioezese/detail/C3427/kindern-in-krisenzeiten-zur-seite-stehen-teil-3
https://www.kath-kirche-kaernten.at/dioezese/detail/C3427/kindern-in-krisenzeiten-zur-seite-stehen-teil-4

 


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